• vom 11.04.2018, 17:57 Uhr

Österreich

Update: 12.04.2018, 11:18 Uhr

Geldanlage

Österreicher wissen wenig über Fonds




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  • Investmentfondsverbände wollen von Regierung Anreize für "Pensionsdepot"

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Wien. (ede/apa) Am 19. April ist Weltfondstag. Zu verdanken haben wir ihn dem am 19. April 1744 geborenen niederländischen Kaufmann Adriaan van Ketwich. Er brachte 1774 erstmals eine größere Zahl von Anlegern zusammen, um gemeinsam in eine Art Fonds namens "Eendragt Maakt Magt" ("Einigkeit macht stark" in Anleihen verschiedener Regierungen, in Banken und in Kredite in Westindien zu investieren.

Seit ihrer "Erfindung" durch Van Ketwich haben Investmentfonds eine außergewöhnliche Entwicklung erlebt. Ende 2017 erreichte das weltweite Fondsvolumen den Rekordwert von 44 (nach 41) Billionen Euro. Rund 42 Prozent des Geldes liegen in Aktienfonds, ein Fünftel in Rentenfonds.


Die Österreicher sind Nachzügler beim Fondssparen. Kapital wäre aber vorhanden. 2017 haben die Österreicher dreimal so viel Geld auf Konten für täglich fälliges Geld fließen lassen wie in Fonds. Dass jahrelang unproduktive Sparbücher Vorsorgeprodukte immer noch ausstechen, liegt in den Augen von Fondsexperten primär daran, dass es bei Anlegern am Wissen hapert.

Sieben von zehn Österreichern haben ein Sparbuch, 54 Prozent einen Bausparvertrag, jeder Zweite eine Lebensversicherung, aber nur jeder Fünfte hat Geld in Investmentfonds stecken. Einer Integral-Umfrage (online, 500 Befragte zwischen 16 und 69 Jahren) im Auftrag der Fondsverbände zufolge hielt 69 Prozent der Befragten mangelndes Wissen über das Wesen von Fonds vom Kauf von Fondsanteilen ab. "Zu wenig Kapital" sprach für 45 Prozent gegen einen Fondskauf, gefolgt von "zu hohem Risiko" (41 Prozent).

Die beste Absicherung sei eine breite Streuung, hält die Fondsbranche dagegen. Und man müsse auch nicht reich sein, um in Fonds zu investieren, erklärten die Chefs der beiden Fondsverbände, Heinz Bednar (VÖIG) und Berndt May (VAIÖ), am Mittwoch in Wien. Freilich gebe es eine Korrelation zwischen Einkommen und Ausbildung. Der typische Fondskunde in Österreich ist heute zwischen 30 und 49, hat Matura und verdient eher gut. Frauen als Fondskäuferinnen holten zuletzt auf. Den generellen Info-Rückstand in der Bevölkerung müssen Fonds und Banken selbst beseitigen. Von der Regierung erhofft man sich steuerliche Stimulanz.

Der Fondsbranche schwebt ein "Pensionsdepot" oder "Vorsorgedepot" nach Schweizer Muster vor, das weitaus breiter angelegt sein müsse als die jetzige Zukunftsvorsorge. Wieviel neue staatliche Incentives kosten würden, wurde nicht gesagt. Es gehe jedenfalls um eine Steuerbefreiung in der Ansparphase. Das seien keine Budgetausgaben, sondern ein Einnahmenverzicht, wobei es die Einnahmen ohne das erhoffte neue Produkt aber nicht gebe, argumentiert May. Ein Vorsorgedepot ohne Kapitalgarantie bräuchte auch keine Prämie. Reformen in diese Richtung stünden aber wohl alle unter der Überschrift Einkommensteuergesetz 2020, vermuten die Fondsexperten.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-04-11 18:03:12
Letzte Änderung am 2018-04-12 11:18:11


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