ZKW produziert Haupt- und Nebelscheinwerfer, Blinkleuchten, Innen- und Kennzeichenleuchten sowie Elektronik-Module.
ZKW produziert Haupt- und Nebelscheinwerfer, Blinkleuchten, Innen- und Kennzeichenleuchten sowie Elektronik-Module.

Wien/Seoul. Verkaufsgerüchte um den niederösterreichischen Autozulieferer ZKW Group gab es bereits im vergangenen Jahr. Doch nun ist der Deal fixiert: Für gut 1,1 Milliarden Euro kauft der südkoreanische Elektronik-Gigant LG Electronics den in Wieselburg bei Ybbs ansässigen Spezialisten für Licht- und Elektroniksysteme. Die Koreaner wollen damit ihr Autozuliefergeschäft erweitern und künftig auch eine weltweite Führungsrolle in der Fahrzeugbeleuchtung bei selbstfahrenden Autos spielen. Den rund 3500 ZKW-Beschäftigten in Österreich haben sie eine Jobgarantie für fünf Jahre zugesichert. Nicht rütteln will LG auch an der Marke.

Mit seinen Produkten gilt ZKW seit vielen Jahren als gefragter Systemlieferant der Automobilindustrie und als stark wachsend. Zu den zahlreichen Kunden gehören etwa Volkswagen, Audi, Porsche, BMW, Daimler, Jaguar, Volvo, Ford und Opel. Das Jahr 2017 bescherte dem ZKW-Konzern ein weiteres Rekordergebnis, mit 1,23 Milliarden Euro fielen die Umsätze um knapp 30 Prozent höher aus als im Jahr davor. Gleichzeitig stieg auch der Personalstand in der Gruppe kräftig an - von rund 7500 auf weltweit mehr als 8900 Mitarbeiter (per Ende 2017).

"Zizala Karl Wien"

ZKW ist vor 80 Jahren von Karl Zizala in Wien als Hersteller von Autoscheinwerfern gegründet worden, der Firmenname steht für "Zizala Karl Wien". Heute ist das Unternehmen an mittlerweile acht Standorten tätig. Zwei davon sind in Österreich: in Wieselburg (Zentrale) und Wiener Neustadt. Die übrigen Standorte sind in Tschechien, der Slowakei, China, Indien, Mexiko und den USA.

Der Kauf von ZKW sei der bisher größte Übernahmedeal in der Unternehmensgeschichte, gab LG am Donnerstag bekannt, nachdem der Verwaltungsrat seine Zustimmung für die Milliarden-Transaktion erteilt hatte. Konkret erwirbt LG Electronics 70 Prozent an ZKW - und die Mutter LG Corporation die restlichen 30 Prozent. Verkäufer ist der 77-jährige deutsche Industrielle Ulrich Mommert, dem das Unternehmen bisher zur Gänze gehörte. Mommert, dessen Familie ZKW 1982 übernommen hatte, soll schon länger nach einem Käufer gesucht haben.

LG zählt zu den weltweit führenden Elektronikkonzernen, das Unternehmen stellt auch Smartphones und Haushaltsgeräte her. Mithilfe seines globalen Verkaufsnetzes will der koreanische Großkonzern dem auf Premium-Autos konzentrierten Geschäft von ZKW künftig eine viel größere Marktpräsenz verschaffen, wie es hieß. Zudem kündigte LG am Donnerstag an, gemeinsam mit ZKW "intelligente Beleuchtungslösungen" entwickeln zu wollen, die dank Sensoren und Fahrzeugkameras auch Informationen und Warnungen für den Straßenverkehr anzeigen können.

Unternehmensverbund

Österreich soll in Zukunft jedenfalls das Kompetenzzentrum für Fahrzeugbeleuchtung im LG-Konzern werden. Wie ZKW-Chef Oliver Schubert betonte, entstehe mit LG ein Unternehmensverbund "mit nahezu unbegrenzten Möglichkeiten". Erklärtes Ziel sei es, bis 2025 einer der Top-Zulieferer im Autobereich zu werden.