Kennzahlen der Erste Group im ersten Halbjahr 2017 und 2018. - © Grafik: APA
Kennzahlen der Erste Group im ersten Halbjahr 2017 und 2018. - © Grafik: APA

Wien. In allen Ländern hat die börsennotierte Erste Group heuer im ersten Halbjahr Gewinne eingefahren. Beim Betriebsergebnis gab es nach vier Jahren endlich eine Trendwende, es ging leicht aufwärts. Kredite und Einlagen wachsen. Der Ausblick ist auch für 2019 positiv. Den Aktionären winken höhere Dividenden. Stärker auf die Bremse steigen will Bankchef Andreas Treichl bei den Kosten.

Durch die Bank arbeite man an Kostenreduktionen, sagte Treichl heute. Der Betriebsaufwand war wegen tarifbedingtem höherem Personalaufwand im ersten Halbjahr 2018 mit 2,076 Milliarden Euro zwar noch etwas höher als im ersten Halbjahr 2017, im zweiten Quartal hat sich die Entwicklung aber eingebremst, da gab es einen Rückgang des Aufwands zum Erstquartal. Entspannt ist die Lage bei den Problemkrediten.

Quote soll weiter sinken

Mit einer Quote von 3,6 Prozent ist der Anteil an faulen Krediten am Kreditbestand auf einem 10-Jahres-Tief. Bis Jahresende sollte die Quote weiter sinken. Die Kreditrisikokosten bringen Risikochef Willibald Cernko in seiner Bank nicht mehr ins Schwitzen, wie er heute sagte. Hier übersteigen derzeit die Auflösungen die neu zu bildenden Vorsorgen. Sorge machen dem Erste-Banker aber Überhitzungserscheinungen am heimischen Kreditmarkt, also überschießende Kreditlaufzeiten bei einigen Konkurrenten und "grenzwertige" Fremdfinanzierungsanteile bei Immobilienkrediten. Hier hat die Aufsicht schon Warnrufe abgesetzt.

In der Ersten schätzt man, dass die Kreditrisikokosten niedrig bleiben, solange die Zinsen tief bleiben. Sehr viel werde die Bank in den nächsten Jahren in ihre digitalen Bankdienste investieren. "Es werden immer mehr Angreifer kommen in unsere Märkte, fast alle digital mit extrem niedrigen Kosten. Daher brauchen wir gute Erträge", betonte Treichl heute in Wien.

Personalkosten werden steigen

Durch mehr Einnahmen sowie Einsparungen und Effizienzsteigerungen soll die Kosten/Ertrags-Relation - derzeit bei 61,5 Prozent - auf Sicht auf 55 und darunter zu liegen kommen. Länger als drei Jahre dürfe es dafür nicht brauchen. "Ob das genügt, wage ich zu bezweifeln", sagte Treichl. "Ich glaube, dass wir als Gruppe in die Nähe von 50 Prozent und darunter kommen sollten."

Das Banking der Zukunft wird jedenfalls mit weniger Beschäftigten auskommen. Dabei werden die Personalkosten pro Kopf allerdings nicht sinken, sondern steigen, ist Treichl überzeugt.

Auf weniger als 50 Prozent Kosten/Ertrags-Relation kommt in der Erste-Gruppe heute beispielsweise die große Tochterbank in Tschechien. Bei den österreichischen Sparkassen sind es mehr als 70 Prozent, das liegt hier vor allem an einer Vielzahl von Filialen. Während die Bank in Tschechien mit 460 Filialen auf rund 30 Prozent Marktanteil kommt, kommen die heimischen Sparkassen mit mehr als 900 Niederlassungen im Schnitt auf 20 Prozent Marktanteil.

Bei der rumänischen Banktochter BCR stockt die Erste derzeit um 140 Mio. Euro ihre Beteiligung auf nahezu 100 Prozent auf. Das wird erst im zweiten Halbjahr vollzogen, ist aber bereits verbucht. Deshalb sank das Kernkapital zur Jahresmitte leicht, am Jahresende sollte die harte Kernkapitalquote wieder über 13 Prozent liegen.

Vom Ausstieg Großbritanniens aus der EU erwartet sich Treichl, zumindest was die Wanderungsbewegungen von Bankexperten anlangt, durchaus Vorteile für Banken im Osten Europas. "Einige werden wieder zurück gehen nach Zentral- und Osteuropa, und weil die Löhne dort derzeit steigen, vielleicht etwas freudiger."

Heuer zur Jahresmitte beschäftigte die Erste Gruppe in Österreich und Osteuropa knapp 47.600 Mitarbeiter.