Wien. (kle) Der anhaltende Boom in der Luftfahrt hat bei der oberösterreichischen FACC zuletzt für einen noch dickeren Auftragspolster gesorgt. Nach der ersten Hälfte des Geschäftsjahres 2018/19 (per Ende Februar) lag der Gesamtwert der akquirierten Aufträge mit 6,5 Milliarden US-Dollar um mehr als ein Zehntel über dem Ultimo-Wert des abgelaufenen Wirtschaftsjahres 2017/18. Die in Ried im Innkreis ansässige Firma produziert Komponenten für zivile Flugzeuge und liefert unter anderen auch großen Flugzeugbauern wie Airbus und Boeing zu.

Neben organischem Wachstum hat FACC derzeit auch verstärkt Akquisitionen im Visier. Vor diesem Hintergrund hat das mehrheitlich in chinesischem Eigentum stehende Unternehmen Mitte September mit sieben Banken einen Großkredit über 225 Millionen Euro abgeschlossen.

Vom Boom in der Airline-Branche verspricht sich FACC weiterhin gute Geschäfte. Bis 2037 sei von einem jährlichen Passagierwachstum von fünf Prozent auszugehen, bis dahin sollten laut einer Airbus-Prognose 37.390 Flugzeuge (mit jeweils mehr als 100 Sitzplätzen) ausgeliefert werden. Umfasst die weltweite Flotte aktuell insgesamt 21.450 Flugzeuge, sollte sie sich binnen 20 Jahren auf knapp 48.000 mehr als verdoppeln. Wichtigste Wachstumsmärkte sind für FACC China, Indien und der Mittlere Osten.

Zahl der Mitarbeiter steigt

Dass das Unternehmen sukzessive wächst, schlägt sich auch in steigenden Beschäftigungszahlen nieder. In den ersten sechs Monaten des laufenden Geschäftsjahres wurden 131 zusätzliche Mitarbeiter eingestellt. Zuletzt belief sich die Gesamtzahl der Beschäftigten auf 3434. In Summe will das Unternehmen 700 neue Mitarbeiter aufnehmen, den Großteil davon in Österreich. In den Ausbau der Produktion sollen in Zukunft im Rahmen eines mehrjährigen Programms über 100 Millionen Euro fließen.

Im ersten Geschäftshalbjahr ist der Umsatz zwar um vier Prozent auf 373,0 Millionen Euro gestiegen. Das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit), der operative Gewinn, sank aber von 29,7 auf 25,1 Millionen Euro. Unter dem Strich - nach Steuern - verdiente FACC mit 16,3 Millionen Euro um zwölf Prozent weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum.

"Die Ertragskraft ist zwar vorübergehend rückläufig, für das Gesamtjahr erwarten wir jedoch eine wesentliche Verbesserung gegenüber dem Vorjahr", wird Firmenchef Robert Machtlinger in einer Aussendung vom Montag zitiert. Konkret wird ein operativer Gewinn zwischen 52 und 55 Millionen Euro erwartet. Beim Umsatz rechnet Machtlinger für das Gesamtjahr mit einem Zuwachs im einstelligen Prozentbereich auf 760 bis 770 Millionen Euro.

Steuerungsholding in London

Handelshemmnisse und protektionistische Maßnahmen - Stichwort USA und China - hätten derzeit keine Auswirkungen auf die Geschäfte, hieß es weiter. Auch beim Thema Brexit geht Machtlinger nicht davon aus, dass es zu Verschiebungen kommen wird. Der chinesische FACC-Hauptaktionär Avic habe sich für London als Sitz der Steuerungsholding entschieden, wo das Geschäft mit der Flugzeug-Innenausrüstung innerhalb der Avic-Gruppe gebündelt werden soll. Im Zuge dessen wird FACC mit Schwesterunternehmen zusammengespannt.