• vom 24.07.2018, 16:10 Uhr

Österreich


Wirtschaftspolitik

Industrie kalmiert vor Herbstlohnrunde




  • Artikel
  • Kommentare (2)
  • Lesenswert (3)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • "Unser Bestreben ist es, Politik und Lohnverhandlungen möglichst auseinanderzuhalten."



Der Vize-Generalsekretär der IV, Peter Koren sieht die Konjunktur "derzeit noch in einer Hochphase".

Der Vize-Generalsekretär der IV, Peter Koren sieht die Konjunktur "derzeit noch in einer Hochphase".© IV/Karl Michalski Der Vize-Generalsekretär der IV, Peter Koren sieht die Konjunktur "derzeit noch in einer Hochphase".© IV/Karl Michalski

Wien. (apa/kle) Zuletzt haben Arbeitnehmervertreter wegen der Arbeitszeitflexibilisierung und befürchteter sozialer Einschnitte wiederholt einen "heißen Herbst" für die Lohnverhandlungen angekündigt. Der Vize-Generalsekretär der Industriellenvereinigung (IV), Peter Koren, geht dennoch davon aus, "dass die Verhandlungen im Herbst in einem passablen Rahmen stattfinden". Nachsatz: "Unser Bestreben ist es, die Politik und konkrete Lohnverhandlungen möglichst auseinanderzuhalten." Koren hofft, dass sich die Situation "über den Sommer eher beruhigen wird".

"Wir hören aus vielen Gesprächen unserer Mitglieder im direkten Kontakt mit Belegschaftsvertretern vor Ort, dass die Stimmung nicht so aufgeheizt ist, wie in der gesamten Debatte", so der Industrie-Funktionär am Dienstag am Rande der Präsentation des neuen IV-Konjunkturbarometers. "Daher sind wir positiv gestimmt, dass die Lohnverhandlungen im Herbst gut über die Bühne gehen werden."


"Wettbewerbsfähigkeit steigt"Befürchtungen, wonach die Änderungen bei der Tages- und Wochenhöchstarbeitszeit den ohnehin abflauenden Beschäftigungsaufbau weiter bremsen könnten, teilt der Chefvolkswirt der Industriellenvereinigung, Christian Helmenstein indes ganz und gar nicht. "Die Wettbewerbsfähigkeit steigt durch flexible Arbeitszeiten", betont er. "Da können dann Aufträge besser erfüllt und zusätzliche Aufträge lukriert werden. Das bedeutet einen Wachstumsschub."

Die Gewerkschaften bereiten sich unterdessen auf eine harte Herbstlohnrunde vor. ÖGB-Chef Wolfgang Katzian forderte zuletzt auch ein Anrecht auf eine Vier-Tage-Woche. Der Vorsitzende der Produktionsgewerkschaft Pro-Ge und der sozialdemokratischen Gewerkschafter (FSG), Rainer Wimmer, kündigte an: "Für die Lohnrunde werden alle Gewerkschaften eine einheitliche Linie festlegen. Die Lohnrunde wird ‚heavy‘ werden, das kann ich schon einmal versprechen." Dabei werde es nicht nur um mehr Geld gehen, sondern auch um die von Bundesregierung und Industrie zugesagten langen Freizeitblöcke als Ausgleich zum Zwölf-Stunden-Tag.

Konjunktur verliert an FahrtZur Konjunktur sagte Koren am Dienstag: "Derzeit befinden wir uns noch in einer Hochphase, aber in den kommenden Quartalen wird eine Verringerung des Expansionstempos erwartet." Die Erwartungen der IV-Mitgliedsbetriebe für die kommenden sechs Monate seien im Vergleich zu den vergangenen Erwartungen jedenfalls recht deutlich zurückgegangen. Somit ende der Konjunktursommer in Österreich allmählich. "Was aber nicht heißt, dass wir jetzt den Winter erwarten", so Helmenstein. Das Wachstumstempo werde sich vielmehr normalisieren.Für 2019 rechnet die IV mit einem realen BIP-Plus von 1,75 bis 2 Prozent.

Risiken für die Konjunktur sind für Koren derzeit vor allem die Handelskonflikte, die Unwägbarkeiten rund um den Brexit, aber auch die Rohstoffpreise und die Ölversorgung (Stichwort: Iran).




2 Leserkommentare




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-07-24 16:20:13


Werbung



Firmenmonitor







Werbung