• vom 05.10.2018, 18:17 Uhr

Österreich

Update: 05.10.2018, 18:43 Uhr

Konjunktur

Exportdynamik schwächt sich ab, Familienbonus stärkt Konsum




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  • Das Wirtschaftswachstum Österreichs wird 2019 niedriger ausfallen.

- © apa/Herbert Pfasrrhofer

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© M. Hirsch © M. Hirsch

Wien. (ede/apa) Wifo-Chef Christoph Badelt redet gar nicht lang um den heißen Brei herum, sondern sagt, wie es ist: "Die konjunkturelle Entwicklung in Österreich schwächt sich ab." Vor allem das Exportwachstum werde sich verlangsamen, sagte Badelt am Freitag bei der Präsentation der Herbstprognosen von Wifo (Wirtschaftsforschungsinstitut) und IHS (Institut für Höhere Studien).

Zu den Unsicherheitsfaktoren im kommenden Jahr zählt das Wifo die Währungskrisen in einigen Schwellenländern wie Argentinien und der Türkei, die Unsicherheit bezüglich des Austritts Großbritanniens aus der EU, die Zollpolitik der USA und nicht zuletzt die Schuldenkrise Italiens. Das Wifo rechnet daher für heuer nur mehr mit 3 Prozent realem Wachstum des österreichischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) und damit um 0,2 Prozentpunkte weniger als noch in der Sommerprognose. Für 2019 revidiert das Wifo die Prognose von 2,2 auf 2 Prozent. Bei den Exporten wird ein realer Anstieg von 3,7 Prozent erwartet, nach 4,9 Prozent im heurigen und 4,7 Prozent im vergangenen Jahr.

Familien bekommen mehr Geld zum Ausgeben

Das IHS erwartet heuer 2,7 nach zuvor 2,9 Prozent BIP-Wachstum, ließ den Ausblick für 2019 aber mit plus 1,7 Prozent gleich. IHS-Chef Martin Kocher verweist auf den weiterhin starken privaten Konsum. Positive Impulse erwarten sich die Volkswirte vom Familienbonus, der Eltern mit Kindern in Form eines Absetzbetrages deutliche steuerliche Erleichterungen bringen wird - im besten Fall 1500 Euro pro Kind jährlich. Laut Finanzministerium werden von der steuerpolitischen Maßnahme der schwarz-blauen Regierung 950.000 Familien profitieren. Geringverdienende Alleinerzieher und Alleinverdiener werden pro Jahr und Kind mit 250 Euro bedacht.

Schon ab dem zweiten Halbjahr 2019 soll der Familienbonus dem Inlandskonsum etwas zusätzlichen Schub verleihen, ab dem Jahr 2020 werde er voll wirksam sein und 1,3 Milliarden Euro Entlastung bringen, so das Wifo. Die privaten Konsumausgaben dürften 2019 um 1,7 Prozent zulegen und damit um fast gleich viel wie 2018 mit plus 1,8 Prozent. Dazu tragen auch eine weiterhin leicht sinkende Arbeitslosenrate und ein Anstieg bei den Arbeitsverhältnissen bei. Seit Einsetzen des Aufschwungs 2016 hat sich die Beschäftigung um 210.000 Personen erhöht, 2019 dürfte sich die Dynamik laut Wifo aber auf plus 55.000 abschwächen.

Arbeitslosenrat ist nach wie vor zu hoch

Wifo-Chef Badelt mahnte von der Regierung erneut Strukturreformen ein und entschuldigte sich dafür auch gleich bei den anwesenden Journalisten: "Verzeihen Sie, wenn ich das schon wieder sage." Die Arbeitslosenrate sei in Österreich nach wie vor zu hoch, verglichen mit dem, was "sozial- und gesellschaftspolitisch wünschenswert" sei. Insbesondere die Langzeitarbeitslosigkeit sei ein signifikantes Problem, auch wenn sie rückläufig sei. Die Arbeitslosenrate würde noch stärker zurückgehen, wenn mehr in Qualifizierungsmaßnahmen investiert würde, sagte IHS-Chef Kocher.

Noch nicht klar ist für Wifo und IHS die Finanzierung der nächsten großen Steuerreform, die gerade von der Regierung vorbereitet wird und die Beziehern kleiner und mittlerer Einkommen sowie Unternehmen eine Entlastung von rund fünf Milliarden Euro bringen soll. Eine solche große Steuerreform "muss man sich erst erarbeiten", so Badelt. Recht viel Spielraum sei nicht vorhanden. So wird im kommenden Jahr zwar ein Finanzierungssaldo des Staates laut Maastricht-Definition von plus 0,2 Prozent des BIP erwartet, das ergebe aber nur 800 Millionen Euro - zu wenig für eine große Steuerreform.

Für die seit kurzem laufenden Metaller-KV-Verhandlungen rechnet Badelt mit "höheren Lohnerhöhungen als in der Vergangenheit". Eine konkrete Größenordnung wollte er nicht sagen.





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Copyright © Wiener Zeitung Online 2018
Dokument erstellt am 2018-10-05 18:27:34
Letzte Änderung am 2018-10-05 18:43:01


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