• vom 07.02.2018, 17:12 Uhr

Österreich

Update: 07.02.2018, 20:29 Uhr

Interview

"Bitcoin ist nur ein Marketingtrick"




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Von Arian Faal

  • Ewald Nowotny, Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank, über Trump, Brexit und Kryptowährungen.



Das Interview mit Ewald Nowotny (im Bild mit Arian Faal) fand im Rahmen der "Theresianischen Gespräche" an der Militärakademie am 1. Februar statt. Nachfragen zu den jüngsten Börse-Ereignissen waren wegen einer Dienstreise Nowotnys nicht mehr möglich.

Das Interview mit Ewald Nowotny (im Bild mit Arian Faal) fand im Rahmen der "Theresianischen Gespräche" an der Militärakademie am 1. Februar statt. Nachfragen zu den jüngsten Börse-Ereignissen waren wegen einer Dienstreise Nowotnys nicht mehr möglich.© Milak/S. Claus Das Interview mit Ewald Nowotny (im Bild mit Arian Faal) fand im Rahmen der "Theresianischen Gespräche" an der Militärakademie am 1. Februar statt. Nachfragen zu den jüngsten Börse-Ereignissen waren wegen einer Dienstreise Nowotnys nicht mehr möglich.© Milak/S. Claus

"Wiener Zeitung": Ist US-Präsident Donald Trump mit seinem eigenwilligen Regierungsstil und seinen Tweets eine Gefahr beziehungsweise ein Unsicherheitsfaktor für die internationale Finanz- und Wirtschaftswelt?

Ewald Nowotny: Ja, definitiv. Was uns sehr erstaunt, sind aber zwei andere Dinge. Einerseits, dass das US-Finanzministerium den US-Dollar bewusst drückt und niedrig halten will, und andererseits, dass es im Umfeld von Donald Trump, wo es ja eine Reihe vernünftiger Menschen gibt, niemand geschafft hat, einen positiven Einfluss auf den Präsidenten und seine Politik zu haben.

Wie sollten die Europäische Union beziehungsweise Österreich auf Trump und diese US-Administration reagieren?

Ewald Nowotny wurde am 28. Juni 1944 geboren. Nach seinem Jusstudium an der Universität Wien und der Ökonomie am Institut für Höhere Studien warer Assistent bei Prof. Rothschild an der Universität Linz; es folgten Lehrtätigkeiten in Harvard, Darmstadt, Linz und an der WU Wien. Weitere Funktionen: Nationalratsabgeordneter, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank, Generaldirektor der Bawag-PSK; seit 2008 ist er Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank und Mitglied des Gouverneur-Rates der EZB.

Ewald Nowotny wurde am 28. Juni 1944 geboren. Nach seinem Jusstudium an der Universität Wien und der Ökonomie am Institut für Höhere Studien warer Assistent bei Prof. Rothschild an der Universität Linz; es folgten Lehrtätigkeiten in Harvard, Darmstadt, Linz und an der WU Wien. Weitere Funktionen: Nationalratsabgeordneter, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank, Generaldirektor der Bawag-PSK; seit 2008 ist er Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank und Mitglied des Gouverneur-Rates der EZB.© Pessenlehner Ewald Nowotny wurde am 28. Juni 1944 geboren. Nach seinem Jusstudium an der Universität Wien und der Ökonomie am Institut für Höhere Studien warer Assistent bei Prof. Rothschild an der Universität Linz; es folgten Lehrtätigkeiten in Harvard, Darmstadt, Linz und an der WU Wien. Weitere Funktionen: Nationalratsabgeordneter, Vizepräsident der Europäischen Investitionsbank, Generaldirektor der Bawag-PSK; seit 2008 ist er Gouverneur der Oesterreichischen Nationalbank und Mitglied des Gouverneur-Rates der EZB.© Pessenlehner

Die EU muss gerade jetzt stärker zusammenrücken und ein Gegengewicht bilden. Fakt ist aber, dass die EU in vielen Bereichen gespalten ist und auch der Brexit diese Spaltung zusätzlich forciert.

Apropos Großbritannien. Ist der Brexit-Zug Ihrer Meinung nach nun endgültig abgefahren?

Aus meiner Sicht schon. Die britische Regierung ist fest entschlossen, das durchzuziehen.

Und was bedeutet der Brexit für den Finanzstandort London?

Das muss man differenziert sehen. Gewisse Banken werden natürlich aus London abziehen, aber andere Aktivitäten, wie etwa Investmentbanking, die mit dem Binnenmarkt weniger verbunden sind, werden wohl bleiben.

Kommen wir zu einem anderen Schwerpunkt: Der Preis für Bitcoin hat in den vergangenen Monaten zuerst Rekorde gebrochen, dann wieder kam der ernüchternde Einbruch. Beunruhigt Sie das?

Bitcoin ist ein reines Spekulationsobjekt, das sich als Währung ausgibt. Weltweit sind Bitcoin im Wert von circa 190 Milliarden Euro im Umlauf, der Euro-Bargeld-Umlauf ist mit 1100 Milliarden Euro fast sechsmal so hoch. Solange das so begrenzt stattfindet und die Menschen nicht massenhaft Kredite aufnehmen, um mit Bitcoin zu spekulieren, sehe ich keine Gefahr für die Finanzmarktstabilität. Es braucht aber eine Regulierung.

Und was ist in diesem Zusammenhang mit Geldwäsche?

Das ist ein Thema, das wir sehr ernst nehmen müssen. Es kann doch bitte nicht wahr sein, dass wir gerade beschlossen haben, den 500-Euro-Schein nicht mehr zu drucken, um Geldwäsche zu bekämpfen, und jedem noch so kleinen Sparverein strenge Regeln aufbrummen, um dann einfach zuzusehen, wie weltweit munter mit Bitcoin Geld gewaschen wird. Das ist für mich ein absolutes No-Go. Hier gibt es ja schon EU-Beschlüsse, die müssen nun national umgesetzt werden. Aber ich will keine Pauschalisierungen vornehmen. Das heißt also nicht, dass jeder Bitcoin-Nutzer ein Verbrecher ist. Aber Bitcoin kann Kriminellen helfen.



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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-02-07 17:17:21
Letzte Änderung am 2018-02-07 20:29:58



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