• vom 06.07.2018, 18:06 Uhr

Österreich


Steuern

Neue Steuern für digitale Multis




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Von Marina Delcheva

  • In Österreich sollen digitale Konzerne mittels Digital-Steuer und Online-Werbeabgabe zur Kasse gebeten werden.

Digital erwirtschaftete Gewinne werden in Österreich kaum steuerlich erfasst.

Digital erwirtschaftete Gewinne werden in Österreich kaum steuerlich erfasst.© apa/dpa/Stratenschulte Digital erwirtschaftete Gewinne werden in Österreich kaum steuerlich erfasst.© apa/dpa/Stratenschulte

Wien. Das mit den Steuereinnahmen ist gerade so Sache. Digitale, global wirtschaftende Konzerne zahlen in Österreich kaum oder sogar gar keine Steuern auf die Gewinne, die sie hier erwirtschaften. Auf der anderen Seite kommen traditionelle Händler und heimische Betriebe in den Genuss der vollen Körperschaftssteuer, die in Österreich 25 Prozent beträgt.

Ein Beispiel: Der Online-Händler Amazon hat allein in Österreich im Vorjahr laut Handelsverband 620 Millionen Euro als Händler umgesetzt. Hinzu kommen noch Lizenzerlöse, die von Händlern an Amazon bezahlt werden, um deren Ware über die Plattform verkaufen zu dürfen. Körperschaftssteuerpflichtig ist Amazon hierzulande aber nicht und muss damit auch keine Steuern auf hier erwirtschaftete Gewinne bezahlen. Denn der Konzern hat keinen Firmensitz in Österreich. Die EU-Zentrale befindet sich Luxemburg.


Ein zweites Beispiel: Die Google Austria GmbH, die eine 100-prozentige Tochter der Google International LLC mit Sitz in Delaware ist, hat 2016 in Österreich 6,5 Millionen Euro umgesetzt. Für den gleichen Zeitraum wurden Steuern von nicht ganz 145.000 Euro abgeführt. Das Branchenmagazin "Medienmanager" schätzt den Umsatz von Google in Österreich aber auf 140 Millionen Euro. Konservativere Branchenschätzungen gehen von 20 bis 70 Millionen aus, die hierzulande etwa durch Online-Werbung erwirtschaftet werden.

Die Lücke, die zwischen dem deklarierten und dem geschätzten Umsatz liegt, lässt sich vielleicht durch die Verrechnungsmethode der Firma erklären. Wer einen Werbevertrag mit Google abschließt, schließt diesen nicht mit dem österreichischen Tochterkonzern, sondern mit dem irischen ab, wo das Geschäft auch verbucht wird und die Steuerlast geringer ist.

Nicht nur in der EU, sondern auch in Österreich versucht man deshalb seit geraumer Zeit diesem Ungleichgewicht mit neuen Steuerkonzepten zu begegnen.

Online-Werbeabgabe
"Eine globale Steuerbefreiung ist auf Dauer nicht möglich", sagte Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) am Donnerstag beim "Digital Fairness Dialogue" in Wien. Im Rahmen der aktuellen Ratspräsidentschaft Österreichs hat sich sein Ressort der Besteuerung von digital erzielten Umsätzen verschrieben. Notfalls auch im Alleingang. "Sollte uns bis Jahresende eine europäische Lösung nicht gelingen, dann ziehen wir das notfalls im Alleingang durch", erklärte Löger.

Angedacht ist etwa, so Löger, die Einführung einer Werbeabgabe auch bei Online-Werbung. Derzeit fallen etwa bei Print-Werbeeinschaltungen fünf Prozent Werbeabgabe an; bei Online-Werbung nicht. Wie hoch diese Abgabe sein soll und wann sie eingeführt wird, ist derzeit noch unklar.

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Dokument erstellt am 2018-07-06 18:13:49


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