Die FMA-Chefs Helmut Ettl (r.) und Klaus Kumpfmüller sind für eine stärkere Regulierung von Fintechs. - © FMA
Die FMA-Chefs Helmut Ettl (r.) und Klaus Kumpfmüller sind für eine stärkere Regulierung von Fintechs. - © FMA

Wien. "Die ,Digitale Revolution‘ ist ein Strukturschock für den gesamten Finanzsektor", sagt FMA-Vorstand Helmut Ettl. Immer mehr sogenannte Fintech-Firmen drängen auf den Markt. Im Regelfall sind es Start-ups, die auf technologisch weiterentwickelte Finanzinnovationen setzen und so traditionelle Geschäftsmodelle der Banken infrage stellen. Dabei geht es etwa um Erleichterungen beim mobilen Bezahlen und Geldüberweisen mit dem Smartphone, aber auch um Finanzierungen mit Krypto-Währungen und um Crowdinvesting. Vieles in der Finanzwelt ist jedenfalls im Umbruch - auch das Kundenverhalten. Ettl spricht sich daher für mehr Regulierung bei den Fintechs aus. Sein Credo: "Das hohe Niveau des Verbraucherschutzes darf durch die Digitalisierung nicht verwässert werden."

Ettl sieht den Gesetzgeber gefordert. "Das Wettbewerbsumfeld ändert sich gravierend und wird immer globaler." Gerade in der digitalen Welt stoße die analog bewährte Regulierung und Aufsicht an ihre Grenzen. Das Problem dabei: Viele neue digitale Geschäftsmodelle seien "regulatorisch noch gar nicht erfasst", so Ettl. Zudem würden bestimmte gesetzliche Begriffe bei Fintech-Firmen ins Leere greifen. Das Ziel müsse daher sein, neben dem Schutz der Konsumenten für fairen Wettbewerb zwischen den analogen und digitalen Anbietern zu sorgen.

Geht es nach Ettl, bedarf es etwa einer Konzessionspflicht für den gewerbsmäßigen An- und Verkauf digitaler Währungen wie Bitcoin. Ferner sollte für Initial Coin Offerings (ICOs) - eine Form der Schwarmfinanzierung über virtuelle Währungen - eine schwellenabhängige Prospektpflicht eingeführt werden. Dieser Bereich sei derzeit noch gänzlich unreguliert, so Ettl Donnerstagabend in einem Hintergrundgespräch mit Journalisten. Es gehe um eine Gleichstellung mit Wertpapieren und anderen Investments. Ein Mindestmaß an Transparenz müsse gesichert und irreführende Werbung abgestellt werden.

Um Fintechs präventiv beraten zu können, hat die FMA eine eigene Kontaktstelle eingerichtet. Seit Oktober 2016 seien hier 163 Anfragen etwa zu Zahlungsdiensten, dem Handel mit virtuellen Währungen oder Crowdfunding registriert worden, berichtet Ettl. Indes würden nur wenige Fintech-Firmen den Weg gehen, sich selbst "konzessionsfit" zu machen. In Österreich hätten bisher drei eine Konzession erhalten, so Ettl. Die meisten Anbieter versuchten, bei einem schon konzessionierten Unternehmen, einer Bank oder einem Versicherer, anzudocken.

Mehr Überwachungsrechte

Einen größeren Aktionsradius in Form von mehr Kontrollmöglichkeiten wünscht sich die FMA auch bei Konsumkrediten. Hier sollte der Behörde wie etwa bei Anlage- und Versicherungsprodukten eine Kompetenz zur Überwachung der Wohlverhaltensregeln eingeräumt werden, erklärt Klaus Kumpfmüller, Ettls Vorstandskollege. Grund dafür sei der Boom bei Konsumkrediten (1000 bis 65.000 Euro).

Die Geschäftsbeziehungen zwischen Kunden und Banken hätten sich nicht zuletzt aufgrund der Digitalisierung verändert. Konsumkredite würden oft auf die Schnelle online abgeschlossen. Zum Teil wird laut Kumpfmüller aggressiv und sogar irreführend geworben. So würden beworbene Zinssätze nur für Kunden mit Top-Bonität drin sein, meist haben Sofortkreditkunden aber keine Top-Bonität. "Wir wollen überprüfen, ob die Verträge zwischen Kreditinstituten und Kunden transparent und fair sind - wie bei Versicherungs- oder Wertpapierprodukten", sagt Kumpfmüller.

Ende 2017 lag das Volumen der Konsumkredite (ohne Leasing), zu denen auch Kontoüberziehungen zählen, bei 18,7 Milliarden Euro - Tendenz steigend. Die Neukreditvergaben erhöhten sich im Vorjahr um fast elf Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Mit rund sieben Prozent lag bei Konsumkrediten zuletzt auch der Anteil der notleidenden Kredite relativ hoch. Sollte die aktuell gut laufende Konjunktur einknicken, würde dieser Anteil sehr rasch ansteigen, warnt Kumpfmüller die Banken.