Wien/Berlin/Rom. (ag/kle) Bei der Suche nach einer Lösung für die insolvente österreichische Air-Berlin-Tochter Niki läuft alles auf einen Verkauf an die spanisch-britische Holding IAG - das ist die Dachgesellschaft für British Airways, Iberia und Vueling - hinaus. Die Holding ist nach Informationen der Deutschen Presse-Agentur der Bieter, mit dem Niki-Insolvenzverwalter Lucas Flöther nun exklusiv über einen endgültigen Kaufvertrag verhandelt wird. Der Vertrag soll demnächst stehen.

Mit einem zweistelligen Millionenbetrag habe IAG das höchste Offert abgegeben, berichtete Reuters am Donnerstag unter Berufung auf Insider. Ursprünglich war in den vergangenen Tagen mit vier Bietern verhandelt worden. Drei sind nun ausgeschieden, darunter auch der frühere Formel-1-Rennfahrer Niki Lauda, der die Airline 2003 gegründet hatte. "Ich wollte Niki und die Jobs in Österreich erhalten", sagte Lauda der Austria Presse Agentur. Wenn nun ans Ausland verkauft werde, bedeute dies die komplette Zerschlagung der Niki. "Dann haben wir in Österreich keine zweite Airline mehr (nach der AUA, Anm.)."

Wie berichtet, hatte die Lufthansa ihre Übernahmepläne für Niki zuvor wieder zurückgezogen, weil die EU-Wettbewerbshüter wegen befürchteter Monopolstrecken harte Auflagen verlangt hatten. Lufthansa-Chef Carsten Spohr erklärte zuletzt in einem Interview, dass Brüssel die Übernahme nur unter der Auflage genehmigen wollte, "dass wir Niki umgehend weiterverkaufen. Darauf konnten wir uns natürlich nicht einlassen."

Kartellamt rügt Lufthansa

Unterdessen bleibt das Bundeskartellamt in Bonn der Lufthansa nach der Air-Berlin-Pleite auf den Fersen. Im Zuge ihrer Überprüfung erhöhter Ticketpreise äußerte die Behörde Skepsis in Bezug auf die Argumentation des deutschen Branchenprimus. Kartellamtschef Andreas Mundt sagte der "Süddeutschen Zeitung", das Unternehmen könne sich nicht hinter seinem computerbasierten Preissystem verstecken.

Die Lufthansa hat nach eigenem Bekunden nicht an der Preisschraube gedreht. Sie verweist vielmehr auf eine Software, die abhängig von der Nachfrage automatisch die Preise für bis zu 26 Buchungsklassen ermittelt. Mundt hielt dem jedoch entgegen: "Solche Algorithmen werden ja nicht im Himmel vom lieben Gott geschrieben."

Im Zuge der Insolvenz von Air Berlin sind die Ticketpreise für manche Inlandsflüge nach Experteneinschätzung um bis zu 30 Prozent gestiegen. Nach zahlreichen Beschwerden hatte das Kartellamt Ende November eine Prüfung angekündigt. Es werde untersucht, ob eine Preisschwelle übertreten worden sei, ab der die Lufthansa ihre neue Macht missbraucht und die Preise unangemessen heraufgesetzt habe.

Lufthansa Favorit bei Alitalia

Die Niki-Übernahme hat die Lufthansa abgeblasen, laut italienischen Medien ist die Kranichlinie aber Favorit der Regierung in Romfür den Kauf der angeschlagenen Alitalia. Das Offert der Lufthansa sei besser als jenes von Easyjet und des Bawag-Großaktionärs Cerberus, so die Mailänder Zeitung "Corriere della Sera". Im Jänner sollen die Exklusiv-Gespräche mit der Lufthansa beginnen.