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Österreich

Update: 04.07.2018, 20:41 Uhr

Zwölfstundentag

"Freiheit" durch neue Arbeitszeiten




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Von Martina Madner

  • Warum viele Unternehmer das neue Arbeitszeit-Gesetz befürworten - Beispiele aus der Praxis.

Die Industrie möchte mit einem kurzfristigen Ausdehnen der Tagesarbeitzeit Auftragsschwankungen begegnen. - © apa/Helmut Fohringer

Die Industrie möchte mit einem kurzfristigen Ausdehnen der Tagesarbeitzeit Auftragsschwankungen begegnen. © apa/Helmut Fohringer

Wien. Andreas Lahner versteht die "ganze Aufregung nicht". Der Inhaber der 30 Mitarbeiter großen Lahner KG Oberflächentechnik in Brunn am Gebirge ärgert sich über Aussagen so manchen gewerkschaftlichen Gegenübers in der Debatte um das Gesetz zur Ausweitung der Arbeitszeit auf bis zu 12 Stunden pro Tag bzw. 60 Stunden pro Woche: "Das entspricht überhaupt nicht der betrieblichen Praxis."

Braucht es das neue Gesetz da aber überhaupt? Eine Frage, die Lahner wie seine Interessensvertretung, die Wirtschaftskammer, und auch die Industriellenvereinigung mit einem deutlichen "Ja" beantworten.


Kurzfristige Aufträge
"Vor zwei Wochen wäre das neue Gesetz zum Beispiel sinnvoll gewesen", erzählt Lahner. Den Unternehmer ereilte kurzfristig ein Auftrag eines Kunden, Maschinenteile zu verzinken. "Im Normalfall müsste die Antwort auf so eine Anfrage ‚Nein‘ lauten. Aber es ging sich mit der heute maximal möglichen Arbeitszeit von vier Mitarbeitern an zwei Tagen hintereinander gerade mal so aus." Lahner hätte sonst einen Auftrag verloren, mit bis zu zwölf statt heute zehn Stunden Höchstarbeitszeit, "also mehr Freiheit, wird das wesentlich besser".

Der Unternehmer versichert, die Arbeitszeiten im Einvernehmen mit seinen Mitarbeitern zu planen, die wünschten sich genauso mal länger zu arbeiten, dafür am Freitag früher gehen zu können oder am Montag später kommen zu können. "Man kann einen Gewerbebetrieb nicht wie ein Patriarch führen. Da ziehen Arbeitgeber und Arbeitnehmer an einem Strang, anders ist man nicht erfolgreich."

Tatsächlich steht der Wunsch nach flexibleren Arbeitszeiten laut Wirtschaftsbarometer-Umfrage der Wirtschaftskammer ganz hoch im Kurs der befragten 3600 Unternehmer: Auf die Frage, wo die Regierung Prioritäten setzen solle, nannten zwar 79 Prozent das Senken der Lohnnebenkosten und 69 Prozent den Bürokratieabbau. Für 55 Prozent aber waren auch flexiblere Arbeitszeiten prioritär. Das sagten mehr als die 46 Prozent, die sich auch für eine Bildungsreform aussprachen, "und deutlich mehr als noch vor zehn Jahren. Da standen flexiblere Arbeitszeiten noch nicht bei so vielen auf der Wunschliste", sagt Rolf Gleißner, Leiter der Sozialpolitischen Abteilung in der Wirtschaftskammer.

Warum? "Die Unternehmen können sich Kapazitäten heute nicht mehr so gut einteilen wie früher. Heute wird bestellt und man muss Just-in-Time liefern", sagt Gleißner. Produktionsabläufe hätten sich beschleunigt, Schwankungen der Auftragslage seien heute größer. "Auch viele Gewerbebetriebe und Dienstleister etwa im IT-Bereich oder in der Störungsbehebung wünschen sich das neue Gesetz", sagt Gleißner.

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Dokument erstellt am 2018-07-04 17:31:47
Letzte Änderung am 2018-07-04 20:41:31


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