• vom 22.12.2017, 18:05 Uhr

Österreich


Telekommunikation

"Die Marktkonzentration steigt"




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Von Karl Leban

  • T-Mobile Austria kauft Kabelnetzspezialisten UPC für 1,9 Milliarden Euro - Deal könnte für höhere Verbraucherpreise sorgen.



Wien/Bonn. Milliardendeal in Österreichs Telekom-Branche: T-Mobile Austria kauft dem britischen Kabelnetzbetreiber Global Liberty dessen Wiener Tochter UPC Austria (654.000 Kunden) ab. Die 1,9 Milliarden Euro schwere Übernahme ist bereits paktiert, allerdings fehlt noch die Zustimmung der Wettbewerbshüter und des Telekom-Regulators. Mit dem rechtlichen Abschluss der Transaktion, dem sogenannten Closing, rechnet T-Mobile Austria nicht vor dem zweiten Halbjahr 2018.

Wäre der Zusammenschluss offiziell bereits vollzogen, hätte die Deutsche-Telekom-Tochter mit ihren rund 1300 Mitarbeitern gemeinsam mit UPC Austria (1000 Mitarbeiter) insgesamt 6,7 Millionen Teilnehmer bei mobilem und fixem Internetzugang, Telefonie, TV-, Video- und Unterhaltungsangeboten. Der gemeinsame Umsatz läge in einer Pro-forma-Rechnung für heuer bei 1,2 Milliarden Euro, so T-Mobile Austria am Freitag.


Kampfansage an A1
Für Global Liberty hat die durch UPC Austria repräsentierte Österreich-Sparte offenbar keine große Bedeutung. Im vergangenen Jahr steuerte diese weniger als zwei Prozent zum Konzernumsatz von gut 16 Milliarden Euro bei. Für T-Mobile Austria, derzeit die Nummer zwei im hiesigen Telekom-Markt, bedeutet die Übernahme indes die Chance, damit den Abstand zum Branchen-Primus A1 Telekom Austria zu verringern. Denn mit den Angeboten von UPC Austria hätten in Zukunft sowohl Privat- als auch Geschäftskunden "wesentlich mehr Wahlmöglichkeiten bei digitalen Diensten", wie T-Mobile Austria in einer Aussendung ankündigte. Durch den Kauf könne T-Mobile in Österreich jedenfalls erstmals Mobilfunk- und Festnetzangebote aus einer Hand anbieten.

Daneben möchte sich die Deutsche-Telekom-Tochter aber auch für den Aufbau des künftigen 5G-Netzes rüsten. Zumal UPC Austria ebenfalls über eine Glasfaser-Infrastruktur verfüge - womit für den Aufbau eine gemeinsame Basis bestehe. Außerdem könne das mobile Breitband-Angebot durch den Zukauf beschleunigt werden.

Vor allem kann T-Mobile Austria dank UPC künftig auch Festnetz-Internet anbieten. Für bestehende Kombi-Kunden, die bisher zu ihrem UPC-Festnetz auch einen Drei-Handy-Vertrag haben, ändert sich durch den bevorstehenden Eigentümerwechsel nichts. "Sie bleiben mit ihrem Handy weiterhin Drei-Kunden", so T-Mobile-Austria-Sprecher Helmut Spudich.

"Breitband ist das unverzichtbare Fundament des digitalen Österreichs", betonte T-Mobile-Austria-Chef Andreas Bierwirth. Ab Jänner 2018 bietet T-Mobile hybrides Breitband-Internet durch die Kombination von Mobilfunk und Festnetz in einem Anschluss (Router) an. Dazu wird zunächst ein sogenannter Wholesale-Vertrag mit A1 Telekom Austria genutzt, den dann UPC Austria in weiterer Folge obsolet machen soll.

"Die Übernahme wird zwar zu einer Stärkung der Stellung von T-Mobile im Wettbewerb mit A1 und Drei führen", hieß es am Freitag beim Telekom-Regulator RTR. "Insgesamt steigt jedoch auch die Marktkonzentration. Diese muss man sehr genau beobachten."

Der Hintergrund: Dass es künftig mit dem Wegfall von UPC Austria einen weiteren Anbieter weniger am Markt gibt, könnte die Preise im Mobilfunksektor nach oben treiben. Als Drei vor fünf Jahren Orange Austria übernahm, stiegen die Preise bis Ende 2014 "signifikant", wie eine im Vorjahr durchgeführte Branchenuntersuchung der Bundeswettbewerbsbehörde und der RTR ergab. Danach sanken sie aber wieder, als neue Anbieter wie etwa der Lebensmittel-Diskonter Hofer (mit "HoT") in den Markt einstiegen.

RTR: Trend zu "One-Stop-Shop"
Im Übrigen ist es für die RTR keineswegs überraschend, dass sich wie im Fall T-Mobile/UPC ein Mobilfunker einen Festnetzbetreiber an Bord holt. "Überall in Europa ist ein Trend zur Fest-Mobil-Konvergenz zu beobachten", so die RTR. "Die Anbieter verfolgen ein ,One-Stop-Shop‘-Konzept, bei dem die Kunden alle Telekommunikationsprodukte aus einer Hand erhalten. Ähnliche Entwicklungen gab es etwa bereits in Spanien oder Deutschland."




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Dokument erstellt am 2017-12-22 18:11:04


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