• vom 10.08.2018, 21:00 Uhr

Österreich


Einkaufen

Der Shoppingcenter-Boom ist vorbei




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  • Der Trend geht in Richtung Erweiterung: 2017 überflügelten die zugebauten Flächen jene der Neubauten um fast 50 Prozent.

Die Nummer 1 in der Steiermark: die Shopping City Seiersberg. - © apa/Scheriau

Die Nummer 1 in der Steiermark: die Shopping City Seiersberg. © apa/Scheriau



Wien. (ede) Täglich pilgern tausende Konsumenten in die Einkaufszentren des Landes und nutzen das Angebot vieler Geschäfte auf einem Fleck. Seit der Jahrtausendwende hat sich die Fläche der Shopping Center in Österreich mehr als verdoppelt, wobei sich das Wachstum aber seit 2011 eingebremst hat. Der Trend geht in Richtung Erweiterungen. Derzeit werden etwa das Auhof Center in Wien und der Murpark in Graz ausgebaut.

Das Beratungsunternehmen Standort + Markt hat bei der Erstellung seiner neuesten Publikation zu Shopping Centern in Österreich bereits zum dritten Mal seit 2013 beobachtet, dass insgesamt mehr Quadratmeter in bestehenden Shoppingcentern dazukamen, als neu gebaut wurden.


Gute Standorte sind
schon besetzt

Im vergangenen Jahr überflügelten die zugebauten Flächen jene der Neubauten um fast 50 Prozent, führten Roman Schwarzenecker und Hannes Lindner von Standort + Markt am Freitag im Wiener Shoppingcenter "Post am Rochus", das im September 2017 eröffnet worden war, vor Journalisten aus.

Die guten Standorte seien schon besetzt, und "die Einzelhändler haben fertig expandiert", hieß es. Zudem erschwerten rigide Raumordnungen die Errichtung neuer Zentren.

Nach der Definition von Standort + Markt gab es zum Stichtag 1.1.2018 in Österreich 234 Shoppingcenter mit einer vermietbaren Fläche von mehr als 4 Millionen m2. Davon entfallen knapp 3,4 Millionen m2 auf Flächen, die an den Einzelhandel vermietet sind. Der Rest entfällt auf Gastronomie, Dienstleister und sonstige Freizeitflächen. Unterschieden wird zwischen abgeschlossenen Shopping Malls, 119 wurden 2017 gezählt, und Retail Parks/Fachmarktzentren (103). Beide Objekte müssen mindestens 4000 m2 vermietbare Fläche aufweisen.

Zu den Shopping Centern zählen noch fünf Department Stores (zum Beispiel Gerngross in der Wiener Mariahilfer Straße), drei Factory Outlet Center, drei Town Center und das Shopping Center am Flughafen Schwechat.

Die Fachmarktzentren haben seit der Jahrtausende deutlich zugelegt. Im Jahr 2000 gab es erst 22, während damals bereits 104 Shopping Malls gezählt wurden.

Knapp 7 Prozent aller
Shops stehen leer

Rund 8700 Shopeinheiten gibt es derzeit in Österreichs Einkaufstempeln, das sind um etwa 200 mehr als noch vor zwei Jahren. Um die 600 - knapp 7 Prozent aller Shopeinheiten - stehen leer, rund 700 Einheiten haben das Konzept geändert und beherbergen nun ein neues Geschäft. Die durchschnittliche Anzahl von Shops in einem Zentrum ist mit 37 bereits seit neun Jahren unverändert. Die meisten Flächen stehen im Bundesland Salzburg leer, die geringsten Leerstandsquoten haben Tirol und Vorarlberg.

"So richtige Dead Malls, wo es reinregnet", gebe es hierzulande nicht, sagte Schwarzenecker. Seit der Eröffnung der ersten Einkaufszentren in Österreich in den 1970er Jahren gab es immer wieder Umbauten, Redimensionierungen, Übersiedlungen und Relaunches - mal besser, mal schlechter gelungene. Einige ehemalige Shopping Center würden zwar handelstechnisch genutzt, weisen aber einen hohen Leerstand aus.

Der Marktanteil der Shopping Center betrug 2017 - gemessen an den Gesamt-Konsumausgaben des Durchschnittsösterreichers - und 24,6 Prozent. Seit der Jahrtausendwende ist der Wert stetig gestiegen, die Kurve wird aber immer flacher. Dies wird auch zum Teil dem Siegeszug des Online-Shoppings zugeschrieben.

Dass ein größeres gastronomisches Angebot mehr Kunden in die Shoppingcenter lockt, glaubt man bei Standort + Markt nicht. Derzeit beträgt der Flächenanteil der Gastronomie an die 6 Prozent - genauso viel wie vor zehn Jahren. Dieser Anteil werde auch nicht so schnell steigen, ist Lindner überzeugt. Gastronomie sei kein Allheilmittel, eher führe die Schaffung einer Wohlfühlatmosphäre zu längerer Aufenthaltsdauer und regelmäßigen Besuchen. "Aufenthaltsqualität, Lifestyle, Treffpunktfunktion, Vernetzungsmöglichkeiten aller Art das scheinen die zukünftig besonders wichtigen Parameter", heißt es. Die großen Center würden bereits merkbar "aufrüsten".

Ein Trend geht auch zu Hybrid-Konstrukten aus klassischen Einkaufszentren und angeschlossenen Fachmärkten, wie man es etwa von der SCS in Vösendorf oder dem G3 in Gerasdorf kennt.




Schlagwörter

Einkaufen, Shopping Center, Trends

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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-08-10 17:44:33


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