• vom 14.06.2018, 16:44 Uhr

Österreich

Update: 15.06.2018, 09:53 Uhr

Möbelhandel

Kika/Leiner geht an René Benkos Signa-Gruppe




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  • Rund eine halbe Milliarde Euro soll der Tiroler Unternehmer Rene Benko geboten haben.

- © apa/Helmut Fohringer

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Investor René Benko greift nach Kika/Leiner.

Investor René Benko greift nach Kika/Leiner.© apa/Hans Klaus Techt Investor René Benko greift nach Kika/Leiner.© apa/Hans Klaus Techt

Wien. (apa/kle) Der Notverkauf der Möbelkette Kika/Leiner ist nun offiziell bestätigt: Die Konzernmutter Steinhoff Europe hat das Angebot der Signa-Gruppe des Tiroler Immobilieninvestors Rene Benko zum Kauf der österreichischen Möbelkette angenommen. In den nächsten Tagen würden "alle Verträge abgestimmt und fixiert", teilte Kika/Leiner-Geschäftsführer Gunnar George am Donnerstagabend in einer Aussendung mit.

Laut Unternehmensangaben sind die rund 5000 Arbeitsplätze bei Kika/Leiner gesichert. "Die kapitalstarke Signa hat mit der erfolgreichen Sanierung von Karstadt die langfristige Sicherung von Arbeitsplätze bewiesen und wird den Restrukturierungsprozess, den wir Anfang des Jahres begonnen haben, als Garant weiter unterstützen", so George. Benko soll rund eine halbe Milliarde Euro geboten haben.


Knapp zwei Wochen war Kika/Leiner auf der Suche nach einem finanziellen Ausweg, nachdem der Kreditversicherer Euler Hermes Warenlieferungen an die Möbelhandelskette nicht mehr abzusichern bereit war und die Urlaubsgelder fällig werden.

Kika und Leiner sind durch den Bilanzskandal der deutsch-südafrikanischen Konzernmutter Steinhoff in den vergangenen Monaten immer tiefer in die Krise gerissen worden. Im Dezember 2017 räumte die Nummer zwei im weltweiten Möbelhandel (nach Ikea) Unregelmäßigkeiten in den Bilanzen ein, die Aktien des Unternehmens gingen auf Talfahrt und rasselten zeitweise um mehr als 90 Prozent in den Keller. Steinhoff saß zu diesem Zeitpunkt auf einem Schuldenberg von 10,7 Milliarden Euro und ringt seither ums finanzielle Überleben.

Kurz vor dem Jahreswechsel geriet dann auch die Österreich-Tochter Kika/Leiner in die Bredouille: Steinhoff drehte den Geldhahn zu. Um die Löhne zahlen zu können, wurde der Leiner-Flagshipstore auf der Wiener Mariahilfer Straße in einer Notaktion um kolportierte 50 bis 70 Millionen Euro an Benko verkauft.

Seit dem Frühjahr wird ein
Sparprogramm ausgerollt

Zu Jahresbeginn 2018 bescheinigte der Kreditschutzverband von 1870 Kika/Leiner ein "leicht erhöhtes Risiko" und empfahl den Lieferanten der Möbelkette, vorübergehend nicht unbesichert auf offene Rechnung zu liefern.

Ende Jänner einigte sich Kika/Leiner dann mit dem angeschlagenen Eigentümer auf eine millionenschwere Geldspritze und sah sich auf Kurs. Für "bis zu 24 Monate" solle die Finanzierung reichen, sagte Gunnar George, Geschäftsführer von Kika/Leiner Österreich, damals und bemühte sich um Schadensbegrenzung: "Kunden werden ihre Möbel bekommen", versicherte er. Anzahlungen würden weiter auf einem Treuhandkonto liegen, Steinhoff habe keine Zugriffsmöglichkeit auf Gelder von Kika/Leiner.

Um einen Sparkurs kam der heimische Möbelhändler trotzdem nicht herum, alle Filialen kamen auf den Prüfstand. Für zwei Lipo-Märkte, ein Kika- und ein Leiner-Möbelhaus bedeutete die Restrukturierung das Aus, 150 Arbeitsplätze wackeln, hieß es im März. In Summe sollten 46 der 50 Standorte bestehen bleiben.

Anfang Juni zog der Kreditversicherer Euler Hermes aufgrund der Schieflage bei Steinhoff International die Notbremse und weigerte sich, Lieferungen an Kika/Leiner weiterhin abzusichern. Kika/Leiner einigte sich in ersten Gesprächen mit Lieferanten auf eine einwöchige Schonfrist, musste dann am vergangenen Freitag aber die Präsentation einer Lösung der Probleme auf diese Woche verschieben.

Die Kika/Leiner-Eigentümerfamile Koch verkaufte die Möbelhandelskette im Jahr 2013 um mehr als 500 Millionen Euro an Steinhoff. Die Steinhoff-Gruppe hat rund 130.000 Mitarbeiter in mehr als 30 Ländern. Im vergangenen Geschäftsjahr erzielte Kika/Leiner eine schwarze Null, der Umsatz in Österreich lag bei etwa 800 Millionen Euro. Im osteuropäischen Raum wurden rund 200 Millionen Euro erlöst.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-14 16:49:37
Letzte Änderung am 2018-06-15 09:53:21


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