Wien. Zehn Jahre nach der Finanzkrise als Folge der Lehman-Pleite bereiten aktuellen Entwicklungen erneut Sorge. Der Vorstand der Finanzmarktaufsicht (FMA), Helmut Ettl, trat bei einer internationalen Aufsichtskonferenz am Donnerstag in Wien der Meinung entgegen, es könne keine neuen Krisen geben. Es gebe vielmehr schon "erste Warnzeichen" dafür. In diesem Zusammenhang führte er die Asset-Preisblasen an einigen Immobilienmärkten sowie an Börsen und auch in der Krypto-Ökonomie an. Erst diese Woche hat auch der Internationale Währungsfonds (IWF) vor einer neuen Krise wegen erheblicher Risken für weltweite Finanzsystem gewarnt.

FMA-Chef Ettl begründete seine Beunruhigung auch mit der hohen Staatsverschuldung in manchen EU-Staaten. Diese Entwicklung sei bisher nicht ausreichend herausgestellt worden. Der Internationale Währungsfonds ist insbesondere wegen neuer Risken durch die Verlagerung der Geldströme ins Internet besorgt, diese Frage werde an Bedeutung gewinnen.

Den europäischen Banken steht 2019 ein neuer Stresstest bevor. Dabei werden die finanzielle Ausstattung der Banken und deren Liquidität sowie mögliche Risken in diesem Zusammenhang im Fokus des Tests stehen. Eine entsprechende Ankündigung kam von der Chefin der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), Daniele Nouy, im Rahmen der Tagung in Wien. Die Bankenaufsicht will die Kapitalausstattung der Geldinstitute bei dem Stresstest besonders unter die Lupe nehmen. Denn nach der Finanzkrise im Jahr 2008 wurde zwar der Kapitalstock in den Banken deutlich erhöht, wie auch seitens der EZB eingeräumt wird. Dennoch seien manche Banken auch danach in Krisensituationen geraten. Ein Grund dafür seien unterschiedliche Ansichten zwischen den Selbsteinschätzungen der Banken und jenen der Aufsichtsorgane.

Mit der Digitalisierung der Finanzmärkte sieht FMA-Vorstand Klaus Kumpfmüller auch die Aufsicht vor neue Herausforderungen gestellt. Es sei ein "Kulturbruch" erfolgt, weil inzwischen Finanzgeschäfte rund um die Uhr von der Couch aus getätigt werden könnten, betonte er zum Auftakt der internationalen Tagung der FMA.

Jeder zweite FMA-Anzeige betrifft die Krypto-Ökonomie

Der Chef der österreichischen Finanzmarktaufsicht ortet nicht zuletzt im Hinblick auf die Krypto-Ökonomie "regulatorischen Handlungsbedarf". Allerdings schränkte er ein, dass dafür nicht immer neue Regelungen notwendig seien. Vielmehr müssten Instrumente aus der bisherigen "analogen" Welt der Finanzdienstleister an die digitale Krypto-Welt angepasst werden, schlug Kumpfmüller vor. Als Begründung führte er an, dass inzwischen bereits jeder zweite Strafanzeige der FMA die Krypto-Ökonomie betreffe.