Wien. (ede) Am Standort Wien stellen sich die Billigairlines gerade neu auf. So wird die ungarische Wizz Air heuer drei Flugzeuge am Flughafen Wien stationieren, um 17 Ziele, unter anderem Urlaubsdestinationen wie Malta, Bari oder Teneriffa anzufliegen. Diese Destinationen waren in der Vergangenheit von Air Berlin und Niki bedient worden. Die ersten drei Routen sollen im April aufgenommen werden. Es handelt sich dabei um Ziele in Osteuropa. Österreich ist das 44. Land im Netzwerk der Lowcost-Fluggesellschaft.

Die spanische Vueling, Tochter des britisch-spanischen Luftfahrtkonzerns IAG, will ebenfalls Flugzeuge in Wien stationieren. Vueling hatte die insolvente Air-Berlin-Tochter Niki übernehmen wollen, der Deal platzte aber. Zum Zug kam überraschend der 3-fache Formel-1-Weltmeister und Airlinegründer Niki Lauda (69) mit seiner Laudamotion GmbH. Die Airline fliegt ab Österreich, Deutschland und der Schweiz. Der erste Laudamotion-Flieger hebt am 25. März 2018 in Düsseldorf ab, die Flüge ab Wien nach Spanien (Mallorca, Ibiza und Malaga), Italien (Pisa und Brindisi), Griechenland (Kreta, Santorin und Kalamata) sowie Zypern (Paphos) sollen im Juni starten. Von den 1000 Niki-Mitarbeitern seien nun 641 bei Laudamotion, gab Lauda am Freitag in einer Pressekonferenz bekannt. Piloten habe er genug, bis Ende Juni brauche er aber noch 55 Flugbegleiter. Laut AUA-Chef Kay Kratky haben 100 bis 200 frühere Mitarbeiter von Air Berlin und Niki bei der Lufthansa-Tochter AUA angedockt, hauptsächlich Flugbegleiter und Piloten.

Das erste Gespräch zwischen Vertretern von Laudamotion und der Gewerkschaft GPA-djp ist nach Angaben beider Seiten konstruktiv verlaufen.

Lauda will ab 2019
Gewinne schreiben

Niki Lauda stieg 1979 mit einer Bedarfsfluglinie mit zwei Fokker F-27 in das Luftfahrtbusiness ein. Nach der Neugründung starteten 1988 erste Lauda-Air-Linienflüge in den Fernen Osten. 2003 wurde die Lauda Air Teil der Austrian Airlines Group. Im November 2003 gründete Lauda mit dem Ferienflieger "Niki" wieder eine eigene Airline. Bereits 2004 stieg Air Berlin mit einer Minderheit ein und übernahm Niki schließlich 2011 als eigenständige Tochter komplett. Lauda stieg aus. Nun bekommt er seine Airline für knapp 50 Millionen Euro zurück. Im ersten Jahr erwartet Lauda noch einen Verlust, ab 2019 will er Gewinne schreiben.

Mit dem deutschen Ferienflieger Condor wurde eine Vertriebskooperation vereinbart. Condor werde auch die Flugpläne erstellen und die Crews einteilen, wie Lauda sagte. Die geplante Vertriebskooperation mit der Lufthansa-Tochter - und AUA-Schwester - Eurowings müsse noch genehmigt werden. Dass er ganze Flugzeuge samt Besatzung an den Mitbewerber vermieten darf (sogenanntes "Wet-Lease"), halten Lauda und sein Anwalt aus Wettbewerbsgründen für eher unwahrscheinlich.

Von den rund 24 Millionen Passagieren, die 2017 am Vienna Airport abgefertigt wurden, flogen rund vier Millionen mit Billigairlines. Deren Anteil legte in den vergangenen Jahren kräftig zu. 2012 waren es noch 4,9 Prozent, Ende des Jahres 2017 bereits rund 16 Prozent.