• vom 16.07.2018, 18:38 Uhr

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Chinesen haben auf Europas Firmen deutlich weniger Appetit




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  • Zahl der Zukäufe sank im Halbjahr um zwölf Prozent, Wolford-Übernahme größter Deal in Österreich.

- © Reuters/Fabrizio Bensch

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Wien. (kle) Chinas Appetit auf europäische Unternehmen war im abgelaufenen ersten Halbjahr weniger stark ausgeprägt als im gleichen Vorjahreszeitraum. Wie die Beraterfirma EY (Ernst & Young) erhoben hat, schrumpfte die Zahl der Akquisitionen chinesischer Investoren in Europa weiter - um zwölf Prozent auf 111. In Österreich gab es von Jänner bis Juni zwei Transaktionen, das war um eine weniger als in der entsprechenden Vorjahresperiode.

Größter Deal war hierzulande der mehrheitliche Einstieg des chinesischen Mischkonzerns Fosun beim Vorarlberger Strumpf- und Wäschehersteller Wolford um rund 75 Millionen Euro. Ein weiterer Deal betraf die Wiener Biotech-Firma Miracor Medical Systems, diese bekam in einer von der chinesischen Beteiligungsfirma Ming Capital angeführten Investmentrunde im Tausch gegen Anteile 25 Millionen Euro.


"Österreich befindet sich nach wie vor nur am Rande des Radars chinesischer Investoren, Transaktionen sind weiterhin Einzelfälle und kein Trend", sagt Eva-Maria Berchtold von EY Österreich. "Die M&A-Aktivitäten (Mergers & Acquisitions, Anm.) in den vergangenen Jahren verdeutlichen aber, dass chinesische Investoren auch in Österreich gezielt nach einzelnen Top-Betrieben mit hoher Spezialisierung, starken Marken und führenden Technologien Ausschau halten."

Politische Bedenken
Europaweit beteiligten sich Investoren aus dem Reich der Mitte in der ersten Jahreshälfte mit insgesamt gut 14,9 Milliarden US-Dollar (12,7 Milliarden Euro) an 111 Unternehmen. In den ersten sechs Monaten 2017 waren es aber noch 31,6 Milliarden Dollar für 126 Firmen gewesen. Der mit Abstand größte Deal im heurigen ersten Halbjahr war der Einstieg des chinesischen Autoproduzenten Geely beim deutschen Autoriesen Daimler um 8,9 Milliarden Dollar.

Laut EY akquirieren Chinesen am meisten in Deutschland und Großbritannien. Das war auch in der ersten Hälfte 2018 so, allerdings sank die Zahl der Zukäufe in beiden Ländern von 26 auf 22. Da es sich in Großbritannien vor allem um kleine Deals handelte, schrumpfte das Investitionsvolumen von 16,2 auf 0,6 Milliarden Dollar, während in Deutschland aufgrund des Geely-Daimler-Deals ein Anstieg von 6,7 auf 9,9 Milliarden Dollar registriert wurde. In Frankreich kletterte die Zahl der Akquisitionen von zehn auf 13, in Italien sank sie von zwölf auf elf.

Unerreicht ist das erste Halbjahr 2016, als chinesische Investoren insgesamt 72,9 Milliarden Dollar für 176 europäische Unternehmen ausgegeben hatten. Seitdem hat sich aber das Klima geändert: Politische Bedenken in Europa und Peking bremsen laut der EY-China-Expertin Yi Sun die Investoren aus. Die europäischen Verkäufer verlangen hohe Garantien und zudem gibt es in Europa die Sorge vor einem Ausverkauf von Know-how, während in China strengere Auflagen für den Kapitalabfluss ins Ausland eingeführt wurden. Dadurch seien bereits einige Übernahmen gescheitert.

EY zufolge verschiebt sich auch der Fokus der Chinesen. Die Übernahmen klassischer Industriefirmen gehen deutlich zurück. Dafür kaufen die Investoren nun signifikant Konsumgüterhersteller, aber auch im Energie- und Rohstoffsektor schlagen sie öfter zu.

Für das zweite Halbjahr erwartet Yi Sun "anhaltend großes Interesse" chinesischer Investoren an europäischen Firmen. Die Chinesen müssten jedoch ihre Interessen deutlicher kommunizieren und Zugeständnisse bei Jobs und Firmensitz machen. Umgekehrt könnten "die veränderte politische Großwetterlage und die handelspolitischen Spannungen mit den USA zu einer größeren Bereitschaft in Europa führen, chinesische Investoren ins Boot zu holen".




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Unternehmen, China

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Dokument erstellt am 2018-07-16 18:44:00


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