• vom 03.12.2018, 16:36 Uhr

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Risikomodelle

Bankenrisiko nicht niedriger als vor Krise




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  • Laut dem Finanzwissenschafter Gehrig erzeugen Geldinstitute mit eigenen Risikomodellen Großteil des Bankenrisikos.

- © peterschreiber.media/stock.adobe.com

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Wien/Alpbach. (apa/red) Jene Banken, die hauseigene Risikomodelle verwenden, stellen für das Bankensystem in Europa das höchste Risiko dar. Eigene Modelle verwendet zwar nur ein Viertel der Banken, sie haben aber zwei Drittel des Risikos angehäuft, zeigt Thomas Gehrig, Leiter des Instituts für Finanzwissenschaften an der Universität Wien, in einer Studie.

Eigentlich wären die hauseigenen Berechnungen dafür gedacht gewesen, das spezifische Risiko gut zu managen, und nicht, um das Risiko herunterzurechnen, merkt Gehrig an. Auch vor der Krise war es das oberste Fünftel der Banken, das den Großteil des Risikos erzeugte und daran hat sich nicht viel geändert. 60 Prozent der Banken hatten vor der Krise kein nennenswertes Risiko, und das hat sich nicht geändert. Sie haben nur noch regulatorische Auflagen und damit mehr Kosten, so Gehrig.


Gehrigs Berechnungen bestätigen, dass das Risiko des Bankensektors in Europa seit dem massiven Anstieg in der Wirtschaftskrise wieder zurückgegangen ist - es liegt aber noch nicht niedriger als vor der Krise (2006), warnt Gehrig. Daran haben auch Bankenunion und Regulierung nichts geändert.

Zwar verwendet Gehrig ein grundsätzlich anderes Modell als die Europäische Bankenaufsicht (EBA), aber in Bezug auf das Risiko der einzelnen Institute kommt er zu ähnlichen Ergebnissen. Das gilt auch für die Erste Group und die Raiffeisen Bank International (RBI), die beiden heimischen Institute, die von EBA im jüngsten Stresstest geprüft wurden. Dieser Test hat Erste Group und RBI eine ausreichende Kapitalisierung bestätigt. Auch die auf einem anderen Weg berechnete wissenschaftliche Analyse des Risikos der beiden Häuser kommt für die österreichischen - wie auch für die anderen europäischen - Banken im Wesentlichen zur gleichen Risikoverteilung wie der Stresstest der EBA.

Erste und RBI sind "ganz ordentlich kapitalisiert", sagt Gehrig. Wobei er nicht nur auf das medial im Vordergrund stehende risikogewichtete Kernkapital (Tier-1) schaut, sondern auch auf das gesamte Kapital im Vergleich zu allen Verbindlichkeiten. Diese "leverage ratio" liege bei beiden Häusern bei rund sechs und bleibe auch unter Stress weit über dem erforderlichen Mindestmaß von drei, hebt Gehrig hervor.

Keine großen Probleme mehr
im heimischen Bankensektor

Auch Erste und RBI verwenden hauseigene Risikomodelle - "aber keine aggressiven", schränkt Gehrig ein und sieht hier weniger Probleme. Insgesamt sieht Gehrig im österreichischen Bankensektor keine großen Probleme mehr. Österreich habe keine wirklich großen Banken mehr, also keine systemisch gefährlichen Institute.




Schlagwörter

Risikomodelle, Banken

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Dokument erstellt am 2018-12-03 16:46:38


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