• vom 01.03.2018, 18:53 Uhr

Österreich

Update: 02.03.2018, 07:40 Uhr

Welthandel

EU kündigt Vergeltungsmaßnahmen gegen Trumps Strafzölle an




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Von WZ Online, APA, dpa, Reuters

  • USA verhängen ab nächster Woche Strafzölle für Stahl und Aluminium.
  • Unsicherheit an den Börsen, Deutsche Industrie warnt.
  • voestalpine "mit dem Großteil ihrer Aktivitäten" nicht von den Strafzöllen berührt.

Die USA werden Stahlimporte aus aller Welt künftig mit einem Zoll von 25 Prozent überziehen. - © APAweb/AFP

Die USA werden Stahlimporte aus aller Welt künftig mit einem Zoll von 25 Prozent überziehen. © APAweb/AFP

Hände auf dem Tisch: Trump beim Treffen mit Branchenmanagern der Aluminium- und Stahlindustrie. 

Hände auf dem Tisch: Trump beim Treffen mit Branchenmanagern der Aluminium- und Stahlindustrie. © APAweb/AP, Vucci Hände auf dem Tisch: Trump beim Treffen mit Branchenmanagern der Aluminium- und Stahlindustrie. © APAweb/AP, Vucci

Washington/Brüssel. Die EU will mit Vergeltungsmaßnahmen gegen die von US-Präsident Donald Trump angekündigten Strafzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte reagieren. "Wir werden nicht tatenlos zusehen, wie unsere Industrie durch unfaire Maßnahmen getroffen wird, die Tausende europäische Arbeitsplätze gefährden", kündigte EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker in Brüssel an.

US-Präsident Donald Trump hatte zuvor angekündigt, ab kommender Woche Zölle auf Stahl- und Aluminiumimporte zu verhängen. Für Stahl werde der Zoll bei 25 Prozent, für Aluminium bei zehn Prozent liegen, sagte Trump nach einem Treffen mit Branchenmanagern in Washington. Er wolle damit die heimische Stahl- und Aluminiumindustrie wieder aufbauen. Diese sei seit Jahrzehnten von anderen Ländern unfair behandelt worden, meinte er. Wegen weltweiter Überkapazitäten im Stahlsektor schwelt seit Jahren ein Streit zwischen den USA, der EU und China.

Information

Die US-Börsen haben am Donnerstag im Minus geschlossen. Der Dow-Jones-Index der Standardwerte schloss 1,7 Prozent tiefer auf 24.608 Punkten. Der breiter gefasste S&P-500 sank 1,3 Prozent auf 2677 Zähler. Der Index der Technologiebörse Nasdaq verringerte sich um 1,3 Prozent auf 7180 Punkte.

Der deutsche Industrieverband hat in einer ersten Reaktion die Strafzölle scharf kritisiert. "Trump riskiert weltweite Handelskonflikte und eine Spirale des Protektionismus, die am Ende auch amerikanische Jobs kosten werden", so BDI-Präsident Dieter Kempf. Der BDI werde nun die EU in ihrem Vorhaben unterstützen, auf Basis von Regeln der Welthandelsorganisation WTO eine angemessene Antwort auf die Abschottungspolitik der USA zu geben. Dabei gelte es aber, einen kühlen Kopf zu bewahren, um einen eskalierenden Handelskonflikt mit globalem Ausmaß nicht unnötig zu befeuern.

"Eine neue Protektionismuswelle würde die Handelsnation Deutschland rasch treffen", kommentierte Kempf. Etwa jeder vierte Arbeitsplatz in Deutschland hänge am Export, in der Industrie sogar mehr als jeder zweite. "Niemand ist eine Insel, die Weltwirtschaft ist intensiv vernetzt", sagte Kempf.

US-Börsen bauen Minus deutlich aus

An der Wall Street schürte Trumps Ankündigung die Angst vor weitreichenden Handelskonflikten. Die US-Börsenbarometer rutschten deutlich ab. Die Aktien amerikanischer Stahlunternehmen legten dagegen kräftig zu. Die Kurse von europäischen Rivalen brachen ein.   Händler verwiesen auf eine Mischung aus hoher Bewertung und die Furcht vor rasch steigenden Leitzinsen und einer zunehmend protektionistischen Politik des US-Präsidenten. Die Gewinnmitnahmen hielten daher an, hieß es. Bereits am Vortag war der Dow um 1,50 Prozent gesunken. Die Februar-Bilanz war mit minus 4,3 Prozent sehr schwach ausgefallen.

China im Visier

Die Verhängung der Zölle dürfte die USA insbesondere auf Kollisionskurs mit China bringen. Zwar machen chinesische Einfuhren nur zwei Prozent der US-Stahlimporte aus, aber die massive Überproduktion in China hat zum Einbruch der Weltmarktpreise geführt. Die Regierung in Peking hat bereits Gegenmaßnahmen angedeutet. So könnte sie Zölle auf Agrarimporte aus den USA erheben - etwa auf Sojabohnen, hier sind die USA der größte Anbieter. Mexikos Stahlindustrie forderte unmittelbar nach Bekanntgabe der US-Zollpläne sofortige Gegenmaßnahmen.

Der Chef des New Yorker Ablegers der US-Notenbank (Fed) warnte vor Handelsbeschränkungen. "Wenn die Unterstützung für einen liberalisierten Handel in einer weltweit integrierten Wirtschaft deutlich nachlässt, könnte dies zu einem langsamerem Wachstum und niedrigeren Lebensstandards in der Welt führen", sagte William Dudley.

Voest-Chef Eder: "Zum größten Teil nicht berührt" 

Die voestalpine sei von den vom US-Präisdenten Donald Trump angekündigten Strafzöllen auf Stahlimporte "mit dem Großteil ihrer Aktivitäten von den geplanten Maßnahmen nicht berührt", betonte voest-Chef Wolfgang Eder in einer schriftlichen Stellungnahme der APA.

Die voestalpine tätig etwa zwei Drittel ihrer US-Umsätze von rund 1 Mrd. Euro als lokaler Erzeuger in den USA. Wie weit die übrigen Umsätze von den Importrestriktionen betroffen seien, werde zu prüfen sein. "voestalpine wird die Auswirkungen auf ihr Geschäft in den USA bzw. auf ihre Beziehungen mit den USA prüfen und in der Folge eine entsprechende Vorgehensweise definieren", so Eder.

"Wir haben die Aussagen des amerikanischen Präsidenten zur Kenntnis zu nehmen und sehen zunächst der politischen Reaktion auf EU-Ebene entgegen, da es sich hier in erster Linie um eine hochpolitische Entscheidung handelt - die in der Folge massive wirtschaftliche Auswirkungen haben wird. Die möglichen Konsequenzen auf die globalen Märkte und den Freihandel sind aufgrund der Komplexität der globalen Wirtschaftsstrukturen nicht ohne weiteres abschätzbar", so Eder.

Angst vor Handelskrieg

Die Ankündigungen der US-Regierung schüren Ängste vor einem Handelskrieg. Handelsminister Wilbur Ross hatte Mitte Februar eine Reihe von Vorschlägen an den Präsidenten veröffentlicht, wie die Stahl- und Aluminiumimporte in die USA reduziert werden sollen. Die EU-Kommission wie auch die chinesische Regierung drohten daraufhin bereits mit Gegenmaßnahmen.





Schlagwörter

Welthandel, Zoll, USA

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Dokument erstellt am 2018-03-01 18:53:53
Letzte Änderung am 2018-03-02 07:40:39


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