• vom 10.01.2018, 06:54 Uhr

Österreich

Update: 10.01.2018, 14:37 Uhr

Plastikmüll

Europas Müllhalde schließt




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Von Petra Tempfer

  • China stoppt den Import von Plastikabfall, was zu Überangebot auf europäischem Recyclingmarkt und Preisverfall führt.

- © Getty Images/Ryan Pyle

© Getty Images/Ryan Pyle

Wien/Peking. Die Kampagne richtet sich gegen ausländischen Müll mit dem klingenden Namen "yang laji" - und hat fatale Auswirkungen auf den europäischen Recyclingmarkt. Denn der Müll, um den es hier geht, ist jener aus Europa. Das Land, das sich gegen diesen richtet, ist China. Rund 7,3 Millionen Tonnen Plastikabfall wurden hier jährlich verwertet, das entspricht mehr als der Hälfte der weltweit produzierten Menge. 1,6 Millionen Tonnen davon kamen aus der EU.

Seit 1. Jänner dieses Jahres ist damit Schluss. China hat aus Umweltschutzgründen die Importe unsortierter Kunststoffabfälle gestoppt, Hauptexporteure waren dabei die USA und Japan. Die Abfälle hätten zu viele toxische Stoffe enthalten, hieß es. Voraussichtlich ab März wird das Importverbot auch für die sortierten Abfälle gelten, wie sie etwa aus Deutschland und Großbritannien kommen. Peking teilte der Welthandelsorganisation bereits im Juni 2017 mit, dass man bis Ende 2018 den Import von insgesamt 24 Abfallarten untersagen möchte - spätestens dann steckt Europa in einer Müllkrise.

Österreich recycelt mehr als 90 Prozent seines Plastikmülls

Was Österreich betrifft, so exportiert unser Land der Altstoff Recycling Austria (ARA) zufolge keine Altstoffe nach Asien. Zumindest nicht aus der Verpackungssammlung. Spezielle Kunststoffabfälle wie beispielsweise Produktionsabfälle werden laut Hans Roth, Präsident des Verbands der österreichischen Entsorgungsbetriebe (VOEB) und Gründer von "Saubermacher", ins Ausland exportiert - wodurch ebenfalls etwas nach China gelangen könnte. In Österreich werden laut ARA rund 187.000 Tonnen jährlich verwertet, das entspricht mehr als 90 Prozent des produzierten Plastikmülls. Der Rest wandere in die Schweiz, nach Deutschland und Slowenien. Insgesamt wird in Österreich etwas mehr als die Hälfte des Mülls (60 Millionen Tonnen pro Jahr) recycelt. Österreich ist somit nicht direkt vom Importstopp betroffen. Indirekt allerdings schon.

"Das daraus resultierende Überangebot an Kunststoffabfällen auf dem europäischen Recyclingmarkt sorgt für sinkende Preise", heißt es bei der ARA. Bereits im Vorfeld des Importstopps hätten Händler von Restriktionen bei der Einfuhr nach China berichtet - seitdem bewegten sich die Preise auf den Altstoffmärkten nach unten.

Eine ähnliche Situation gab es 2013, als China während der "Operation Grüner Zaun" Importe von Kunststoffabfällen, aber auch von Altschrotten, Altpaper und Alttextilien drastisch eingeschränkt hatte. Das hatte ein Überangebot und einen Preisverfall in den Exportländern aufgrund der geringen Kapazitäten zur Folge. Diesmal sind die Importe jedoch zur Gänze gestoppt - und die Konsequenzen vermutlich weitreichender.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-01-09 18:08:06
Letzte nderung am 2018-01-10 14:37:06



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