Wien. WKO-Präsident Christoph Leitl hat drei Forderungen an die neue Regierung, macht aber auch drei Angebote, worum sich die Kammer bemühen werde. Die oberste Priorität der Unternehmen sei eine Senkung der Lohnnebenkosten, so Leitl unter Verweis auf das aktuelle Wirtschaftsbarometer, eine Umfrage unter 3600 Unternehmen. Zweitens solle die Regierung Bürokratie abbauen und drittens in Digitalisierung investieren, denn ohne digitalen Anschluss seien Firmen heutzutage chancenlos.

Im Gegenzug will die Wirtschaftskammer dafür sorgen, dass Österreich bei der beruflichen Qualifikation weltweit unter den Top-10 rangiert, dass es also gut ausgebildete Fachkräfte gibt. Zweitens will die Kammer Zugang zu Innovationen und "Wissensnetzwerken" ermöglichen. Und drittens soll die Internationalisierung vorangetrieben werden, vor allem außerhalb Europas.

Dem Fachkräftemangel entgegenwirken


Christoph Schneider, Leiter der Wirtschaftspolitischen Abteilung der WKO, betonte, dass sich das Wirtschaftsklima in den heimischen Unternehmen auf einem 10-Jahres-Hoch befinde. Mehr als 40 Prozent der Unternehmen erwarten eine Verbesserung des Wirtschaftsklimas. Das Wirtschaftsbarometer lieferte aber auch wieder Indizien für einen bevorstehenden Fachkräftemangel. Die Kammer will die Berufe mit Fachkräftemangel, für die es sogenannte "Bildungspfade" zum Erwerb von Zusatzqualifikationen gibt, von 25 auf 100 erhöhen. Klar "überholt" sei die Einstellung, dass eine Facharbeiterausbildung ein zu geringes Sozialprestige hat. Man müsse allen ermöglichen, mit 19 sowohl eine höhere Schule als auch eine Berufsausbildung abzuschließen. Denn inzwischen wisse jeder, dass die AHS alleine keine Jobsicherheit bietet. Leitl verwies auch auf den Talentecheck für 13- bis 14-Jährige. Zuletzt lagen Österreichs Lehrlinge bei den Berufs-Weltmeisterschaften auf Rang 5 und bei den Europameisterschaften auf Rang 1.

Für den Zugang zu Innovationen hat die WKO bereits Abkommen mit Universitäten in den USA, in Asien und in Europa (ETH Zürich). Anfang Jänner soll ein Abkommen mit der Universität Karlsruhe folgen, und "uns schwebt vor", bezüglich Kreativität und Design einen Schwerpunkt zu setzen, indem Abkommen mit Instituten in Barcelona oder Mailand abgeschlossen werden, so Leitl.

Schließlich soll die Außenwirtschaftsorganisation außerhalb Europas stärker werden, "ohne dass wir in Europa zusperren". Das sei durch eine bessere Schwerpunktsetzung und eine höhere Betreuungsintensität dank moderner Kommunikationsmittel möglich. Ob und wie weit die WKO das künftig mit weniger Budget bewerkstelligen muss, wollte Leitl nicht bewerten: "Ich kenne die Pläne (der Regierung) nicht, weil sie derzeit noch in Verhandlungen sind." Er scheue sich aber nicht vor Kosteneinsparungen.