• vom 13.01.2018, 09:30 Uhr

Österreich

Update: 13.01.2018, 10:05 Uhr

Konjunktur

Vom Auf und Ab auf niedrigem Niveau




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Von Simon Rosner

  • Warum Wirtschaftsforscher mit ihren Prognosen danebenlagen, sie aber dennoch nicht irrten.

Getty Images/Ikon Images

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Wien. Es war einmal. Im September vor einem Jahr haben die beiden Wirtschaftsforschungsinstitute Wifo und IHS sehr vorsichtig ihre Konjunkturprognose für das Jahr 2017 angehoben. Ihre Rechenmodelle hatten ein Wachstum zwischen 1,4 und 1,6 Prozent des Bruttoinlandsproduktes ausgeworfen, und im Vergleich der vorangegangenen Jahre bedeuteten diese Zahlen tatsächlich so etwas wie gute Nachrichten.

Dabei hätten genau die gleichen Zahlen vor der großen Krise eher ein Tal im Konjunkturzyklus markiert. Doch damals, im September 2016, war man froh, dass sich nach Jahren des Darbens nahe dem Nullwachstum eine gewisse Stabilisierung abgezeichnet hat. Der Ausblick der Forscher war dennoch getrübt: "Wir müssen uns an ein bescheidenes Wachstum und leider auch an hohe Arbeitslosenraten gewöhnen", sagte der damals frisch berufene Wifo-Chef Christoph Badelt.


Von Prognose zu Prognose wurden im Vorjahr dann die konjunkturellen Erwartungen nach oben korrigiert. Und vor Weihnachten dann das: 3 Prozent für das Jahr 2017, drei Prozent für heuer (das IHS prognostizierte 3,1 und 2,7 Prozent). Diese Zahlen erinnern viel eher an frühere Zeiten, vor dem Crash, und noch ehe von langfristigem Niedrigwachstum oder gar von "säkularer Stagnation" die Rede war. War alle Besorgnis also umsonst?

"Die Grundaussage ist für mich noch immer richtig, aber sie gilt nicht mehr so stark wie damals", sagt Badelt heute. Und IHS-Chef Martin Kocher ergänzt: "Das Szenario war zu pessimistisch. Die Erwartung war, dass es schwierig werden wird, Wachstumsraten von über zwei Prozent zu sehen." Genau die gibt es jetzt, und zwar nicht nur in Österreich.

Deutschland hat das Vorjahr mit einem 2,2-prozentigen BIP-Zuwachs abgeschlossen, und der gesamte Euroraum entwickelte sich wie seit zehn Jahren nicht mehr. Der "Pessimismus" der Ökonomen war aber damals fundiert. "Der Niedrigzins hat nicht wirklich gewirkt, es gibt Überalterung, es wurde zu wenig investiert, und auch Ungleichheit war ein Thema, dass eben zuviel des Wachstums in den Bereich der Topverdiener fließt, die aber nicht mehr konsumieren", sagt Kocher.

Diese Rahmenbedingungen haben sich seither nicht umgekehrt. Es ist heute nicht alles anders. Doch möglicherweise wurde diesen Effekten ein bisschen zu viel Gewicht beigemessen. Dass Österreichs Bruttoinlandsprodukt im Vorjahr mit vermutlich mehr als drei Prozent gewachsen ist, ist jedoch auch einem Aufholbedarf geschuldet. Jahrelang war die Investitionsbereitschaft der Unternehmen sehr gering, diese ist dann recht sprunghaft zurückgekehrt. "Wenn die Projekte einmal abgearbeitet sind, sinkt die Wachstumsrate wieder", sagt Kocher. So ist es in einem normalen Konjunkturzyklus. Einmal bisschen mehr, dann wieder weniger. Beide Institute, IHS wie Wifo, rechnen in den Jahren nach 2018 auch mit einem geringeren Wachstum.

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Dokument erstellt am 2018-01-12 17:23:10
Letzte nderung am 2018-01-13 10:05:04



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