Welcher Form von Arbeit werden wir in Zukunft nachgehen?

Es wird eine stärkere Vermischung von Arbeitsformen geben. Zwischen 30 und 50 werden wir nicht nur Erwerbsarbeit nachgehen, sondern auch Bildungsarbeit, Familien- und Pflegearbeit.

Arbeiten, die unbezahlt sind?

Es stimmt, dass Auszeiten eine finanzielle Basis brauchen. In den letzten Jahren ist der allgemeine gesellschaftliche Wohlstand jedoch kontinuierlich gestiegen. Es ist also eher eine Frage der Umverteilung des gesellschaftlichen, aber auch persönlichen Einkommens. Investiere ich es auch, um mir neue Freiräume zu schaffen, und Ausbildungen zu finanzieren?

Wie kann die Politik diesen Wandel unterstützen?

Sie müsste sich nur der Realität stellen und nicht meinen, dass Ausbildung eine Aufgabe der Schule, der Fachhochschulen und Universitäten ist und mit 24 Jahren abgeschlossen ist. Es geht auch ein bisschen in die andere Richtung. Die Ausbildung beginnt ja immer früher. Wir sind gerade in einer Phase, in der das Kindergartenwesen sich stark ausweitet. Das ist auch eine Tendenz, die die Ausbildung vor dem Beginn der Schulpflicht verlängert.

Es gibt Thesen, die behaupten, bis 2020 verliert die Arbeit ihre Bindung an Bürosessel und Zeit.

Wenn man sich Umfragen anschaut, dann kommt heraus, dass die Teilzeit-Beschäftigten ein paar Stunden mehr und die Vollzeitbeschäftigten ein paar Stunden weniger arbeiten möchten. Von den Wünschen der Menschen her wäre eine 30-Stunden-Woche für alle das Ideal.

Junge Berufseinsteiger müssen sich darauf einstellen, dass auf sie unbezahlte Praktika, keine Fix-Anstellung und Arbeiten unter ihren Qualifikationen, warten. Was sind die Gründe dafür?

Das ist schwer einzuschätzen. Eine These, die ich für sehr plausibel halte ist: Es könnte sein, dass das die Kehrseite einer hohen sozialen Absicherung der Arbeitskräfte mittleren Lebensalters ist. Jüngere Leute haben es somit schwer hineinzukommen. Gerade Länder wie Italien und Frankreich zeichnen sich dadurch aus, dass eine sehr hohe Stabilität der Arbeitsverhältnisse für diejenigen herrscht, die bereits drinnen sind.

Ein Umstand, mit dem man also bis zur nächsten Pensionswelle leben muss?

Es könnten in diesen Verhältnissen auch strukturelle Umwälzungen zum Ausdruck kommen. Die industrielle Revolution hatte die Vernichtung vieler traditioneller Arbeitsplätze zur Folge. Gesamtwirtschaftlich gesehen hat sich nach einigen Jahrzehnten aber ein so starkes wirtschaftliches Wachstum in Gang gesetzt, dass die Nachfrage nach Arbeitsplätzen anderer Sektoren die potentiellen Arbeitskräfte aufgefangen hat. Und das könnte in der aktuellen Übergangsperiode zur Dienstleistungsgesellschaft jetzt auch der Fall sein. Die Frage ist, findet der Wandel der Arbeitsmärkte gleich schnell statt?