Wien. (apa/kle) Die Transportwirtschaft warnt erneut vor der Wiedereinführung innereuropäischer Grenzkontrollen. Sollten alle Grenzen rund um Österreich kontrolliert werden, hätte die Branche Zusatzkosten von mehr als zwölf Millionen Euro pro Tag, wie eine Berechnung der Wirtschaftsuniversität Wien im Auftrag der Transporteure zeigt. Auch bei einem weniger drastischen Szenario wären es noch mehrere Millionen pro Tag.

Mit Sorge beobachte die Branche Überlegungen von Deutschland, die Kontrollen an der Staatsgrenze zu Österreich signifikant auszuweiten. "In einem freien Europa darf es keine Grenzen geben", sagte der Chef der Bundessparte Transport und Verkehr in der Wirtschaftskammer, Alexander Klacska, am Dienstag. "Das ist Vernichtung von Kapital und personellen Ressourcen." Die Wartezeiten allein erhöhten die Transportkosten enorm. Zudem leide die Branche schon jetzt an einem Lenkermangel, so Klacska.

Drei von zehn Firmen hätten Probleme bei der Rekrutierung von Personal. "Der Lenkermangel ist eine unserer brennendsten Herausforderungen", betonte der Obmann. Zehn Prozent der Stellen seien unbesetzt. Die Branche versucht, Langzeitarbeitslose, mehr Frauen und junge Leute in den Beruf zu bekommen - etwa durch L17-Führerscheine für Lkw-Fahrer. Den Jugendlichen wird dabei ein erfahrener Fahrer zur Seite gestellt.

Grenzkontrollen gehören für die Frächter schon jetzt zum Berufsalltag. Am Höhepunkt der Flüchtlingskrise führte Deutschland an einigen Übergängen Kontrollen ein. WU-Professor Sebastian Kummer schätzt die seit 2015 entstandenen Kosten für die Transporteure auf mehr als eine Milliarde Euro. In Deutschland will nun vor allem die CSU die Grenze zwischen Bayern und Österreich stärker kontrollieren, um zu erreichen, dass weniger Asylbewerber nach Deutschland kommen. Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) hält Grenzkontrollen weiter für nötig: Österreich wolle seine Grenzkontrollen so lange beibehalten, bis es einen Außengrenzschutz "nicht nur am Papier, sondern auch faktisch" gebe.