Von der neuen Bundesregierung wünscht sich der Sektor "eine Modernisierung des rechtlichen Umfelds" des Bausparsystems "für mehr Chancengleichheit", wie Branchensprecher Url sagte. Das Bausparkassengesetz sei in den vergangenen 20, 25 Jahren nicht geändert worden, obwohl sich die Bedingungen gewandelt hätten: "Viele Vorteile für die Bausparkassen von früher sind weggefallen." Darüber wolle man gern mit den politisch Verantwortlichen diskutieren. Einschränkungen gebe es für den Sektor etwa bei großvolumigen Finanzierungen, wo es sich mit dem Bauträgervertragsgesetz spieße. "Es geht hauptsächlich ums Finanzierungsgeschäft", sagte Url: "Wir wollen nicht besser-, sondern gleichgestellt sein."

Auch auf der Förderseite können sich die Bausparkassen eine Reform vorstellen. Wenn man die Schaffung von Wohneigentum unterstützen wolle - wie dies im Regierungsprogramm festgehalten ist - und auch noch den Begriff "leistbares Wohnen" mitbedenke, könnte man zum Beispiel die Bausparprämie erhöhen, wenn ein Darlehen in Anspruch genommen und wirklich gebaut werde, schlug Wüstenrot-Bauspar-Chefin Susanne Riess vor. Auch die Bausparregelungen anderer Länder sollte man sich da ansehen, meinte die frühere FPÖ-Politikerin. Klar sei aber: "Es müssen Vorschläge sein, die den Bundeshaushalt nicht zusätzlich belasten, sondern eine positive Wirkung haben."

Signale für Zinsanstieg


An der normalen Bausparförderung haben die Kunden von der Republik Österreich voriges Jahr 49 Millionen Euro erhalten, nach 51 Millionen 2016. Beim Bausparen werden pro Person Einzahlungen bis höchstens 1200 Euro mit 1,5 Prozent Prämie unterstützt. Die maximal mögliche Prämie beträgt daher 18 Euro im Jahr. Über den administrativ von den Bausparkassen abgewickelten Sanierungsscheck sind voriges Jahr 25 Millionen Euro Förderung geflossen, beim Handwerkerbonus 20 Millionen Euro. Der Sanierungsscheck sei bis dato für heuer nicht verlängert worden, und für den Handwerkerbonus habe es voriges Jahr die Ansage der Politik gegeben, dass er nicht verlängert werden solle, erinnerte Url.

Das extreme Niedrigzinsniveau sei ein für alle durchaus herausforderndes Umfeld, so der Branchensprecher. Die Zuversicht der Bausparkassen werde aber immer größer, dass die Zinsen in Europa steigen werden - durch die Konjunktur und den Inflationsanstieg. Url: "Am langen Ende spüren wir es schon, aber am kurzen Ende - wo die Einlagen auf den Zwölf-Monats-Euribor abgestimmt sind - noch nicht."