• vom 17.05.2018, 16:41 Uhr

Österreich


Betriebliche Gesundheitsförderung

Der gesunde Arbeitsplatz spart Geld




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Von Martina Madner

  • Kleinen Unternehmen fehlt oft das Geld für Gesundheitsprävention. Die SVA startet deshalb ein Pilotprojekt für EPU.

Neue Arbeitsprozesse sollen bei Fonatsch die Motivation und die Gesundheit fördern.

Neue Arbeitsprozesse sollen bei Fonatsch die Motivation und die Gesundheit fördern.© Fonatsch GmbH Neue Arbeitsprozesse sollen bei Fonatsch die Motivation und die Gesundheit fördern.© Fonatsch GmbH

Wien. Marie-Luise Fonatsch hat gerade selbst Telefondienst, obwohl Prokuristin und Gesellschafterin ihres 34 Mitarbeiter großen gleichnamigen Unternehmens. Der Grund: Sowohl Geschäftsführer als auch ein Gutteil der Mitarbeiter sind gerade im vierteljährlichen Meeting zur Weiterentwicklung der betrieblichen Gesundheitsförderung.

Die Lichtmasten-Produktion Fonatsch GmbH in Melk, hatte sich für das Gütesiegel des Europäischen Netzwerkes für Betriebliche Gesundheitsförderung beworben und diesen März erhalten - nicht um eine weitere Auszeichnung abzuräumen, obwohl das Unternehmen davon einige hat, auch eine vom Verkehrsclub Österreich für das energieautarke Buswartehäuschen, das Fonatsch ebenfalls produziert - sondern: "Weil wir wollen, dass unsere Mitarbeiter motiviert und gesund sind."


Auch die bessere Planung kann Krankheiten vorbeugen
Die Maßnahmen, die man im Betrieb setzen kann, reichen von gesunden Angeboten in Kantinen, Ernährungsberatung über Raucher-Entwöhnprogramme, Stressmanagement und Maßnahmen, die Ängsten und Depression vorbeugen bis hin zu Schrittzählern, Bewegungspausen und Kräftigungsprogramme im Betrieb, um die körperliche Aktivität auch während der Arbeit zu steigern.

Fonatsch dagegen will gar nicht über den Obstkorb sprechen: "Das ist die Grundvoraussetzung. Es wäre lächerlich, so etwas als Maßnahme zu bezeichnen." Es sind viel gesamtheitlicher gedachte: Der Workshop, der zum Beispiel zur Verbesserung der Arbeitsprozesse und der Terminkoordination führte, damit bereits die Produktionsleitung darauf achtet, dass es später zu keinen Engpässen und Stress für die Mitarbeiter kommt, was psychischen Erkrankungen vorbeugt.

Es sind der unterstützende Arbeitshocker für ältere Mitarbeiter, die Ventilatoren, die für ein besseres Raumklima sorgen, der Betriebsausflug, der in einen Klettergarten führte. Individuell Passendes für den Betrieb eben, denn: "Nordic Walking passt nicht zu uns. Das hätte unseren Männern vermutlich nur ein sanftes Lächeln entlockt", sagt Fonatsch.

Ein Euro für Prävention spart bis zu drei Euro Kosten
Es ist auch Zeit für Gespräche, wo die Mitarbeiter Gehör für ihre Ideen finden. Zeit sei in einem Produktionsunternehmen Mangelware, aber: "Wir fertigen viele Einzel- und Sonderlösungen an, da muss man mitdenken." Das bringt dem Unternehmen Bares, wie viel genau, weiß die Unternehmerin zwar noch nicht, aber: "Ist man motiviert, senkt das die Fehlerquote und hebt die Qualität. Außerdem gibt es weniger Krankenstandstage."

Studien, die dem Netzwerk für Betriebliche Gesundheitsförderung vorliegen, sprechen von einem Return on Investment von bis zu 1:3. Das bedeutet, dass sich Betrieb und Gesundheitssystem für jeden in betriebliche Gesundheitsförderung investierten Euro bis zu drei Euro ersparen, durch weniger Behandlungskosten, aber auch weniger krankheitsbedingte Fehltage.

Mehr Gesundförderung von Ein-Personen-Unternehmen
Alexander Herzog, stellvertretender Obmann der Sozialversicherung der gewerblichen Wirtschaft (SVA), stellt allerdings fest, dass es kleinen und mittleren Unternehmen wie Fonatsch oft an personellen und finanziellen Ressourcen für ein adäquates Gesundheitsmanagement mangelt. Insbesondere bei Ein-Personenunternehmen "ist Flexibilität im Alltag besonders gefragt".

Ab Sommer dieses Jahres startet die SVA deshalb mit einem Pilotprojekt zur Gesundheitsförderung speziell für diese Zielgruppe: Dabei werden Arbeitsabläufe einige Tage lang durchleuchtet und analysiert; auch der eigene Gesundheitszustand wird erhoben. Danach geht es im Laufe von sechs Monaten um ein Seminarangebot zu Themen wie Zeitmanagement, Lebensbalance, Akquise oder Social Media. Mit dabei sind auch Coaching-Gespräche und die Vermittlung von Gesundheitskompetenz. Ziel ist es, das Selbstmanagement der Unternehmer zu verbessern und damit ihre Gesundheit zu erhalten.




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Dokument erstellt am 2018-05-17 16:45:53



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