• vom 04.10.2018, 14:18 Uhr

Österreich

Update: 04.10.2018, 17:06 Uhr

Finanzsystem

"Erste Warnzeichen" für eine neue Finanzkrise




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Von Karl Ettinger, APA

  • Die Finanzmarktaufsicht sieht "Handlungsbedarf" bei Anpassung der Regeln für die Krypto-Ökonomie.

Der Chef der österreichischen Finanzmarktaufsicht ortet nicht zuletzt im Hinblick auf die Krypto-Ökonomie "regulatorischen Handlungsbedarf". - © APAweb, afp, Jack Guez

Der Chef der österreichischen Finanzmarktaufsicht ortet nicht zuletzt im Hinblick auf die Krypto-Ökonomie "regulatorischen Handlungsbedarf". © APAweb, afp, Jack Guez

Wien. Zehn Jahre nach der Finanzkrise als Folge der Lehman-Pleite bereiten aktuellen Entwicklungen erneut Sorge. Der Vorstand der Finanzmarktaufsicht (FMA), Helmut Ettl, trat bei einer internationalen Aufsichtskonferenz am Donnerstag in Wien der Meinung entgegen, es könne keine neuen Krisen geben. Es gebe vielmehr schon "erste Warnzeichen" dafür. In diesem Zusammenhang führte er die Asset-Preisblasen an einigen Immobilienmärkten sowie an Börsen und auch in der Krypto-Ökonomie an. Erst diese Woche hat auch der Internationale Währungsfonds (IWF) vor einer neuen Krise wegen erheblicher Risken für weltweite Finanzsystem gewarnt.

FMA-Chef Ettl begründete seine Beunruhigung auch mit der hohen Staatsverschuldung in manchen EU-Staaten. Diese Entwicklung sei bisher nicht ausreichend herausgestellt worden. Der Internationale Währungsfonds ist insbesondere wegen neuer Risken durch die Verlagerung der Geldströme ins Internet besorgt, diese Frage werde an Bedeutung gewinnen.

Den europäischen Banken steht 2019 ein neuer Stresstest bevor. Dabei werden die finanzielle Ausstattung der Banken und deren Liquidität sowie mögliche Risken in diesem Zusammenhang im Fokus des Tests stehen. Eine entsprechende Ankündigung kam von der Chefin der Bankenaufsicht der Europäischen Zentralbank (EZB), Daniele Nouy, im Rahmen der Tagung in Wien. Die Bankenaufsicht will die Kapitalausstattung der Geldinstitute bei dem Stresstest besonders unter die Lupe nehmen. Denn nach der Finanzkrise im Jahr 2008 wurde zwar der Kapitalstock in den Banken deutlich erhöht, wie auch seitens der EZB eingeräumt wird. Dennoch seien manche Banken auch danach in Krisensituationen geraten. Ein Grund dafür seien unterschiedliche Ansichten zwischen den Selbsteinschätzungen der Banken und jenen der Aufsichtsorgane.

Mit der Digitalisierung der Finanzmärkte sieht FMA-Vorstand Klaus Kumpfmüller auch die Aufsicht vor neue Herausforderungen gestellt. Es sei ein "Kulturbruch" erfolgt, weil inzwischen Finanzgeschäfte rund um die Uhr von der Couch aus getätigt werden könnten, betonte er zum Auftakt der internationalen Tagung der FMA.

Jeder zweite FMA-Anzeige betrifft die Krypto-Ökonomie

Der Chef der österreichischen Finanzmarktaufsicht ortet nicht zuletzt im Hinblick auf die Krypto-Ökonomie "regulatorischen Handlungsbedarf". Allerdings schränkte er ein, dass dafür nicht immer neue Regelungen notwendig seien. Vielmehr müssten Instrumente aus der bisherigen "analogen" Welt der Finanzdienstleister an die digitale Krypto-Welt angepasst werden, schlug Kumpfmüller vor. Als Begründung führte er an, dass inzwischen bereits jeder zweite Strafanzeige der FMA die Krypto-Ökonomie betreffe.

Er verwies auch darauf, dass es eine große Anzahl kleinerer Institute bei den Finanzdienstleistern gebe. Mit der fortschreitenden Digitalisierung würden Aufgaben durch Kooperationen vermehrt ausgelagert. "Da sind wir als Aufsicht gefordert, Regeln zu präzisieren", betonte der FMA-Chef. Ähnlich wie sein Vorstandskollege Ettl meinte Kumpfmüller, die Aufsicht müsse laufend prüfen, ob mit den geltenden Regeln das Ziel des Gesetzgebers erreicht werden könnten. Das sei überdies erforderlich, weil auch die Grenzen bei den Anbietern von Finanzdienstleistern immer mehr verschwimmen. Die Aufseher müssten effizienter vorgehen. Zwar sei angesichts der Globalisierung auch bei der Aufsicht internationale und europäische Zusammenarbeit notwendig. Man solle aber dennoch vor nationalen Regelungen nicht zurückscheuen. Für ihn macht dies einen "integrierten Aufsichtsansatz" nötig.

Plädoyer für eine Stärkung der Finanzmarkaufsicht

Schon zuvor hatte sich Kumpfmüller im Hinblick auf eine immer stärkere verflochtene Finanzwelt hinter die Pläne von Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP) für eine Reform der Finanzmarktsaufsicht gestellt. Er "begrüße" daher die "Tendenzen" der Bundesregierung zur "Stärkung" des integrierten Aufsichtsansatzes der FMA. Er bezog damit im Sinne seines Hauses deutlich Stellung in dem eben ausgebrochenen Konflikt um die Verschiebung der Bankenaufsicht von der Nationalbank hin zur FMA. Zuletzt war kolportiert worden, dass der Finanzminister eine derartige Zusammenführung der Bankenaufsicht überlege. Davor hat diese Woche jedoch der Gouverneur der Nationalbank, Ewald Nowotny, ausdrücklich gewarnt. Dies sei "ein gefährlicher Weg", weil dann die Notenbank nicht unmittelbar Bescheid wisse und nicht so rasch im Krisenfall reagieren könne. Derzeit teilen sich FMA und Nationalbank die Bankenaufsicht in Österreich.

Am Nachmittag erklärte dann Finanzminister Hartwig Löger (ÖVP), er wolle in den nächsten Wochen auf Regierungsebene diese Gespräche so weit bringen, "dass wir heuer in der Lage sind, eine politische Entscheidung zu fixieren". Trotz eines in Medien "offensichtlich bewusst vorweggenommenen Elements" - gebe es noch kein Ergebnis.

Klar machte Löger, dass es beim Status quo nicht bleiben wird. Doppelgleisigkeiten müssten abgebaut werden. Fix angestrebt wird von ihm eine klare Trennung von Aufsicht und Regulierung.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-04 14:19:28
Letzte Änderung am 2018-10-04 17:06:25


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