Am Samstag ist es endlich so weit. Nach 20 Jahren Vorbereitung wird die europäisch-japanische Raumsonde "BepiColombo" um 3.15 Uhr vom europäischen Weltraumbahnhof Kourou zu einer siebenjährigen Reise aufbrechen. Ihr Ziel: Der Merkur – der sonnennächsten Planeten unseres Sonnensystems. Die Mission gilt als die herausforderndste in der Geschichte der Europäischen Weltraumorganisation (ESA).

Schließlich gilt der Merkur als am wenigsten erforschter Planet. Er ist mit einem Durchmesser von 4.878 Kilometern nur wenig größer als der Erd-Mond und damit der kleinste, der neun Planeten. Bei einer mittleren Sonnenentfernung von 57,9 Millionen Kilometern beträgt seine Umlaufzeit um die Sonne etwa 88 Tage, die Rotationsperiode 58,65 Tage. Aus der Kombination dieser Drehbewegungen ergibt sich, dass der Wechsel zwischen Tag und Nacht ganze 176 Tage dauert. Auf der Sonnenseite des sonnennahen Planeten herrschen Temperaturen von etwa 430 Grad Celsius, die Nachtseite kühlt auf minus 180 Grad Celsius ab.

Bei dieser Erkundungsreise zum Merkur ist auch High-Tech und Know-how aus Österreich mit an Bord.

Ingenieure bereiten das "Mercury Transfer Module" (im Hintergrund) der "BepiColombo" für die Integration mit den beiden Orbitern (im Vordergrund) vor. - © ESA/CNES/Arianespace/Optique video du CSG – P.Baudon
Ingenieure bereiten das "Mercury Transfer Module" (im Hintergrund) der "BepiColombo" für die Integration mit den beiden Orbitern (im Vordergrund) vor. - © ESA/CNES/Arianespace/Optique video du CSG – P.Baudon

Im Rahmen von "BepiColombo" der ESA und der japanischen Raumfahrtagentur JAXA werden erstmals zwei Weltraumsonden zugleich zum Planeten Merkur fliegen, wie Wolfgang Baumjohann, Direktor des Grazer Instituts für Weltraumforschung (IWF) der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (ÖAW) erklärte. Das Grazer IWF ist federführend an drei Messgeräten beteiligt.

"Die beiden Orbiter werden den Planeten von zwei unterschiedlichen elliptischen Umlaufbahnen zeitgleich beobachten", schilderte der Grazer Institutsleiter. Insgesamt werden sie mehr als ein Dutzend Messinstrumente tragen und auf dem von der ESA gebauten Merkur-Transportmodul (MTM) zunächst sieben Jahre lang unterwegs sein, bis sie die Merkur-Zielumlaufbahn erreichen. Merkur zählt wegen seiner Nähe zur Sonne zu den noch am wenigsten erforschten Planeten im inneren Sonnensystem. Bisher war er nur von zwei NASA-Missionen in den Fokus gerückt worden.

Revolutionäre Erkenntnisse erwartet

Vom wissenschaftlichen Programm der Mission erwarten sich die Forscher revolutionäre Erkenntnisse über die Entwicklung von in der nächsten Umgebung der Sonne befindlicher Planeten und die Entstehung des Sonnensystems insgesamt. "Die Nähe zur Sonne und die damit verbundenen Temperaturen stellen bei der Erforschung des Planeten natürlich eine besondere Herausforderung für die Technik dar", umriss Baumjohann.