• vom 27.02.2017, 12:41 Uhr

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Bekleidungshandel

Wer zieht wen an?




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Von Andrea Möchel

  • Die Big Player in der Bekleidungsbranche behaupten ihre Positionen. Vor Käuferschwund sind aber auch sie nicht gefeit.

Nichts zum Anziehen? In den Geschäften und im Internet wartet schon die Frühjahrsmode. - © fotolia/Ivan Kurmyshov

Nichts zum Anziehen? In den Geschäften und im Internet wartet schon die Frühjahrsmode. © fotolia/Ivan Kurmyshov

Wien. Neue Konkurrenten, ruinöse Rabattschlachten, sinkende Umsätze und Online-Konkurrenz von A wie Amazon bis Z wie Zalando: Die heimische Bekleidungsbranche musste sich in den vergangenen Jahren warm anziehen. Stellt sich die Frage, wo derzeit die Hotspots der Fashionistas zu finden sind.

Antworten darauf liefert die Kauf-Rangfolge 2016 des Marktforschungsinstituts Imas International. Demnach landen auf dem ersten Platz ex aequo die Textilriesen C&A und H&M. Jeweils 23 Prozent der Österreicher über 14 Jahre haben in den vergangenen drei Monaten bei diesen Moderiesen ihre Garderobe aufgepeppt. Auf dem dritten Platz findet sich der Textil-Diskonter KiK (13 Prozent) knapp gefolgt von Vögele und New Yorker.


"Die Kaufrangfolge war in den vergangenen fünf Jahren relativ stabil, wobei sich C&A und H&M weiterhin sehr knapp um den ersten Platz matchen", analysiert Paul Eiselsberg, Research Director von Imas International, das Ergebnis. Das Marktforschungsinstitut hat die Bekleidungsbranchen, auf Basis der Österreichischen Verbraucheranalysen von 2012 bis 2016, einer Marken- und Zielgruppenanalyse unterzogen.

"Eine interessante Erkenntnis ist sicher, dass seit 2012 beinahe alle abgefragten Bekleidungsgeschäfte bei jenen Käufern etwas an Boden verloren haben, die in den letzten drei Monaten dort eingekauft haben", so Eiselsberg zur "Wiener Zeitung". "Neue Mitbewerber, aber auch der digitale Wandel spielen bei dieser Entwicklung eine entscheidende Rolle." Die Verluste lagen im Schnitt zwischen drei und vier Prozentpunkten. Die meisten Kunden verlor Vögele mit minus sechs Prozentpunkten. Lediglich Peek & Cloppenburg entwickelte sich mit zwei Prozentpunkten plus entgegen dem Branchentrend positiv. Der Düsseldorfer Textilhändler konnte damit knapp zu anderen Mitbewerbern wie NKD und New Yorker aufschließen und liegt nun auf Rang sechs.

H&M punktet bei
fast allen Altersgruppen

Bleibt die Frage: Wer zieht wen an? Am attraktivsten für die jüngste Bevölkerungsgruppe erweist sich laut Imas-Trendstudie wenig überraschend H&M. Der schwedische Moderiese präsentiert sich aber auch sonst als (beinahe) "Everybody’s Darling" und macht bei allen Altersgruppen außer der Generation 60-plus, eine gute Figur. So haben 37 Prozent der unter 30-Jährigen in den vergangenen Monaten den Stockholmer Textilhändler besucht. Im Gegensatz dazu kann Vögele am stärksten bei den älteren Semestern punkten. Betrachtet man die Kaufkraft der Kunden, so hat H&M auch bei jenen mit mehr als 2600 Euro Haushaltseinkommen die Nase vorn (26 Prozent), gefolgt von C&A mit 20 Prozent und Peek & Cloppenburg (13 Prozent).

Ein gar nicht kleiner Unterschied zeigt sich beim Einkaufsverhalten von Herrn und Frau Österreicher. So ist der Gender Gap bei C&A am größten, denn der Textilriese wirkt auf Frauen weitaus anziehender als auf Männer. Bei beiden Geschlechtern gleichermaßen beliebt ist hingegen Peek & Cloppenburg. Männer erweisen sich in Sachen Mode aber generell als Einkaufsmuffel. So haben 47 Prozent der Männer im vergangenen Quartal keine der abgefragten Marken frequentierten, bei den Frauen waren es bloß 27 Prozent. "Vor allem Männer und Personen älter als 60 Jahre gehen vergleichsweise selten in ein Bekleidungsgeschäft", bestätigt Paul Eiselsberg. "Bei den über 60-Jährigen haben beispielsweise 48 Prozent in den vergangenen drei Monaten keinen der abgefragten Anbieter besucht." Das liege jedoch nicht nur an den unterschiedlichen Einkaufsvorlieben nach Alter und Geschlecht. "Natürlich spielt dabei auch der Online-Handel eine gewisse Rolle", meint der Experte.

Online-Shopping als größte Herausforderung
Tatsächlich liegt Shoppen per Mausklick voll im Trend und erweist sich als derzeit größte Herausforderung für den stationären Handel. Laut Österreichischer Verbraucheranalyse (ÖVA), die den Onlinekauf jährlich erhebt, waren es vor sieben Jahren 31 Prozent der Bevölkerung, die online kauften oder buchten. Im Jahr 2016 lag die Quote bereits bei 44 Prozent.

Ein Gutteil der im World Wide Web georderten Waren sind Textilien und Schuhe. Laut Imas ordern bereits 13 Prozent ihre Straßen- und Abendbekleidung online bei klassischen Anbietern. Weitere sieben Prozent tun dies über Plattformen wie Amazon oder Zalando. Freizeit oder Sportbekleidung ordert bereits mehr als jeder Vierte im Webshop. "Insgesamt kaufen aktuell 20 Prozent der Österreicher Bekleidung im virtuellen Raum ein", sagt Paul Eiselsberg, "womit die gesamte Branche im Spitzenfeld jener Produktgruppen liegt, die häufig online geshoppt werden."




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Dokument erstellt am 2017-02-27 12:44:05



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