• vom 17.09.2018, 17:27 Uhr

Österreich


Autobranche

Sammelklagen gegen VW sollen 60 Millionen Euro bringen




  • Artikel
  • Kommentare (1)
  • Lesenswert (0)
  • Drucken
  • Leserbrief





  • Abgasskandal: Knapp 9900 betroffene Autobesitzer haben sich den Klagen angeschlossen.


© apa/dpa/Julian Stratenschulte © apa/dpa/Julian Stratenschulte

Wien. (apa/kle) "Es hat keinerlei Bereitschaft für eine außergerichtliche Entschädigung durch VW gegeben", betonte der Rechtsexperte des Vereins für Konsumenteninformation (VKI), Thomas Hirmke, am Montag. Deshalb sind nun 16 Sammelklagen gegen Volkswagen anhängig, die vom VKI rund um die Abgasaffäre eingebracht wurden. Der Streitwert in insgesamt 9872 Fällen liegt bei rund 60 Millionen Euro. Hirmke rechnet mit einem jahrelangen Rechtsstreit.

Konsumentenschutzministerin Beate Hartinger-Klein bezeichnete die Abgasmanipulationen durch VW als "unglaublich". In einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Arbeiterkammer (AK), VKI und dem deutschen Prozessfinanzierer Roland sagte sie: "Es ist unerhört, dass sich eine Industrie so etwas erlauben kann."


VW sieht keine Probleme
nach Dieselumrüstung

VW sieht die 16 Sammelklagen gelassen. Es gebe in Österreich kein rechtskräftiges Urteil, in dem Fahrzeugeigentümer mit ihrer Klage gegen die Volkswagen AG Erfolg gehabt hätten. "Die Darstellungen des VKI zu Problemen nach der Umrüstung sind völlig einseitig", hieß es in einer Stellungnahme des VW-Konzerns. Den Sammelklagen angeschlossen hätten sich vom VKI befragte Konsumenten. "Diese Darstellungen sind daher in keiner Weise repräsentativ für die Gesamtheit der betroffenen Kunden", betonte der deutsche Autokonzern.

Wie er weiter erklärte, entstünden den Kunden keine Nachteile durch das Diesel-Software-Update. Die zuständigen Behörden hätten ausdrücklich bestätigt, "dass sich die Durchführung der technischen Maßnahme nicht negativ auf Kraftstoffverbrauch, CO2-Emissionen, Motorleistung, maximales Drehmoment sowie die Geräuschemissionen auswirken wird".

Laut Volkswagen sind nach aktuellem Stand mittlerweile mehr als 92 Prozent der betroffenen Fahrzeuge in Österreich umgerüstet. Die Serviceaktion werde "weiter mit Hochdruck" forciert, so der Konzern. "Die ganz überwiegende Mehrzahl" der Kunden sei mit der technischen Maßnahme zufrieden, nur "bei einigen Promille" aller umgerüsteten Fahrzeuge habe es nach dem Software-Update Beanstandungen gegeben.

Durchschnittlicher Streitwert
von rund 6000 Euro pro Fall

Heute, Dienstag, jährt sich das Auffliegen des VW-Dieselskandals zum dritten Mal. Nach österreichischem Recht drohen damit erstmals Schadenersatzansprüche von VW-Kunden zu verjähren. In Österreich gibt es 360.000 betroffene Fahrzeuge.

Volkswagen hatte mehrfach erklärt, dass dem Konzern das Ausmaß der Strafzahlungen in den USA erst am 18. September 2015 bewusst geworden sei, als die US-Umweltbehörde mit dem Abgasskandal an die Öffentlichkeit ging und eine Strafe von bis zu 18 Milliarden Dollar androhte. Als nach eigenen Nachforschungen klar geworden war, dass weltweit millionenfach Dieselautos durch eine Abschalteinrichtung manipuliert worden waren, informierte Volkswagen die Börse am 22. September 2015 in einer Pflichtmitteilung und kappte die Gewinnziele. Die Aufarbeitung des Betrugs hat den Konzern bereits mehr als 27 Milliarden Euro gekostet.

Für Christoph Klein, Direktor der AK Wien, ist in dem Skandal "die Zeit der Samthandschuhe vorbei". VW habe in der Causa "keinerlei Einsicht" gezeigt. Klein appellierte an die Regierung, in Österreich Verbraucher-Gruppenklagen möglich zu machen. Zumal die Sammelklagen derzeit mit einem hohen Prozessrisiko verbunden seien. In Deutschland gibt es die Möglichkeit einer Gruppenklage ab 1. November.

Für die betroffenen Autobesitzer fordert der VKI bei den zivilrechtlichen Sammelklagen rund 55 Millionen Euro Entschädigung. Der Streitwert für die Feststellung der Haftung für Folgeschäden beläuft sich auf 4,5 Millionen Euro. Damit ergibt sich ein durchschnittlicher Streitwert von rund 6000 Euro pro Fall.

Verbraucher tragen bei
Sammelklage kein Prozessrisiko

Die Finanzierung der Prozesskosten und das Prozessrisiko für die 16 Sammelklagen hat die deutsche "Roland ProzessFinanz AG" übernommen. Im Erfolgsfall wird diese mit 20 bis 37 Prozent am Erlös beteiligt - je nachdem wie lange der Rechtsstreit dauert. Die Verbraucher tragen bei den Sammelklagen kein Prozessrisiko.




1 Leserkommentar




Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Online-Nutzungsbedingungen an.


captcha Absenden

* Pflichtfelder (E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht)



Dokumenten Information
Copyright © Wiener Zeitung Online 2019
Dokument erstellt am 2018-09-17 17:36:12



Werbung



Firmenmonitor







Werbung