Eine Reihe von Übernahmen


Ein Befund, der durch die M&A-Aktivitäten chinesischer Investoren im Vorjahr, bestätigt wird: So stieg die chinesische Haier Group beim Kärntner Solar-Unternehmen "GREENoneTEC", dem Weltmarktführer für Flachkollektoren, ein. Der Konzern erwarb 51 Prozent der Anteile des Sonnenkollektoren-Herstellers mit Sitz in St. Veit an der Glan.

Der Flugzeugbauer Diamond Aircraft mit Sitz in Wiener Neustadt wurde wiederum von der chinesischen Wanfeng Aviation Industry Corporation übernommen. Nach dem oberösterreichischen Systemspezialisten FACC ist der Spezialist für Leichtflugzeuge bereits das zweite heimische Luftfahrtunternehmen, das komplett von einem chinesischen Partner übernommen wurde. Der Automationsspezialist M&R Automation aus Grambach bei Graz wurde von der PIA Automation Holding übernommen, die im Eigentum von Ningbo Joyson Electronic steht.

Am meisten Aufmerksamkeit gab es freilich für die Übernahme des Festnetzanbieters Tele2 durch den chinesischen Telekommunikationsriesen Hutchison ("Drei") mit Hauptsitz in Hongkong. Der Hutchison-Konzern rückte damit zum zweitgrößten Telekom-Komplettanbieter hinter Marktführer A1 auf. Die Übernahme der börsennotierten Wiener Fondsgesellschaft C-Quadrat durch den Mischkonzern HNA Group machte die M&A-Transaktionen chinesischer Einkäufer im vergangenen Jahr schließlich komplett. Ebenfalls für Schlagzeilen sorgte zuletzt auch die Bekanntgabe der Übernahme des Vorarlberger Wäschekonzerns Wolford durch den chinesischen Mischkonzern Fosun.

Viele Branchen am Radar


Yi Sun, Leiterin der China Business Services für die DACH-Region (Deutschland, Österreich, Schweiz) bei Ernst & Young, ist überzeugt, dass der Übernahmeappetit auf chinesischer Seite nach wie vor hoch ist: "Das Interesse gerade an europäischen Industrie- und Hightech-Unternehmen ist ungebrochen. Wo sich interessante Gelegenheiten ergeben, stehen chinesische Investoren nach wie vor bereit." Neben den klassischen Industrie-Investitionen rücken nun auch Mode- und Einzelhandel, sowie Lebensmittel- und Pharmaunternehmen zunehmend in den Fokus. "Ebenfalls gefragt sind Branchen wie Tourismus und Wintersport, was sich durch den boomenden Outbound-Tourismus und die Olympischen Winterspiele 2022 in Peking erklären lässt", ergänzt Mo.

Positiv für Europa könnte sich zudem die America-First-Politik von US-Präsident Donald Trumps auswirken. Chinas Firmen fürchten wohl nicht zu Unrecht, dass sie es mit ihren Investitionen in den USA künftig schwerer haben werden. Einige chinesische Private-Equity-Häuser hätten bereits reagiert und Investitionsfonds in Europa gegründet, so die EY-Experten.

Und welche wirtschaftspolitischen Maßnahmen könnten Chinas Investoren verstärkt nach Österreich locken? "Die wirtschaftlichen und gesetzlichen Rahmenbedingungen in Österreich sind nicht unbedingt günstig für Überseeinvestoren", sagt ACBA-Sprecherin Mo. "Deshalb müsste die Bürokratie abgebaut, der Gründungsprozess beschleunigt und die überstrenge Aufenthaltspolitik angemessen gelockert werden."