• vom 15.06.2018, 17:01 Uhr

Österreich

Update: 15.06.2018, 17:25 Uhr

Kika/Leiner-Verkauf

René Benko und sein glückliches Händchen




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Von Rosa Eder-Kornfeld

  • Mit dem Kauf von Kika/Leiner steigt der Tiroler in den stationären Handel in Österreich ein.

Immobilientycoon René Benko beim Spatenstich für das neue Bank-Austria-Headquarter auf dem Austria Campus in Wien.

Immobilientycoon René Benko beim Spatenstich für das neue Bank-Austria-Headquarter auf dem Austria Campus in Wien.© apa/Techt Immobilientycoon René Benko beim Spatenstich für das neue Bank-Austria-Headquarter auf dem Austria Campus in Wien.© apa/Techt

Wien. "Ich versuche, mit viel Engagement, mit einem motivierten Team und mit verlässlichen Partnern erfolgreich zu sein. Offenbar habe ich auch ein glückliches Händchen für Trends und richtige Zeitpunkte." Das sagt René Benko über sich, und er hat nun einmal mehr bewiesen, dass er mit seiner Selbsteinschätzung richtig liegt.

Die angeschlagene Möbelhandelskette Kika/Leiner, gerade am tiefsten Punkt ihrer Krise angelangt, gilt durch den Einstieg von Benkos Signa-Holding als gerettet, die gefürchtete Insolvenz bleibt aus. Ein Seufzer der Erleichterung ist im ganzen Land zu vernehmen. Sogar Bundeskanzler und Vizekanzler verliehen in einer Aussendung ihrer Freude über den Erhalt von 5500 Arbeitsplätzen Ausdruck. Auch die heimische Möbelindustrie atmet auf, denn eine Übernahme durch Branchenführer Lutz hätte noch mehr Marktkonzentration bedeutet. Mit Benko stehe ein zahlungskräftiger Investor vor der Tür, der schon bewiesen habe, "dass er sanieren kann", sagt Claudius Kollmann vom Fachverband Holzindustrie im Gespräch mit der "Wiener Zeitung".


Tiroler Selfmademan
und Luxus-Magnat

Der Retter von Kika/Leiner, der gerne als Tiroler Selfmademan, Immobilientycoon oder Luxus-Magnat bezeichnet wird, gründete 1999 als 22-Jähriger das Zwei-Personen-Unternehmen Immofina (2006 erfolgte wegen Verwechslungsgefahr mit der Immofinanz die Umbenennung in Signa). Seine ersten Projekte waren zwei Dachböden in Wien, die er zu Wohnungen ausbaute und weiterverkaufte, kann man Benkos Vita entnehmen.

Die Firma widmete sich zunächst Projekten im Gesundheitsbereich. 2004 kaufte Benko das in die Jahre gekommene Einkaufszentrum "Kaufhaus Tyrol" in Innsbruck und mauserte sich mehr und mehr zum nationalen Immobilienplayer. Einen Mega-Coup landete Benko im Dezember 2012: Signa übernahm um 1,1 Milliarden Euro das traditionsreiche "Kaufhaus des Westens" (KaDeWe) in Berlin und 16 weitere Warenhäuser, die an Karstadt vermietet waren.

Kurz zuvor waren Benko und sein Steuerberater erstinstanzlich am Wiener Straflandesgericht zu zwölf Monaten bedingter Haft verurteilt worden. Ihnen wurde der Versuch einer verbotenen Intervention in Italien in einer Steuersache über den kroatischen Ex-Premier Ivo Sanader vorgeworfen. Benko wies alle Vorwürfe zurück und legte Berufung ein. Das Urteil wurde vom Oberlandesgericht Wien und dann vom Obersten Gerichtshof bestätigt.

Die Signa-Gruppe ist heute nach eigenen Angaben mit einem Immobilienvermögen von mehr als zwölf Milliarden Euro und einem zusätzlichen Development-Volumen von rund acht Milliarden Euro einer der bedeutendsten Immobilieninvestoren in Europa. Eines der bekanntesten Projekte in Österreich ist das Goldene Quartier mit Luxusshops und Penthäusern in der Wiener Innenstadt.

Die Übernahme von Kika/Leiner bedeutet für Signa neben ihren Handelsbeteiligungen in Deutschland und im europäischen Sport-E-Commerce erstmals auch den Einstieg in den stationären Handel in Österreich.

"Das Unternehmen
ist werthaltig"

Die Verträge für Kika/Leiner werden in den nächsten Tagen fixiert. Das Kaufangebot umfasst sowohl das operative Handelsgeschäft mit seinen rund 5500 Mitarbeitern als auch die etwa 70 Immobilienstandorte in Österreich und Osteuropa. Bis 19. Juni läuft die Due-Diligence-Prüfung der operativen Firmen, teilte die Kika/Leiner-Mutter Steinhoff in einer Aussendung mit. Bis Ende Juli hat Signa noch das Recht, aus dem Deal auszusteigen. Der Wert der Kika/Leiner-Immobilien muss noch genau geschätzt werden, ein Kaufpreis von 450 bis 500 Millionen Euro wurde kolportiert. Der offizielle Verkauf (Closing) von Kika/Leiner soll laut Steinhoff bis Ende September erfolgen.

"Das Unternehmen ist werthaltig. Wir sind uns nach sorgfältiger Analyse absolut sicher, dass das Unternehmen wieder erfolgreich aufgestellt werden kann", so Stephan Fanderl, Geschäftsführer von Signa Retail.




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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-06-15 17:07:26
Letzte Änderung am 2018-06-15 17:25:58


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