• vom 13.02.2018, 16:53 Uhr

Österreich

Update: 13.02.2018, 17:33 Uhr

Außenhandel

Firmen sollten sich auf alle Brexit-Szenarien vorbereiten




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  • Die Wirtschaftskammer rät österreichischen Betrieben schon jetzt zu kaufmännischer Vorsicht.

Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, mit Anti-Brexit-Demonstranten in London.

Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, mit Anti-Brexit-Demonstranten in London.© WKÖ/Presseabteilung Christoph Leitl, Präsident der Wirtschaftskammer Österreich, mit Anti-Brexit-Demonstranten in London.© WKÖ/Presseabteilung

Wien. (kle) Wie der Brexit-Poker, das Ringen um eine Scheidungsvereinbarung zwischen Großbritannien und der EU, letztlich ausgeht, ist derzeit noch völlig offen. Die Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ) rät heimischen Firmen jedenfalls schon jetzt zu kaufmännischer Vorsicht. Auch wenn der schlimmste Fall, ein harter Brexit mit einem Rückfall Großbritanniens auf den Status eines WTO-Mitglieds, unwahrscheinlich sei, sollten sich Unternehmen darauf einstellen.

Großbritannien gehört zu den Top-10-Wirtschaftspartnern Österreichs. Das bilaterale Handels- und Dienstleistungsvolumen liegt bei rund elf Milliarden Euro, zudem sind 250 österreichische Betriebe in UK mit sieben Milliarden Euro investiert und haben dort rund 37.000 Beschäftigte. "Deshalb berührt es uns, wenn die Briten aus der EU austreten", erklärte WKÖ-Chef Christoph Leitl am Dienstag vor Journalisten.


Schaden minimal halten
Was die Briten genau wollen, sei noch immer nicht klar, sagte Leitl, der vor wenigen Tagen in London zu Arbeitsgesprächen mit den Ministern für Internationalen Handel sowie für Wirtschaft und Industriestrategie zusammengetroffen war. Populisten würden lediglich vorbeten, aus der Union austreten zu wollen. Den Brexit bis zum Ende durchgedacht habe dort kaum jemand, so Leitl. Bei den Verhandlungen habe die EU jedenfalls die besseren Karten. Großbritannien liefere 50 Prozent seiner Exporte an die EU, umgekehrt seien es nur fünf Prozent. Trotzdem wolle niemand Großbritannien vor den Kopf stoßen. Es müsse eine klare und saubere Lösung gefunden werden, so Leitl. "Für die österreichische und die europäische Wirtschaft ist es wichtig, dass der wirtschaftliche Schaden des Brexit so gering wie möglich ausfällt und es auch in Zukunft einen möglichst weitreichenden Zugang zum britischen Markt ohne Bürokratie und ungerechtfertigte Handelshürden gibt." Dies sei auch im Interesse Großbritanniens.

"Gravierende Folgen"
Dennoch gilt: "Wie immer der Brexit umgesetzt wird, die österreichischen Firmen müssen mit gravierenden Folgen rechnen", warnte der österreichische Wirtschaftsdelegierte in London, Christian Kesberg. Auch wenn es im besten Fall ein Handelsabkommen gäbe und Zölle damit weitgehend auf null gestellt blieben, würden sich Warenlieferungen verteuern - etwa durch die Verlängerung der Transferzeiten, weil mit einem Drittstaat ein Zollverfahren abzuwickeln sei. Hinzu kämen mögliche Einschränkungen bei der Entsendung von Fachkräften nach Großbritannien, was etwa für Anbieter von Montage und Baudienstleistungen problematisch wäre. Auch Änderungen bei Ursprungsregeln, im Steuerrecht, bei Schutzrechten und der Anerkennung von Standards, Normen oder beruflicher Qualifikation könnten Probleme bereiten.

"Die Firmen müssen sich auf alle Eventualitäten vorbereiten und schon jetzt überlegen, was zu tun sein könnte. Vieles kann, muss aber nicht eintreten", so Kesberg. Bei rechtzeitiger Vorbereitung auf den Brexit blieben die wirtschaftlichen Chancen intakt.




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Dokument erstellt am 2018-02-13 16:56:24
Letzte nderung am 2018-02-13 17:33:28



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