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Wien/Wels. (kle) Ein Verkauf von Kika/Leiner an einen großen Konkurrenten wäre wohl die Rettung für die angeschlagene Möbelhandelsgruppe. Am Dienstag meldete sich mit dem heimischen Branchenriesen Lutz jedenfalls der erste Interessent zu Wort. Zuvor hatte Theodor Thanner, Chef der Bundeswettbewerbsbehörde, im ORF-Radio einen Notverkauf an Lutz für möglich erklärt - wenn auch unter Auflagen.

Bei Lutz ist von einem "grundsätzlichen Interesse" die Rede. Ein Firmensprecher sagte zur Austria Presse Agentur: "Wenn sich eine Möglichkeit auftut, wären wir da." Wie Thanner zu verstehen sei, gäbe es Möglichkeiten, und man würde dabei gerne "Partner sein" - wie groß auch immer jene Teile seien, die man möglicherweise übernehmen könnte.

Bei Kika/Leiner war am Dienstag niemand für eine Stellungnahme erreichbar. Derzeit beantwortet das Unternehmen generell keine Presseanfragen.

Lutz bekundet
Bereitschaft für Gespräche

"Wir sind jedenfalls bereit, in Gespräche zu treten", erklärte der Sprecher des oberösterreichischen Möbelhandelsriesen. Dazu merkte er an, dass Lutz auch in Deutschland manche Händler übernommen habe, die ins Straucheln geraten seien.

Erst im April haben die Welser von der kriselnden Kika/Leiner-Mutter Steinhoff die deutsche Möbelhandelskette Poco mit 123 Einrichtungshäusern, fast 8000 Mitarbeitern und rund 1,6 Milliarden Jahresumsatz gekauft. In Deutschland ist die Lutz-Gruppe mithilfe dieser Akquisition vom dritten auf den zweiten Platz aufgestiegen, Branchen-Primus ist Ikea.

In Österreich ist Lutz mit seinen drei Marken "XXXLutz", "Mömax" und "Möbelix" die Nummer eins am Möbelmarkt, zuletzt hatte die Gruppe einen Marktanteil von etwa einem Drittel. Der Anteil der Nummer zwei - Kika/Leiner - belief sich vor Beginn der Turbulenzen auf rund 24 Prozent, dahinter folgte Ikea mit 16 Prozent.

Auch wenn es um die größten heimischen Branchen-Player ginge: Einem Verkauf von Kika/Leiner an den Mitbewerber Lutz würde die Bundeswettbewerbsbehörde (BWB) keinen Riegel vorschieben. "Natürlich ist das denkbar, wenn es entsprechende strukturelle Auflagen gibt", sagte BWB-Chef Thanner. Um eine Übernahme möglich zu machen, müssten "eine Reihe von Standorte" aufgegeben werden - etwa in Stadtrandlagen, so Österreichs oberster Wettbewerbshüter.

Wahrscheinlichkeit
eines Verkaufs gestiegen

Da sich die Krise bei Kika/Leiner nun zugespitzt hat, spricht der Handelsexperte Andreas Kreutzer in einem Bericht der Tageszeitung "Die Presse" von einer gestiegenen Wahrscheinlichkeit, dass das Unternehmen verkauft wird. Über einen Verkauf wird seit vergangenem Sommer spekuliert, als die Bilanzunregelmäßigkeiten bei der südafrikanisch-deutschen Mutter Steinhoff bekannt wurden. Laut Kreutzer gibt es mit Höffner und Tessner zwei deutsche Möbelketten, für die eine Übernahme von Kika/Leiner sinnvoll wäre. Beide seien durch die expansive Lutz-Gruppe auf ihrem Heimmarkt unter Druck geraten und könnten so eine Gegenoffensive starten.

Dass Kreditversicherer etwaige Forderungsausfälle für Lieferanten der Steinhoff-Gruppe mittlerweile nicht mehr abdecken wollen, hat bei Kika/Leiner die Turbulenzen verschärft. Wie berichtet, haben Lieferanten dem Unternehmen eine Frist bis Ende der Woche eingeräumt, um eine Lösung zu finden. Die aktuelle Situation sorgt bei den mehr als 5000 Mitarbeitern für große Verunsicherung. "Viele machen sich Sorgen um ihren Arbeitsplatz", sagte Kika-Betriebsratschefin Sonja Karner.