Wien. Der frühere Arbeiterkammer-Präsident Herbert Tumpel ist im Alter von 70 Jahren gestorben. Das teilte die Arbeiterkammer Wien am Donnerstag in einer Aussendung mit.

Tumpel war von 1997 bis 2013 Präsident der Arbeiterkammer Wien und der Bundesarbeitskammer. Zuvor war der Volkswirt Leitender Sekretär des ÖGB. In der BAWAG-Affäre war Tumpel auch in die Kritik geraten, weil er als Aufsichtsratsvorsitzender der damaligen Gewerkschaftsbank die Wiederaufnahme der verlustreichen Karibik-Geschäfte abgesegnete. In seiner Amtszeit gelang es der Fraktion Sozialdemokratischer Gewerkschafter (FSG), ihren Stimmenanteil bei AK-Wahlen um fast zehn Prozentpunkte zu erhöhen.

Reformen umgesetzt

Die AK würdigte in ihrer Aussendung die Leistungen Tumpels. In den 16 Jahren an der Spitze der Arbeitnehmervertretung habe Tumpel für zahlreiche Reformen und einen tiefgreifenden Umbau und Ausbau der AK-Leistungen im Rahmen des Programms "AK plus" gesorgt. Politisch sei Tumpel für den Ausgleich der Kräfte und Fraktionen in der Interessenvertretung der Arbeitnehmer und einen kompromisslosen Kurs für die Rechte der Arbeitnehmer gestanden.

AK-Präsidentin Renate Anderl drückt seiner Witwe, Gertrude Tumpel-Gugerell, ihr Mitgefühl aus und würdigte ihren Vor-Vorgänger: "Ich habe Herbert für seinen Weitblick und seine politische Klarheit sehr geschätzt. Die Arbeiterbewegung hat Herbert Tumpel viel zu verdanken und wird ihn sehr vermissen."

Betroffenheit über alle Parteigrenzen

Bundespräsident Alexander Van der Bellen würdigte Tumpel als "großen Österreicher", der sich "zeitlebens mit aller Kraft für die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer eingesetzt" habe. Darüber hinaus habe sich Tumpel für die Förderung des wissenschaftlichen und künstlerischen Nachwuchses eingesetzt.

Die Zweite Nationalratspräsidentin Doris Bures hat Tumpel "als echten Kämpfer für die Rechte der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und verlässlichen Mitstreiter erlebt". Tiefgreifende Reformen habe er maßgeblich mit auf den Weg gebracht.

ÖGB-Präsident Wolfgang Katzian nannte Tumpel "einen überzeugten Gewerkschafter und langjährigen engagierten Mitkämpfer für die Interessen der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer". Tumpel habe sich stets auf die Seite der Schwächeren gestellt und ihnen damit eine Stimme gegeben. ÖGB-Vizepräsident und FCG-Vorsitzender Norbert Schnedl bezeichnete Tumpel als "herausragende Persönlichkeit", die immer den sozialpartnerschaftlichen Dialog in den Vordergrund gestellt habe.