Wien. (kle) Für das erste Quartal hat die Erste Group am Freitag einen Nettogewinn von 332,6 Millionen Euro gemeldet. Der lag damit - dank niedriger Risikokosten - um fast 27 Prozent über dem Wert der gleichen Vorjahresperiode und übertraf auch die Erwartungen der Analysten. Außerdem bekräftigte die in Osteuropa breit aufgestellte Wiener Großbank ihren bisherigen, relativ guten Ausblick für das Gesamtjahr sowie eine höhere Dividende.

Doch all dies stimmte die Börse alles andere als positiv. Jedenfalls ging es mit dem Aktienkurs der Ersten vor dem Wochenende steil bergab, in der Spitze rutschte der Finanztitel bei hohen Handelsumsätzen um 6,1 Prozent auf 37,59 Euro ab. Da die Erste im ATX besonders stark gewichtet ist, zogen ihre Kursverluste auch den übrigen Markt nach unten. Im Handelsverlauf gab Wiens Aktienleitindex am Freitag um mehr als ein Prozent nach.

"Überreaktion des Marktes"

Analysten zeigten sich vom heftigen Kursrückgang bei der Ersten überrascht. Sie sprachen von einer "Überreaktion des Marktes".

Nichtsdestotrotz gibt es für den Kursabsturz einen Grund - und der hat wohl mit der schwächeren operativen Performance des Geldinstituts im ersten Quartal zu tun. Zwar stiegen die Betriebserträge um 2,1 Prozent, im Vergleich dazu legte der Verwaltungsaufwand aber mehr als doppelt so stark zu - nämlich um 4,6 Prozent. Letzteres begründete die Erste Group in einer Presseinformation mit gestiegenen Personalkosten und mit Beitragszahlungen für die Einlagensicherung. In Summe resultierte daraus ein Rückgang im Betriebsergebnis um 2,1 Prozent auf 599,2 Millionen Euro.

Schlechter fiel auch die Kosten-Ertrags-Relation, eine bei Banken viel beachtete Kennzahl, aus. Sie kletterte um eineinhalb Prozentpunkte auf 64,5 Prozent.

Abstriche musste die Erste im ersten Jahresviertel auch bei ihrer harten Kernkapitalquote machen: von 13,4 auf 12,6 Prozent. Dafür gibt es jedoch einen bilanztechnischen Grund. Wie die Bank mitteilte, hat die per Jahresbeginn erfolgte Umstellung auf den neuen Bilanzierungsstandard IFRS 9 das bilanzielle Eigenkapital um rund 600 Millionen Euro verringert.

Weniger faule Kredite

Alles in allem ist Bankchef Andreas Treichl mit den Quartalsergebnissen aber zufrieden: "Wir sind ziemlich stark ins laufende Jahr gestartet." Zum Grund, warum die die Bank unterm Strich mehr verdiente, verwies Treichl vor allem auf ein "außerordentlich gutes Risikoumfeld". Der Anteil der notleidenden Kredite am gesamten Kreditbestand schrumpfte von 4,0 auf 3,7 Prozent.

Im weiteren Jahresverlauf rechnet Treichl zwar mit einem Anstieg der Risikokosten, aber auf ein im langjährigen Vergleich immer noch niedriges Niveau. Für die Kernmärkte der Bank in Zentral- und Osteuropa, inklusive Österreich, geht er für 2018 von einem kräftigen Wirtschaftswachstum von drei bis fünf Prozent aus. Dies sollte das Kreditwachstum, das im ersten Quartal bei gut sieben Prozent lag, anschieben.