Wien. (ede) Rund 250 Millionen Über- und Mehrstunden wurden laut Statistik Austria im vergangenen Jahr in Österreich geleistet. Laut Österreichischem Gewerkschaftsbund (ÖGB) wurden 45 Millionen davon nicht vergütet, weder mit Geld noch als Zeitausgleich.

"Statt wie die Bundesregierung den 12-Stunden-Tag als Normalarbeitszeit zu überlegen, wäre endlich wieder einmal eine allgemeine Arbeitszeitverkürzung fällig", so ÖGB-Sekretär Bernhard Achitz.

Auch die Arbeiterkammer (AK) kritisiert den 12-Stunden-Tag. Vielmehr sollte die Arbeitszeit auf mehr Menschen verteilt werden. Dass wenige mehr arbeiten, sei ein "Retromodell". "Allein die 45 Millionen an unvergüteten Mehr- und Überstunden ergeben umgerechnet 26.000 Vollzeitarbeitsplätze", rechnet die AK vor.

Als Mehrarbeit wird jene Arbeit bezeichnet, die zwischen dem vereinbarten Normalarbeitszeitausmaß (zum Beispiel 38,5 Wochenstunden) und dem gesetzlichen Normalarbeitszeitausmaß (im Regelfall 40 Wochenstunden) geleistet wird. Erst wenn über das gesetzliche Normalarbeitszeitausmaß hinaus gearbeitet wird, fallen Überstunden an.

Die Arbeiterkammer pocht auf effektive Arbeitszeitkontrollen und fordert erneut ein Überstunden-Duplum: Bei mutwilliger Vorenthaltung von Mehr- und Überstundenentgelt sollten sich die Ansprüche der Arbeitnehmer verdoppeln. Bisher müssen Arbeitgeber nur nachzahlen, was den Arbeitnehmern ohnehin zustehe.

WKO: Weniger Überstunden pro Woche als früher

In der Wirtschaftskammer Österreich betont man, dass die Österreicher heute im Schnitt um fast eine Überstunde pro Woche weniger als vor 10 Jahren arbeiten. Die Arbeiterkammer beziehe sich nicht darauf, dass die Zahl der Überstunden, die von Arbeitnehmern geleistet werden, deutlich rückläufig seien: Während 2007 noch 367,5 Millionen Überstunden geleistet wurden, waren es 2017 nur mehr 249,6 Millionen, betonte der stellvertretende Leiter der WKÖ-Sozialabteilung, Rolf Gleißner. Er wehrt sich gegen Unterstellungen, Österreichs Betriebe würden Überstunden bei der Abgeltung quasi unter den Tisch fallen lassen.

Überstunden in Jobs umzuwandeln oder Arbeitszeit einfach umzuverteilen, sei eine "Milchmädchenrechnung", so Gleißner. So bestätige eine Wifo-Studie, dass eine zwangsweise Reduktion von Überstunden die Beschäftigung kaum erhöhen würde.