Für das Magnetfeldmessgerät auf dem MPO, der den Planeten relativ nahe umkreist, hat das Grazer IWF das technische Management übernommen und die Hard- und Software der Datenverarbeitungseinheit entwickelt. Die Leitung lag in diesem Fall bei der TU Braunschweig.

Unter der Führung des IWF hat ein internationales Forscherteam auch ein Massenspektrometer für den MPO entwickelt, wie Baumjohann weiter ausführte. Die sogenannte Planetary Ion Camera (PICAM) dient dazu, die Kette von Prozessen zu studieren, in denen Neutralteilchen aus dem Boden des Merkur herausgeschlagen, ionisiert und schließlich in die Umgebung des Merkur befördert werden. Durch die Beobachtungen der niederenergetischen Teilchenemissionen von der Merkuroberfläche, ihrer Quellgebiete sowie der Auswurfmechanismen und dem Zusammenspiel mit dem Sonnenwind soll die Mission zu einem besseren Verständnis von der Bildung der dünnen Atmosphäre des Merkur und seines Magnetosphärenplasmas kommen.

Neben dem starken rot-weiß-roten Wissenschaftsanteil an der Mission gibt es auch eine hohe Beteiligung der heimischen Weltraumindustrie an "BepiColombo". Für den richtigen Weg zum Merkur sorgt ein Lenksystem, das von Österreichs größtem Weltraumtechnik-Unternehmen, der Ruag Space Austria, entwickelt und gebaut wurde. Es besteht laut Mitteilung des Unternehmens aus vier hochpräzisen Positionsmechanismen für die elektrischen Satellitentriebwerke und einer zentralen elektronischen Steuereinheit. Für die Ausrichtung der Solarpaneele lieferte das Unternehmen die Motorsteuerung.

Sonde muss extreme Hitze aushalten

Weiters sorgt Weltraumtechnik "made in Austria" für den Hitzeschutz. "Merkur ist der sonnennächste Planet, daher muss die Sonde extreme Hitze über 450 Grad aushalten", teilte Max Kowatsch, Geschäftsführer der Ruag Space Austria im Vorfeld des Missions-Starts mit. Die am niederösterreichischen Ruag-Standort in Berndorf hergestellte Thermalisolation schützt die Sonde vor den extremen Temperaturen.

Die Hochtemperaturisolation besteht aus Keramikfasern, gleichzeitig dient sie auch als Schutz gegen Mikrometeoriten. Die Gesamtaufträge belaufen sich laut Kowatsch auf rund 33 Millionen Euro: "Das ist die bisher größte Beteiligung eines österreichischen Unternehmens an einer Wissenschaftsmission der europäischen Weltraumorganisation ESA."