• vom 29.11.2017, 16:27 Uhr

Österreich

Update: 29.11.2017, 16:48 Uhr

Luftfahrt

Zitterpartie um Niki




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  • Die Übernahme der österreichischen Air-Berlin-Tochter durch die Lufthansa wackelt - aus wettbewerbsrechtlichen Gründen.

Die Wege der deutschen AUA-Mutter Lufthansa und von Niki führen möglicherweise doch auseinander. - © apa/Robert Jäger

Die Wege der deutschen AUA-Mutter Lufthansa und von Niki führen möglicherweise doch auseinander. © apa/Robert Jäger

Wien/Brüssel/Frankfurt. (kle) Niki und die AUA dürften doch keine Schwestern werden. Wie "Spiegel Online" und Reuters am Mittwoch berichteten, droht die Übernahme der Österreich-Tochter des insolventen Carriers Air Berlin durch die AUA-Mutter Lufthansa, Europas Branchen-Primus, aus Wettbewerbsgründen zu scheitern. "Die EU-Kommission neigt derzeit dazu, den Niki-Deal für die Lufthansa zu untersagen", zitierte Reuters eine Person, die mit der Sache vertraut ist.

Eine offizielle Bestätigung aus Brüssel gab es dafür nicht. Noch sei in der kartellrechtlichen Prüfung großer Teile der Air-Berlin-Übernahme durch die Lufthansa nichts entschieden, hieß es dort am Mittwoch. "Die Untersuchung dauert an, und wir können ihr Ergebnis zu diesem Zeitpunkt nicht vorwegnehmen", betonte ein Sprecher der EU-Kommission. Die Frist für die Prüfung läuft bis 7. Dezember.


Die Wettbewerbshüter könnten die Übernahme dann - gegebenenfalls unter Auflagen - durchwinken oder aber eine vertiefte Prüfung einleiten. Letzteres dürfte derzeit wahrscheinlicher sein. Von anderer Seite hieß es aus der Kommission, die Lufthansa habe noch bis zum späten Donnerstagabend Zeit, um die wettbewerbsrechtlichen Bedenken der Behörde auszuräumen. Lufthansa-Chef Carsten Spohr war am Mittwoch jedenfalls bei Wettbewerbskommissarin Margrethe Vestager, um das Thema zu besprechen.

Falls vertiefte Prüfung - keine
Zwischenfinanzierung mehr

Für Niki drängt jetzt freilich die Zeit. Denn die Lufthansa hat - ebenfalls über "Insider" und nicht offiziell - wissen lassen, dass sie die Zwischenfinanzierung der bisher nicht insolventen Airline wohl einstellen werde, falls die EU-Kommission beabsichtige, den gesamten Air-Berlin-Deal vertieft zu prüfen. Eine derartige Untersuchung würde 90 Werktage dauern. Ohne Lufthansa-Alimentierung (der Ticketverkauf allein spült zu wenig Geld in die Kassen) müsste Niki dann wohl ebenfalls Insolvenz anmelden.

Die 21 Niki-Flugzeuge des Typs Airbus A321, die derzeit noch von Wien-Schwechat, München oder Düsseldorf aus Feriendestinationen wie die Baleareninsel Mallorca ansteuern, müssten dann noch vor Weihnachten am Boden bleiben, und rund 800 Arbeitsplätze wären durch die Insolvenz in Gefahr. Es sei denn, dass kurzfristig ein anderer Käufer einspringt, der die Finanzierung übernimmt und ein Zukunftskonzept für die Airline vorlegen kann.

Der frühere Formel-1-Weltmeister Niki Lauda wäre jedenfalls weiterhin bereit, die 2003 von ihm unter dem Namen "flyniki" gegründete und später an Air Berlin verkaufte Fluglinie zu übernehmen. "Mein Angebot zusammen mit Thomas Cook gilt nach wie vor", sagte er dem "Handelsblatt". "Wir sind gesprächsbereit. Die sich abzeichnende Entscheidung in Brüssel kommt mir gelegen."

Wie berichtet, hatte Lauda Mitte September gemeinsam mit dem britischen Reisekonzern Thomas Cook und dessen Airline-Tochter Condor für Niki und andere Air-Berlin-Teile geboten. Exklusivverhandlungen führten die Air-Berlin-Gläubiger aber mit der Lufthansa, was der Ex-Rennfahrer enttäuscht kommentierte. Vor allem warnt Lauda vor einer zu großen Marktdominanz der Kranichlinie.

Lauda & Co. fordern Korrektur
bei Air-Berlin-Filetierung

Lauda und der Thomas-Cook-Konzern drängen deshalb auf Korrekturen bei der Aufteilung der insolventen Air Berlin. Sie sehen Brüssel gefordert. "Wir hoffen, dass die EU-Kommission ein Interesse an fairem Wettbewerb hat", sagte Christoph Debus, Chef der Thomas-Cook-Flugsparte, zu der auch der Ferienflieger Condor gehört, der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Nachsatz: "Die dominante Stellung, die die Lufthansa bekommen möchte, kann nur nach intensiver Prüfung und unter Auflagen genehmigt werden."

Normalerweise dürfe eine gescheiterte Gesellschaft "nur dann von einem dominanten Anbieter übernommen werden, wenn es keine Alternative gibt". Aber "im Fall von Niki hat es bekanntermaßen mehrere Alternativen gegeben", so Debus. Neben dem Condor/Lauda-Konsortium hatte etwa auch der British-Airways-Mutterkonzern ein Angebot gelegt.




Schlagwörter

Luftfahrt, Airlines, Air Berlin

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2017-11-29 16:32:05
Letzte Änderung am 2017-11-29 16:48:48


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