Wien. (kle) In fast allen Handelsbranchen haben die Top-Filialisten in Österreich ihre Marktanteile in den vergangenen Jahren ausbauen können und schwächere Firmen verdrängt. Das ist die Kernaussage einer Analyse, die das Beratungsunternehmen "RegioData" am Dienstag veröffentlicht hat. Eine besonders hohe Marktkonzentration zeigt sich vor allem im Lebensmittelhandel. Inzwischen entfallen dort bereits knapp 84 Prozent des gesamten Markts auf die drei größten Player - die Supermarktketten Rewe (Billa, Merkur, Penny), Spar und Hofer, wie "RegioData" erhoben hat.

Grund für den zuletzt stetig gestiegenen Konzentrationsgrad im Lebensmittelhandel, der im Branchenvergleich nunmehr deutlich am höchsten ist, waren die eigene Expansion und Übernahmen (etwa von Filialen des pleitegegangenen Konkurrenten Zielpunkt). International gesehen gebe es nur in Finnland, Schweden und Norwegen ähnlich hohe Konzentrationsgrade im stationären Lebensmittelhandel, so "RegioData".

Für Lieferanten "unverzichtbar"

Da mehr als vier von fünf Österreichern bei Rewe, Spar oder Hofer einkaufen, bedienen diese Ketten eine "ausgesprochen große Konsumentenmenge, weshalb sie für ihre Lieferanten unverzichtbar geworden und aus dem Markt nicht mehr wegzudenken sind". Damit haben sie eine hohe Marktmacht - nicht nur gegenüber den Verbrauchern, sondern auch gegenüber den Großhändlern und Lieferanten aus der Lebensmittelindustrie (vor allem was die Preise betrifft).

Die meisten Standorte im Land hat Rewe, die umsatz- und flächenstärksten davon befinden sich in Wien. Die größten und umsatzkräftigsten Spar-Standorte sind indes in Oberösterreich und Westösterreich beheimatet. Bei Betrachtung der Produktivität im heimischen Lebensmittelhandel dominiert Hofer laut "RegioData" mit gut 9500 Euro Umsatz pro Quadratmeter Verkaufsfläche, was um mehr als 50 Prozent über dem Branchendurchschnitt liege.

In Österreich wies der stationäre Lebensmittelhandel schon bisher eine beispiellos hohe Konzentration auf. Hatten die Top-Fünf der Branche 2005 einen gemeinsamen Marktanteil von 88 Prozent, kommen sie heute bereits auf knapp 95 Prozent. Demnach müssen sich alle anderen Lebensmittelhändler mit den restlichen fünf Prozent des Markts zufriedengeben.

Ganz anders sieht die Marktkonzentration bei Schuhen und Kleidung aus. Die drei größten Bekleidungshändler H&M, C&A und Peek & Cloppenburg kommen zusammen nicht einmal auf ein Drittel des Gesamtumsatzes in Österreich, da es hier viel mehr Mitbewerber gibt. Außerdem hemmt der Online-Handel den Konzentrationsgrad. Aktuell wird ungefähr jedes fünfte Kleidungsstück bei reinen Internethändlern wie Amazon oder Zalando gekauft - Tendenz steigend. Während sich der Handel übers Internet gut entwickle, seien die Verkaufsflächen im stationären Bekleidungseinzelhandel deutlich und kontinuierlich im Sinkflug, so "RegioData".

Gegentrend im Möbelhandel

Bei Baumärkten und im Elektrohandel erwartet "RegioData", dass sich der Konzentrationsgrad weiter erhöht, also große Player wie Obi und Media Markt/Saturn noch größer werden. Mit Blick auf den ebenfalls stark konzentrierten Möbelhandel geht "RegioData" von einem Rückgang aus, während die Marktkonzentration im Drogerie- und Parfümeriehandel auf hohem Niveau stagnieren dürfte.