• vom 22.11.2017, 17:49 Uhr

Österreich


Ausbildung

WKO will auch Gymnasiasten die Lehre schmackhaft machen




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  • Verpflichtende Talente-Checks in allen Schulen sollen Jugendliche vor beruflichen Fehlentscheidungen bewahren.

Technische Berufe werden auch für Mädchen langsam interessanter. Das zeigt ein Vergleich der Lehrlingszahlen der vergangenen zehn Jahre.

Technische Berufe werden auch für Mädchen langsam interessanter. Das zeigt ein Vergleich der Lehrlingszahlen der vergangenen zehn Jahre.© highwaystarz Technische Berufe werden auch für Mädchen langsam interessanter. Das zeigt ein Vergleich der Lehrlingszahlen der vergangenen zehn Jahre.© highwaystarz

Wien. (ede) Wirtschaftskammerpräsident Christoph Leitl lässt sich die Lehre nicht schlechtreden. Dass nur 80 Prozent der Jugendlichen die Lehrabschlussprüfung gleich beim ersten Mal schaffen, sei kein Grund, die Lehre herunterzumachen. Beim zweiten Anlauf schließen 95 Prozent positiv ab, das sei eine ähnliche Größenordnung wie in der AHS, sagte Leitl am Mittwoch in einem Pressegespräch und fügte hinzu: "Eine 100-prozentige Erfolgsquote im ersten Anlauf gibt es in keinem Ausbildungssystem."

AK-Präsident Rudolf Kaske hatte vergangene Woche moniert, es sei "alarmierend, dass wieder weniger Lehrlinge die Abschlussprüfung beim ersten Antritt geschafft haben." Er fordert eine Qualitätsoffensive in der Lehrausbildung durch die gesetzliche Einführung eines Qualitätsmanagements. Zusätzlich solle mindestens einmal während der Lehrzeit das Können der Jugendlichen überprüft werden, um ihnen rechtzeitig die passende Unterstützung zukommen zu lassen. Außerdem solle die Lehrstellenförderung für die Betriebe im letzten Lehrjahr daran geknüpft werden, ob ihre Lehrlinge die Abschlussprüfung bestehen, so Kaske.


Beruflich die
richtige Wahl treffen

Unterdessen wirbt die Wirtschaftskammer weiter offensiv für die Lehre. So gibt es für Jugendliche an den Schulen kostenlose "Talente-Checks", die ein Bild von ihren Begabungen und Interessen liefern sollen. Das sei insofern wichtig, weil dadurch mitunter Fehlentscheidungen bei der Berufswahl vermieden werden können, so Leitl. Denn über Umwege ans Berufsziel zu gelangen, sei mit viel Frust und auch Kosten verbunden,

Rund drei Viertel der 13- und 14-Jährigen nehmen an dem Programm bereits teil, vorwiegend in Mittelschulen. In den Gymnasien ortet Michael Landertshammer, Leiter der Bildungspolitischen Abteilung der WKO, noch "gewisse Abwehrhaltungen". Dahinter stecke offenbar die Angst der AHS-Direktoren, Schüler zu verlieren. Für manche wäre eine Lehre aber die bessere Wahl, denn in der AHS-Oberstufe scheidet derzeit etwa jeder Fünfte ohne Abschluss aus oder wechselt den Schultyp. Etwa vier Prozent der Lehranfänger sind AHS-Abbrecher, zwei Prozent haben die AHS-Matura.

Um 100 Prozent der Jugendlichen erreichen und sie über ihre beruflichen Möglichkeiten informieren zu können, plädiert die Wirtschaftskammer für verpflichtende Talente-Checks in allen Schulen. An die künftige Regierung richtete Leitl erneut den Appell, die Schulpflicht in eine Bildungspflicht umzuwandeln. Das Erreichen eines Pflichtschulabschlusses müsse auch das verbindliche Erreichen von Grundkompetenzen (sinnerfassendes Lesen, Grundrechnungsarten, soziale Kompetenzen) umfassen.

Anstieg bei den
Lehranfängern

Per Ende Oktober 2017 befanden sich hierzulande 30.497 Jugendliche im ersten Lehrjahr - ein Plus von 4,2 Prozent gegenüber Oktober 2016. Es ist dies der erste Anstieg seit 2008. Die meisten Lehrlinge werden von Gewerbe- und Handwerksbetrieben (13.536), Handel (4218) und Industrie (4218) ausgebildet. In der überbetrieblichen Lehrausbildung sank die Zahl der Lehranfänger um 3,9 Prozent auf 3635.

Erfreulich ist laut WKO, dass sich langsam immer mehr Mädchen für Lehrberufe entscheiden, die bisher eine Bubendomäne waren. So ist in den vergangenen zehn Jahren bei den weiblichen Lehrlingen der Anteil der Mechatronikerinnen von 4,6 Prozent auf 8,3 Prozent gestiegen.

Die meisten nicht besetzten Lehrstellen gibt es derzeit im Fremdenverkehr. Rund 1500 Personen werden gesucht.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-11-22 17:53:06


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