Wien. (kle) Private Haushalte waren im vergangenen Jahr mit einem Drittel ihres Geldvermögens in Wertpapieren veranlagt. Direkte, selber getätigte Investitionen - in Aktien und Anleihen - spielten dabei aber nur eine untergeordnete Rolle. Denn wie die Nationalbank (OeNB) erhoben hat, veranlagen die Österreicher lieber indirekt in Wertpapiere - etwa über Investmentfonds, Versicherungen sowie Pensions- und Mitarbeitervorsorgekassen, wo die jeweiligen Investments von Profis gemanagt werden. Mehr als 70 Prozent des in Wertpapieren investierten Geldvermögens waren im Vorjahr demnach indirekt veranlagt.

Ende 2017 hielten private Haushalte mittels eigener Veranlagung nur 60 Milliarden Euro oder neun Prozent des gesamten Geldvermögens in Form von Aktien und Anleihen. "Der Blick in die Portfolios institutioneller Anleger wie Investmentfonds, Versicherungen sowie Pensions- und Mitarbeitervorsorgekassen zeigt jedoch, dass dem Wertpapierbesitz der Privathaushalte über diesen indirekten Weg weitere 154 Milliarden Euro oder 24 Prozent des Geldvermögens zuzurechnen sind", so OeNB-Chefstatistiker Johannes Turner in einer Pressekonferenz am Mittwoch.

Bei direkten Investments
geht es meist um Aktien

Nach Angaben der Nationalbank belief sich das Geldvermögen der Österreicher zum Jahresende 2017 auf insgesamt 655 Milliarden Euro, bis Mitte 2018 stieg es auf den neuen Rekordstand von 663 Milliarden Euro. Einlagen - überwiegend mit täglicher Fälligkeit und de facto vielfach fast unverzinst - waren dabei weiterhin die mit Abstand wichtigste Anlageform.

Dass die Österreicher Wertpapiergeschäfte lieber in die Hände institutioneller Anleger legen, begründet Turner vor allem mit dem stärkeren Vertrauen in gemanagte Produkte. Und das wiederum habe mit eventuell mangelndem Finanzwissen zu tun.

Während bei der direkten Veranlagung in Wertpapiere stärker in Aktien als in Anleihen und im Regelfall in inländische Papiere investiert wird, ergibt sich unter Berücksichtigung der indirekten Wertpapierinvestments ein anderes Bild. Dieses zeigt, dass der Anteil des in Anleihen investierten Vermögens relativ hoch ist. Mit 139 Milliarden Euro macht er zwei Drittel des gesamten Wertpapiervermögens von 214 Milliarden Euro aus. Zudem verschiebt sich der Investmentfokus mit der Auslagerung an institutionelle Investoren stark ins Ausland. Turner erklärt dies vor allem mit den strengeren Diversifizierungsvorgaben, mit denen institutionelle Investoren konfrontiert sind. Zumal es dabei auch um größere Anlagevolumina gehe.

Wertpapierinteresse im
europäischen Vergleich mau

Brüllend ist das Interesse der Österreicher an Wertpapierveranlagungen freilich noch immer nicht. Im europäischen Vergleich ist es nach wie vor gering. Während in Österreich 33 Prozent des privaten Geldvermögens in die direkte und indirekte Wertpapierveranlagung fließen (in Deutschland mit 35 Prozent auch nicht viel mehr), sind es in der gesamten Eurozone im Durchschnitt 49 Prozent. Turner führt dies unter anderem auf die höhere Bedeutung der privaten Altersvorsorge in anderen Euroländern zurück.

Das klassische Sparen ist bei den Österreichern indes weiterhin die wichtigste Form der Vermögensanlage. Rund 42 Prozent ihres Geldvermögens steckten 2017 in dieser risikolosen Investmentform. Dabei überwogen die ungebundenen Einlagen, also Sparen mit täglicher Fälligkeit: Per Ende Juni 2018 betrug der Anteil dieser Sparform 60 Prozent des gesamten Einlagenvolumens von 245 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Im Jahr 2007 waren es nur 26 Prozent gewesen.

Der Anteil an gebundenen Einlagen schrumpfte dagegen in den vergangenen Jahren deutlich. Hatte dieser 2007 noch rund 74 Prozent aller Einlagen ausgemacht, waren es Mitte 2018 nur noch 40 Prozent.

Zur Sparquote in Österreich hält Turner fest, dass diese im vergangenen Jahr von 7,8 auf 6,8 Prozent gesunken ist. Zur Begründung verweist er auf das Wachstum des privaten Konsums, das mit 3,2 Prozent stärker gewesen sei als das nominelle Wachstum der Einkommen mit 2,1 Prozent.