• vom 21.07.2018, 09:00 Uhr

Österreich


USA

Kalter Krieg 2.0




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Von Marina Delcheva

  • Der Handelskrieg der USA gegen der Rest Welt spitzt sich zu und könnte einige österreichische Branchen hart treffen. Dort die bösen Amerikaner, hier die guten Europäer - ganz so einfach ist es dann doch nicht.



Wien. Künftig vielleicht doch lieber Senf statt Ketchup? Birkenstock statt Nike? Scotch statt Bourbon? Sollte sich der Handelskrieg der USA gegen den Rest der Welt weiter zuspitzen, werden all diese Dinge auch in Österreich teurer. Fast wöchentlich kündigen die USA neue Zölle auf Waren aus der EU und aus China an. Und ebenfalls fast wöchentlich kontern China und die EU mit Gegenmaßnahmen.

Je nach Eskalationsgrad könnten sechs Prozent des Welthandels oder 850 Milliarden Euro betroffen davon sein. In Österreich würde sich der volkswirtschaftliche Schaden zwar in Grenzen halten. Die neue Zollpolitik der USA würde einzelne Branchen aber durchaus hart treffen. Aber der Reihe nach.


Am 23. März haben die USA zusätzliche Zölle in der Höhe von 25 Prozent auf eine Reihe von Stahlerzeugnissen und zehn Prozent auf Aluminium eingeführt. Die EU konterte ihrerseits im Juni mit Ausgleichsmaßnahmen und belegte US-Waren im Umfang von 2,8 Milliarden Euro mit Zöllen. Darunter fallen Motorräder, Zucker, Bekleidung. Gestern, Freitag, sind zudem EU-Schutzmaßnahmen auf Stahl in Kraft getreten, um den hiesigen Markt quasi vor unerwünschten Nebenwirkungen der Stahl-Zölle zu schützen.



Zusätzlich plant US-Präsident Donald Trump Einfuhrbeschränkungen auf europäische Autos und KFZ-Erzeugnisse. Im Gespräch sind Zölle in der Höhe von 20 bis 25 Prozent. Das soll vor allem Deutschland hart treffen. Aber auch die heimische Zulieferindustrie hat wenig Freude damit.

"Wir betrachten diese Entwicklung schon mit großer Sorge", sagt Susanne Schrott von der Abteilung für Handelspolitik in der Wirtschaftskammer (WKÖ). Die USA sind Österreichs zweitwichtigster Handelspartner. Im Vorjahr haben heimische Betriebe Waren und Dienstleistungen im Wert von fast zehn Milliarden Euro dorthin exportiert. Das ist ein Plus von 10,7 Prozent gegenüber 2016. Umgekehrt hat Österreich im Umfang von rund 5,8 Milliarden Euro aus den Staaten importiert.

250 Millionen Euro Schaden
Rund fünf Prozent der heimischen Stahlerzeugnisse gehen in die USA. Von den Strafzöllen betroffen sind damit Stahl- und Aluminiumprodukte im Wert von 500 Millionen Euro. Etwas härter dürften die Zölle auf KFZ-Erzeugnisse die heimischen Zulieferer treffen. Laut WKÖ ist der Fahrzeugbereich der zweitgrößte Exportbereich Österreichs. 90 Prozent der hier produzierten Güter gehen direkt in den Export. Nach Europa sind die Vereinigten Staaten mit einem Direktexportanteil von neun Prozent der wichtigste Absatzmarkt österreichischer automotiver Produkte.

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Schlagwörter

USA, Zölle, Handel, EU, Stahl, Industrie

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Dokument erstellt am 2018-07-20 17:50:13


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