Bonn/Frankfurt. Bei der möglichen Fusion der Warenhaus-Riesen Karstadt, der zur Signa-Gruppe von René Benko gehört, und Kaufhof erwarten die Wettbewerbshüter des deutschen Kartellamts eine komplexe Prüfung. Sollte es zu einer Übernahme kommen, müsse man die Folgen sowohl für die Kunden als auch für Lieferanten genau untersuchen, sagte Kartellamtschef Andreas Mundt der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (Dienstag).

In diesem Fall stehe ein "extrem umfangreiches und aufwendiges Verfahren" an. Im Einzelhandel seien auch die Auswirkungen auf lokale Strukturen und auf das Einkaufen im Netz zu beachten: "Wir müssen uns nicht nur die vielen einzelnen Produktkategorien genau anschauen, sondern auch die Verhältnisse auf den regionalen Märkten. Und es ist nicht nur der stationäre Handel zu betrachten, sondern auch der Onlinehandel", sagte Mundt. Zudem dürfte ein kombinierter Karstadt/Kaufhof-Konzern eine große Einkaufsmacht gegenüber Zulieferern haben.

Fusionsgespräche laufen noch

Ende Juli hatte es aus Verhandlungskreisen geheißen, die Gespräche zwischen Karstadt und Kaufhof liefen weiter. Eine endgültige Einigung gebe es aber noch nicht. Vor einem Monat hatte sich erstmals auch der kanadische Kaufhof-Eigentümer Hudson’s Bay Company (HBC) öffentlich zu Berichten über ein geplantes Zusammengehen mit Karstadt geäußert. Damals war die Rede von einer inzwischen unterzeichneten, aber noch unverbindlichen Absichtserklärung mit dem Karstadt-Eigner Signa, Optionen für eine Gemeinschaftsfirma zu prüfen.

Signa-Chef Benko versucht seit Jahren, den angeschlagenen Kaufhaus-Konzern zu übernehmen. Die Warenhausketten stehen aufgrund des wachsenden Online-Handels sowie durch immer mehr Einkaufszentren in den Innenstädten unter Druck. Durch den Zusammenschluss der beiden Rivalen sollen Kosten gespart werden. Außerdem entfielen teure Rabattschlachten. Kaufhof betreibt in Deutschland 96 Filialen, Karstadt rund 80.

Erst im Juni kaufte Benkos Signa-Gruppe die angeschlagene heimische Möbelkette Kika/Leiner. Signa bezahlte damals 490 Millionen Euro für die Immobilien und einen symbolischen Euro für das Geschäft. Im Gegensatz zu Deutschland sahen die heimischen Wettbewerbshüter bei dieser Übernahme keine Gefahr einer marktbeherrschenden Stellung.

Das Okay der Bundeswettbewerbsbehörde kam damals verhältnismäßig schnell, um weitere Turbulenzen bei Kika/Leiner zu verhindern. Die ehemalige Kika/Leiner-Mutter, Steinhoff, steckt im Zuge eines Bilanzskandals in einer tiefen Krise. Diese hatte auch die Österreich-Töchter Kika und Leiner erfasst.