Wien. Die seit Oktober börsennotierte Bawag kauft sich früher von der Post frei. Ende 2017 hat sie die schon aufgekündigte Nutzung der Postfilialen für Bankzwecke per Einmalerlag abgegolten. Das kostete die Bank samt Einmalzahlungen und Rückstellungen im 4. Quartal 110 Millionen Euro. Damit entflechten Bank und Post ihren Vertrieb bis Ende 2019 - ein Jahr früher als erwartet.

Mit dem beschleunigten Ende der langjährigen Postpartnerschaft wird die Bawag auch mit der Neuaufstellung und Redimensionierung ihres Filialnetzes ein Jahr früher fertig, sagte Finanzchef Enver Sirucic am Dienstag. Zurzeit sind es 424 gemeinsame Filialen, in denen Bank und Post ihre Dienste anbieten. Darunter 74 Bawag-eigene sowie 350, die der Post gehören oder wo die Post Hauptmieter ist. Sobald die Bawag aus den Postfilialen ausgezogen ist, will sie ein Solo-Netz von rund 100 eigenen Standorten betreiben. Zu den 74 eigenen Filialen kommen also 26 neue dazu. Seit 2016 ist die Bawag aus 200 gemeinsamen Standorten ausgezogen, sodass es jetzt nur mehr um 150 Postfilialen geht, die operativ vom Ende des Betriebspakts nächstes Jahr betroffen sind.

Zwei Zukäufe - Südwestbank und PayLife - hat die Bank 2017 über die Bühne gebracht. Wenn sich weitere Akquisitionen anbieten, will die nach wie vor maßgeblich den US-Investoren Cerberus und Golden Tree gehörende Wiener Bawag (Bilanzsumme: 46 Milliarden Euro, Kernkapital: 13,5 Prozent) auch weiter zuschlagen.

Der Jahresbericht 2017 wird erst am 29. März veröffentlicht. Am Dienstag wurden vorläufige Zahlen 2017 veröffentlicht.

Mit einem Rekord-Vorsteuergewinn von 517 Millionen Euro (plus 12,3 Prozent) zeigten sich Vorstandschef Anas Abuzaakouk und Finanzvorstand Sirucic sehr zufrieden. "Es liegt weit über unseren Erwartungen. Es war ein außergewöhnliches Jahr."

Größter Börsengang in Wien


Der Börsengang war der größte in der Geschichte des Wiener Marktes. Für die Aktionäre der seit Oktober notierten Bank gibt es für das 4. Quartal 58 Cent Dividende. Das Jahr davor war für die Altaktionäre dividendenlos geblieben. Bis 2020 ist ein Vorsteuergewinn von mehr als 600 Millionen Euro angepeilt.

Unterm Strich lag der Nettogewinn der Bank 2017 nach vorläufigen Zahlen bei 466,6 Mio. Euro (-1,4 Prozent). Unter anderem gab es ein 55 Mio. Euro teures erfolgsabhängiges Incentive-Programm für Manager. 60 Millionen Euro wurden für Rechts- und Prozessrisiken rückgestellt. Zum Teil wurden damit bestehende Rückstellungen für den Swap-Streit mit der Stadt Linz aufgestockt, weil sich abzeichnet, dass der Prozess noch länger laufen dürfte.