Wien. 309 Deals im Wert von rund 86 Milliarden Dollar in nur einem Jahr - es war eine beispiellose Shoppingtour, die chinesische Investoren 2016 quer durch Europa veranstalteten. Zehn Jahre zuvor waren es gerade einmal 51 Transaktionen im Wert von 4,5 Milliarden Dollar gewesen. Mittlerweile scheint die Einkaufslust der Investoren aus dem Reich der Mitte aber etwas gedämpft. Laut einer Studie des Wirtschaftsprüfers Ernst & Young (EY) ist die Zahl der Übernahmen 2017 europaweit um 20 Prozent auf 247 gesunken, der Gesamtwert der Transaktionen verringerte sich um ein Drittel.

Was hinter dieser Entwicklung steckt, erklärt Eva-Maria Berchtold, Leiterin Transaction Advisory Services bei EY Österreich, so: "Die chinesischen Aufsichtsbehörden haben strengere Kontrollen für Übernahmen im Ausland eingeführt und Auflagen verabschiedet, um den Kapitalfluss ins Ausland zu kontrollieren." Gleichzeitig wurden auch auf europäischer Seite regulatorische Anforderungen erhöht, sodass einige Deals scheiterten. "Zudem schauen sich chinesische Unternehmen die Übernahmekandidaten heute viel genauer an", ergänzt Berchtold. "Aber auch wenn die Zahl der Transaktionen 2017 spürbar gesunken ist, erreichte sie dennoch den zweithöchsten je gemessenen Wert."

Vor allem Deutschland zieht chinesische Investoren nach wie vor an. Die Bundesrepublik belegt mit 54 Transaktionen den ersten Platz im Länderranking, gefolgt von Großbritannien (44) und Italien (24). In Österreich kam es im Vorjahr zu fünf Transaktionen, das sind um zwei mehr als 2016. Trotzdem liegt die Alpenrepublik weiter nur am Rande des Radars chinesischer Investoren.

Versteckte Champions


"Im Vergleich zum Nachbarn Deutschland scheint Österreich weniger attraktiv zu sein", bestätigt Janet Mo, Marketing-Vorstand der Austrian Chinese Business Association (ACBA), der "Wiener Zeitung". Der gemeinnützige Verein arbeitet seit 2010 an der Verbesserung der wirtschaftlichen und kulturellen Beziehungen zwischen Österreich und China. "Österreichs Musik, Kultur und Natur sind bei den Chinesen sehr berühmt, seine Industrie, Wirtschaft und Innovationen jedoch eher weniger", bedauert Mo.

Es gäbe zwar einige "Hidden Champions" in Österreich, aber die wären teilweise noch zu gut versteckt. "Es sind vor allem die Hightech-Bereiche wie Umwelttechnik, Automotiv, Luftfahrt oder Bio-Tech, die für chinesische Investoren sehr attraktiv sind. Das sind ja auch die Schwerpunktbereiche in Chinas 13. Fünfjahresplan", so die Unternehmerin.