Wien. (kle) In der Leistungsbilanz sind die außenwirtschaftlichen Aktivitäten einer Volkswirtschaft abgebildet. Der Saldo aus den Ausgaben und den Einnahmen gilt als wichtige ökonomische Größe für die Bewertung der Leistungsfähigkeit eines Landes. Was Österreich betrifft, war hier unterm Strich jedenfalls auch 2017 alles in Ordnung. Zwar sank der Leistungsbilanzüberschuss von 7,5 auf 7 Milliarden Euro beziehungsweise von 2,1 auf 1,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, wie die Nationalbank (OeNB) am Dienstag mitteilte. Dennoch sprach ihr Vizechef Andreas Ittner von einem stabilen und nachhaltigen Wert. Es sei das 15. Jahr in Folge mit einem Überschuss gewesen.

Der mit Abstand wichtigste außenwirtschaftliche Ankerpunkt für Österreich blieb Deutschland. Daneben habe Osteuropa seine Rolle als "unverzichtbarer Wirtschaftspartner" weiter gefestigt, wie es hieß.

Als tragende Säule in der Leistungsbilanz erwies sich auch im vergangenen Jahr der Tourismus. Mit einem positiven Saldo von 8,8 Milliarden Euro leistete der Reiseverkehr den höchsten Beitrag zum Überschuss, auch wenn sich der Zuwachs bei den Tourismus-Einnahmen etwas abflachte und die Entwicklung damit nicht so dynamisch war wie in den vergangenen Jahren.

Mini-Defizit im Güterhandel

Da sich die Importe 2017 stärker als die Exporte beschleunigten, gab es in der Güterbilanz 2017 ein Defizit von 1,2 Milliarden Euro. - © fotolia/Björn Wylezich
Da sich die Importe 2017 stärker als die Exporte beschleunigten, gab es in der Güterbilanz 2017 ein Defizit von 1,2 Milliarden Euro. - © fotolia/Björn Wylezich

Positiv fiel auch das Ergebnis im Handel mit grenzüberschreitenden Unternehmensdienstleistungen aus, wie die OeNB weiter berichtete. Mit 1,7 Milliarden Euro lag es 2017 jedoch deutlich unter dem Ergebnis vom Jahr davor (2,5 Milliarden Euro). Indes bilanzierte der Güterhandel im vergangenen Jahr mit einem Defizit von 1,2 Milliarden Euro leicht negativ. Der Grund: Die Importe (plus 8,8 Prozent auf 140 Milliarden Euro) beschleunigten sich im Umfeld des globalen Konjunkturaufschwungs etwa stärker als die Exporte (plus 7,6 Prozent auf 138,8 Milliarden Euro).

Wie Ittner ausführte, leiste der Reiseverkehr zwar einen entscheidenden Beitrag zum Leistungsbilanzplus. Die entscheidende wirtschaftliche Dynamik spiele sich jedoch im Güterverkehr und bei den Unternehmensdienstleistungen ab. So seien die Güterexporte im Vorjahr mehr als sieben Mal so groß gewesen wie die Reiseverkehrseinnahmen.

Nettokapitalgläubiger

Laut Nationalbank exportierte Österreich 2017 Leistungen (Güter, Dienstleistungen und grenzüberschreitende Einkommen) im Gesamtwert von 231 Milliarden Euro (plus 6,8 Prozent). Die Importe lagen bei 224 Milliarden Euro (plus 7,4 Prozent).

Österreichs Direktinvestitionen im Ausland wurden durch frisches Kapital befeuert und erreichten mit 202 Milliarden Euro einen Rekordstand, wie die OeNB weiter bekannt gab. Zusätzlich bauten österreichische Investoren ihre Investments in ausländische Wertpapiere und Derivate um 5,4 Milliarden Euro aus. Per Ende 2017 erreichte das Finanzvermögen Österreichs einen Wert von 859 Milliarden Euro, die Verpflichtungen beliefen sich auf 837 Milliarden Euro. Per saldo ist Österreich somit Nettokapitalgläubiger im Ausmaß von 22 Milliarden Euro. Daraus resultiert ein Vermögenseinkommensüberschuss von 1,4 Milliarden Euro.