Wien. An der Wiener Börse tut sich derzeit einiges - zumindest bei den Immobilien-Werten. Das Beteiligungskarussell ist dort jedenfalls mächtig in Fahrt. Zum einen will sich der US-Investor Starwood Capital mit bis zu 824 Millionen Euro bei der CA Immo und der Immofinanz, den beiden größten österreichischen Immobilienfirmen, einkaufen; am Mittwoch legten die Amerikaner ihre im März angekündigten öffentlichen Angebote offiziell vor. Zum anderen überraschte die Immofinanz am selben Tag mit der Nachricht, dass sie für rund 390 Millionen Euro den Kauf einer gut 29-prozentigen Beteiligung an der kleineren S-Immo fixiert habe.

Letzteres beflügelt die Fantasie für eine Dreierfusion aus Immofinanz, CA Immo und S-Immo, über die am Markt seit kurzem spekuliert wird. Kapitalmäßig miteinander verflochten sind die drei Wiener Immobilienfirmen, die auf die Geschäftsbereiche Büro und Einzelhandel fokussiert sind, schon jetzt. So hält die Immofinanz an der CA Immo 26 Prozent - und die CA Immo an der Immofinanz knapp 5 Prozent der Anteile. Die S-Immo wiederum ist mit rund 12 Prozent die größte Immofinanz-Aktionärin und zudem mit gut 5 Prozent an der CA Immo beteiligt.

Fusion mit S-Immo?

Einer Dreierfusion wollte der Chef der S-Immo, Ernst Vejdovszky, zuletzt in der Jahrespressekonferenz Anfang April zwar nicht den Sinn absprechen. Er sprach von einer "interessanten Idee". Sonst zeigte sich Vejdovszky aber zugeknöpft - wie am Mittwoch auch die Immofinanz.

Diese deutete nur die Möglichkeit einer Fusion mit der S-Immo an: "Im Fall einer zukünftigen Zusammenführung der beiden Unternehmen würde aufgrund der gesteigerten Größe die Position am Kapitalmarkt gestärkt." Auch von Synergien in der Bewirtschaftung der Immobilien war in einer Presseaussendung die Rede.

Indes hatte die Immofinanz ursprünglich den Plan, mit der CA Immo zu fusionieren und so einen der größten Immobilienkonzerne in Zentral- und Osteuropa (CEE) zu schaffen. Im Februar sagte sie die Fusion vorerst aber ab und erklärte, dass auch ein gewinnbringender Verkauf der von ihr gehaltenen CA-Immo-Anteile eine künftige Option sei. Am Mittwoch erneuerte sie diese Ansage.

Die S-Immo-Anteile erwirbt die Immofinanz - unter Vorbehalt der kartellrechtlichen Freigabe - von der RPR-Gruppe des Wiener Investors Ronny Pecik (21,86 Prozent) und der Signa-Gruppe des Tiroler Immo-Unternehmers René Benko (7,28 Prozent). Pro S-Immo-Aktie bezahlt sie 20,00 Euro. Zum Vergleich: An der Börse notierte der Titel am Mittwochnachmittag bei 16,84 Euro (plus 4,5 Prozent).

"Seit einiger Zeit beobachtet"

Die Rolle, die Starwood Capital in Zukunft in der heimischen Immobilienbranche spielen möchte, ist derweil noch unklar. Die Amerikaner wollen sich mit bis zu 26 Prozent an der CA Immo und mit bis zu 5 Prozent an der Immofinanz beteiligen. Bei der CA Immo bietet Starwood bis 16. Mai 27,50 Euro je Aktie, bei der Immofinanz sind es 2,10 Euro je Aktie, wobei hier die Frist bis 30. Mai läuft. In beiden Fällen reduziert sich das Angebot um eine allfällige Dividende, sofern eine solche vor der Abwicklung des Offerts ausbezahlt werden sollte. Ob die Rechnung aufgeht, bei den Firmen wie geplant zum Zug zu kommen, bleibt jetzt abzuwarten. Zumindest bei der Immofinanz dürfte es jedoch zäh werden, sagen Analysten, da dort der Börsenkurs seit Wochen über dem Angebotspreis notiert.

Starwood ist auf Immobilien, Energie-Infrastruktur sowie Öl und Gas spezialisiert. Das 1991 gegründete Investmenthaus hat mehr als 3800 Mitarbeiter. Derzeit verwaltet es ein Vermögen von rund 56 Milliarden Dollar. In Europa ist der US-Fonds seit Mitte der 90er Jahre aktiv. Vor allem Österreich, Deutschland und CEE seien "attraktive Märkte", so Starwood am Mittwoch. CA Immo und Immofinanz habe man "bereits seit einiger Zeit beobachtet".