Javad Mirzayee bei seiner Arbeit in der Weberei. - © Weberei Vieböck
Javad Mirzayee bei seiner Arbeit in der Weberei. - © Weberei Vieböck

Wien. Sie füllen eine Lücke, die sonst in vielen Unternehmen klaffen würde: Asylwerber, die eine Ausbildung als Dachdecker, Koch oder Spengler absolvieren. Doch trotz Lehrstelle in einem Mangelberuf sind sie akut von der Abschiebung bedroht - die "Wiener Zeitung" berichtete. Seit Monaten wird gefordert, dass sie ihre Lehre trotz negativem Asylbescheid abschließen können. Oberösterreichs für Integration zuständiger Landesrat Rudi Anschober (Grüne) startete eine Initiative, die immer mehr Zuspruch findet: von Bundespräsident Alexander Van der Bellen über Ex-Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner bis hin zu Spar-Chef Gerhard Drexel.

Doch die Politik stellt sich quer. Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck (ÖVP) sagte in einem Interview Mitte Juli, dass eine Lehre keine Hintertür sein dürfe, um Asyl zu erhalten. Integrationsministerin Karin Kneissl verwies jüngst im Interview in der "ZiB 2" darauf, dass man geltendes Asylrecht durchsetze. Trotz Kritik hält sie eine gesetzliche Änderung nicht für notwendig.

Unsicherheit bei Betrieben

Die Betriebe sehen das anders. "Wir hängen komplett in der Luft", sagt Christoph Kobler, Junior-Chef der Weberei Vieböck im Mühlviertel. Der Betrieb besteht seit 180 Jahren, es mangelt aber an Fachkräften. Javad Mirzayee hat diese Lücke gefüllt. Der junge Afghane lernt Weber, er ist nicht mehr weit von seinem Lehrabschluss entfernt. Doch sein Asylbescheid war negativ, derzeit wird seine Beschwerde dagegen noch geprüft.

Davon, ob Javad bleiben darf oder nicht, hänge die Zukunft des Traditionsunternehmens ab, erklärt Kobler. Denn kommendes Jahr verliert der Betrieb pensionsbedingt den letzten Weber, der Lehrlinge ausbildet. Einen zweiten Lehrling hat Kobler noch. "Mit Javad wäre der Nachwuchs gesichert gewesen", sagt Kobler. Der junge Afghane könnte als Geselle übernommen werden.

Die Weberei ist nicht das einzige Unternehmen, bei dem große Unsicherheit herrscht. Rund 950 Asylwerber absolvieren derzeit österreichweit eine Ausbildung. Rund ein Drittel hat bereits einen negativen Bescheid erhalten. Dabei gäbe es genug Bedarf an Fachkräften. "In Oberösterreich gibt es derzeit 2555 offene Lehrstellen in Mangelberufen. Für manche Betriebe ist das essenziell", sagt Anschober.

Grundsätzlich herrscht für Asylwerber in Österreich ein generelles Arbeitsverbot. Es gibt jedoch ganz wenige Ausnahmen. Bis zum Alter von 25 Jahren dürfen sie eine Ausbildung in einem Mangelberuf oder einem Lehrberuf, in dem Mangel herrscht, absolvieren, wenn sich sonst niemand für die Stelle findet.