Wien/Mobile. (kle) Tief enttäuscht haben Anleger am Donnerstag ihre Lenzing-Aktien auf den Markt geworfen. Aufgrund des massiven Verkaufsdrucks stürzte der Kurs des ATX-Titels um bis zu 15,6 Prozent auf ein Tagestief von 88,00 Euro ab. Zuvor - Mittwochabend - hatte Lenzing überraschend bekanntgegeben, den Ausbau seiner Lyocellfaser-Kapazitäten in Mobile im US-Bundesstaat Alabama vorübergehend zu stoppen.

Als Grund für diese Entscheidung nannte der Faserhersteller aus Oberösterreich "die steigende Wahrscheinlichkeit höherer Handelszölle, gepaart mit einer möglichen Überschreitung der Baukosten aufgrund des boomenden US-Arbeitsmarktes". All dies habe das Risikoprofil des 275-Millionen-Euro-Projekts erhöht.

Schon Anfang August hatte der Konzern negative Folgen für sein Werk in Mobile in den Raum gestellt, falls China im Handelsstreit mit den USA mit Importzöllen auf dort produzierte Fasern kontert. Bei Lenzing gehen 70 Prozent des Faservolumens nach Asien, China ist der größte Markt.

Um die Nachfrage nach Lyocellfasern bestmöglich bedienen zu können, konzentriert sich der Konzern nun auf den Ausbau der Lyocellfaser-Kapazitäten in Prachinburi (Thailand). Das US-Projekt werde aber nicht aufgegeben, sondern regelmäßig überprüft. Allerdings werde Lenzing nun neben der Erweiterung im burgenländischen Heiligenkreuz 2019 und 2020 "keine wesentlichen zusätzlichen Lyocellfaser-Mengen auf den Markt bringen". Die Umsetzung des Expansionsplans bei Lyocell-Spezialstapelfasern werde sich dadurch verlangsamen, der Ausbau der Kapazitäten bei anderen Spezialprodukten bleibe aber auf Kurs.