Wien. (ede) Es ist nicht einfach, Unternehmerin und Mutter zu sein, weiß Martha Schultz, Vizepräsidentin der Wirtschaftskammer Österreich. Ihr Sohn ist zwar schon längst erwachsen, aber die Gastronomin aus Tirol kann sich noch gut an den Spagat zwischen Job und Kind erinnern.

Frauen entscheiden sich unter anderem auch oft deshalb für den Sprung in die Selbständigkeit, weil sie ihnen eine bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie bietet. Und stoßen dann doch wieder an deren Grenzen - zumal auch bei Selbständigen die Kinderbetreuung nach wie vor Frauensache ist. In einer Umfrage der KMU Forschung Austria gaben drei Viertel der Unternehmerinnen an, sich selbst um die Betreuung des Nachwuchses zu kümmern. Von den unternehmerisch tätigen Vätern sagten 82 Prozent, ihre Partnerin würde das tun. Es habe sich schon viel getan, sagte Schultz, es sei aber noch immer nicht genug. "Die Kinderbetreuung muss bis ins kleinste Dorf funktionieren", forderte sie am Mittwoch von der Politik eine Verbesserung der Rahmenbedingungen für Unternehmerinnen ein. Kinderbetreuungseinrichtungen sollten 50 Stunden pro Woche verfügbar sein, auch in den Ferienzeiten, und vor allem auch im ländlichen Raum.

Höchster Frauenanteil bei Einzelgründungen


Weibliches Unternehmertum ist im Vormarsch: 2017 erreichte der Frauenanteil an den Einzelgründungen in der gewerblichen Wirtschaft mit 45 Prozent einen Rekordwert. In den vergangenen 20 Jahren ist dieser Anteil um 16 Prozentpunkte gestiegen. Innerhalb der einzelnen Wirtschaftssektoren ist der Anteil selbständiger Frauen allerdings sehr unterschiedlich, sagt Eva Heckl von der KMU Forschung Austria. Frauenbetriebe seien im Gesundheits- und Sozialwesen, in den sonstigen persönlichen Dienstleistungen und in der Beherbergung/Gastronomie überrepräsentiert, in den Bereichen Produktion, Information und Kommunikation, Verkehr und Bau stark unterrepräsentiert.

Weitere Unterschiede: Zwei Drittel aller von Frauen geführten Unternehmen sind Ein-Personen-Unternehmen, bei Männern ist es die Hälfte. Von Frauen geführte Unternehmen sind zu einem Drittel in der Umsatzkategorie 100.000 Euro oder mehr zu finden, bei Männern sind es rund 60 Prozent. Ein Drittel der selbständigen Frauen verfügte im Jahr 2016 über einen Universitäts- beziehungsweise Fachhochschulabschluss, ein Viertel hat eine Lehre erfolgreich abgeschlossen. Die Unternehmer wiesen am häufigsten eine Lehre (39 Prozent) als höchsten Bildungsabschluss auf, gefolgt von jenen, die Uni oder FH absolviert haben.